
Flaschenpost: Vom Brünnerstraßler zur Weinviertel-Avantgarde
Minderwertig war gestern – heute überrascht das Weinviertel mit Vielfalt, Qualität und Charakter im Glas.
Ist der Ruf einmal ruiniert, ließe es sich zwar ungeniert leben, aber davon hat man auch nichts. So stand etwa die Bezeichnung „Brünnerstraßlers“ einst für minderwertigen Wein aus dem Weinviertel, der am Rande der Poststraße von Wien nach Brünn wuchs.
Krampensauer sei er, soll schon Kaiser Josef ll. befunden haben und als Napoleon mit seinen Truppen durchs Weinviertel marschierte, sei er, so die Legende, lieber in die nächste Schlacht gezogen, als noch einen Tropfen vom hiesigen Wein zu trinken.
Die flächendeckende DACisierung des Weinviertels brachte zwar eine gewisse Imageverbesserung für die Region – die Definition für gebietstypischen Grünen Veltliner ist aber auch nicht unbedingt dazu angetan, echte Spitzenqualität zu fördern. Letztlich waren es doch wieder Einzelne, die mehr wollten und so mit allen Vorurteilen aufräumten.
Die Voraussetzungen für Qualität waren ohnehin immer vorhanden: Ideale Böden von Löss bis Urgestein, unterschiedliche Kleinklimata. Es brauchte lediglich engagierte Weinmacher, die das Gegebene zu nutzen wussten. Heute gibt es eine Vielfalt an individuellen Weinstilen: von avantgardistisch bis klassisch, von funky bis zahm.
In alphabetischer Reihenfolge, weil Geschmack ja bekanntlich am Gaumen des Verkosters liegt: Marion und Manfred Ebner-Ebenauer, Fidesser, Gindl, Ingrid Groiss, Gruber Röschitz, Gut Hardegg, Pollerhof, Reckendorfer, Schödl Family, Seymann, Leo Uibel und nicht zuletzt der großartige Johannes Zillinger und Herbert Zillinger. Und so weiter!
Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.
Kommentare