Mario Lohninger kochte sich vom Techno-Club zu Tim Mälzer

Ein Österreicher gilt als bester Koch in Frankfurt. Wer ist der Mann, der bei Kitchen Impossible seine glutenfreien Kreationen präsentierte?

Es ist ein bisschen so wie früher mit Wetten Dass? Am Montag reden doch einige aus dem Bekanntenkreis über Kitchen Impossible auf Vox. Und das war gestern, Sonntag, los: TV-Star und Star-Koch Tim Mälzer schmiss sich mit Sepp Schellhorn auf ein Packerl. Gemeinsam wollten sie der Healthy Boy Band (HBB) mit Philip RachingerFelix Schellhorn und Lukas Mraz die Leviten lesen.

Das ist zwar nicht ganz gelungen. Aber die alten und doch schon etwas weißen Männer schickten die - auch nicht mehr ganz so jungen - österreichischen Jungespunde nach London zum Drei-Sterne Mann Johannes Nuding und nach Frankfurt ins Lohninger, wo sie die glutenfreien Kreationen des Österreichers Mario Lohninger nachkochen mussten. Da mussten sie schon genau schmecken und hinsehen.  Aber es lohnt sich auch ein Blick auf den Koch selbst. Sein Schaffen ist nämlich durchaus beachtenswert.

Lohninger stammt aus einer Gastro-Familie im Salzburger Pinzgau und lernte bei den legendären Obauers. Dann folgte der Ruf des Auslands und Stationen wie das „Tantris“ in München, „Spago“ in Los Angeles, „Guy Savoy“ in Paris, und das „Danube“ in New York.

Cocoon Club in Frankfurt

Es sollte aber das weniger glamouröse Frankfurt sein, wo sich Lohninger einen weitum bekannten Namen machte und sich auch noch einen Stern in einem eher ungewöhnlichen Lokal erkochte: Es war ein Restaurant ohne Tische und Stühle. Die Gäste lagen auf weißen Leder-Polstern und Kissen mit Swarovski-Steinen bestickt. Der Raum war in rosarotes Licht getaucht. Und wenige Meter weiter legten bekannte Namen der Techno-, House und Trance-Welt auf. 

So sah es im "Silk", dem Sterne-Restaurant des Frankfurter Cocoon Club aus.

©Paul Hahn / laif / picturedesk.com/Paul Hahn/ laif / picturedesk.com

2004 eröffnete Sven Väth, Haudegen und "Babba" der deutschen Techno-Szene, seinen aufwändig gestalteten Cocoon Club. Das brach mit Erwartungen, die man an ein Tanzlokal dieser Art eigentlich hat. Das Gebäude sah von außen aus wie ein Ufo, drinnen schmückten Waben die Wände und die DJ-Kanzel. Etwas zu essen gab es dort auch. Und zwar sehr Gutes im von Lohninger bekochten Betten-Restaurant "Silk" und dem stilvollen Bistro "Micro".

Wie die FAZ schrieb, erklärte Väth vor "der Eröffnung auf einer Pressekonferenz, er wolle einen schicken Club für Menschen in seinem Alter schaffen. Auch unter ihnen gebe es Leute, die feiern wollten und nicht spießig seien. Und die können sich in der Regel auch höhere Preise bei Eintritt und Getränken leisten".

Das Konzept ging anfangs auf, es stieß auf viel Beachtung und wohlwollende Berichterstattung. Lohninger holte sich für seine Küche 2006 sogar einen Michelin-Stern.

Sven Väth eröffnete 2004 den architektonisch sehenswerten Club Cocoon in Frankfurt. Viele Waben schmückten die Wände.

©Georg Knoll / laif / picturedesk.com

Bemerkenswert ist auch, wie sich Väth und Lohninger kenngelernt haben. Laut FAZ war der Salzburger Anfang der 2000er mit 28 Jahren Küchenchef im New Yorker „Danube“. "Billy Wilder ist Gast, Pavarotti liebt die amerikanisiert österreichischen Gerichte", schrieb das Medium.

Und Lohninger war offenbar ein Fan von Szene-Urgestein Sven Väth, der damals im Limelight auflegte. Nach dem Gig sei er mit seinen Plattenkoffern auf der Straße gestanden, erzählte der DJ einmal der Zeit, "da kommen zwei Österreicher auf mich zu, 'hey, Sven!'. Die wollten ein Autogramm, dann kamen wir ins Gespräch, und der eine sagte, dass er Mario Lohninger heiße und in New York im Danube koche". Väth sah sich den Gourmet-Tempel mit seinen Freunden an. Neben ihnen saßen laut FAZ Mitglieder der thailändischen Königsfamilie. "Vor ihren Tellern stehen handgeschriebene Tischkarten, sie essen Austern aus Gläsern, die in anderen Gläsern stehen, in denen japanische Kampffische schwimmen." Das hat den Deutschen nachhaltig beeindruckt.

Der Techno-DJ Sven Väth im Jahr 2020.

©EPA/BRITTA PEDERSEN / POOL

Etwas später trafen die beiden zufälligerweise in Salzburg aufeinander. Dort habe Väth dem Koch von seinen Plänen des neuen Clubs mit Sterne-Lokal erzählt. "'Gib mir eine Woche', hat der Mario gesagt. Und ist dann nach Frankfurt gekommen", berichtete Väth der Zeit.

 

Und in "Mainhattan" ist er geblieben. Und auch seine Eltern kamen nach, die ihn auch heute noch bei seinen Gastro-Projekten unterstützen. 2012 war Schluss mit dem Cocoon Club und den Lokalen - und damit auch mit den 13-gängigen Häppchenmenüs auf dem Sofa.

Wie Väth einmal im Zeit-Interview sagte, ging sich das alles doch nicht aus: "Unser gastronomisches Konzept war auf Dauer zu anspruchsvoll, deshalb mussten wir am Ende den Stecker ziehen. Der Sprung vom wilden Omen (eine legendäre Disco, die der DJ in den späten Achtzigern Neunzigern mitbetrieb, Anm.) zum Cocoon Club mit Sterneküche war natürlich ziemlich groß."

Verträgliche Fusion-Küche

Lohninger wurde ein Jahr vor der Schließung vom Gault Millau zum "Koch des Jahres 2011“ gekürt, weil er „voller Entdeckerfreude und Erneuerungsdrang“ drei verschiedene Küchen anbot - neben den zweien im Cocoon hatte er 2010 auch das "Lohninger" aufgesperrt. Dort setzt er auf österreichische "Küche in Verbindung mit mediterranen, asiatischen und amerikanischen Elementen", wie es in einer Beschreibung des Lokals heißt.

Und er setzt auf gute Verträglichkeit. Dass Gäste das verlangen, habe er in den USA gelernt. „Seither stellen wir alles selbst und jeweils frisch her, damit wir wissen, was in unseren Speisen ist“, sagte Lohninger einmal der FAZ. Und nur eine Sorte Brot lasse er anliefern. Sonst "wird jede Sauce, jede Nudel und sogar das Eis in seiner Küche von Hand angefertigt".

 

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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