gesundes Essen

Flexitarier und Flexiganer: Was hinter den Ernährungsstilen steckt

Die eine Bezeichnung hat sich gut etabliert, die andere geht noch nicht so einfach von der Zunge: Immer öfter teilt man sich den Essenstisch mit "Flexitariern" und "Flexiganern."

Nach eigenem Ermessen

Flexitarier ernähren sich großteils vegetarisch, Flexiganer großteils vegan. Das jeweils vorangestellte "Flex-" (für "flexibel") verweist darauf, dass beide Gruppen hin und wieder auch zu tierischen Produkten bzw. Fleisch greifen. In welchem Ausmaß das geschieht, ist nicht festgelegt. Dass ein klares Regelwerk fehlt, rüttelt aber nicht an der Sinnhaftigkeit der beiden Ernährungsweisen.

Hier mehr lesen: Aufgetischt: Das sind die besten Gasthäuser Österreichs 2024

Generell entscheidet jeder für sich, ob tierische Produkte am Speiseplan stehen sollen. Als Nahrungsmittel versorgen sie uns mit vielen wichtigen Nährstoffen, wie Eisen, Zink, Selen und B-Vitaminen, und liefern hochwertige Proteine. Studien belegen aber auch die Folgen eines übermäßigen Fleischkonsums, wie ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, hoher Blutdruck, erhöhter Cholesterinspiegel. 

Zur Fleischreduktion motivieren aber auch Umweltgedanken. Denn Viehzucht und -haltung verursachen Tierleid und hohe Treibhausgas-Emissionen. Zudem verschlingt der Anbau von Tierfutter viel Platz und verdrängt damit andere Landwirtschaften. Die bewusste Hinwendung zu einer flexiblen Ernährungsvariante (sofern man nicht komplett auf vegan oder vegetarisch umsteigt) ist daher durchaus nachvollziehbar.

Strategie finden

Damit die neue Essgewohnheit langfristig bestehen bleibt und sich nicht alte Gewohnheiten einschleichen, ist es sinnvoll sich an eigene Regeln zu halten. Einige Orientierungspunkte, um den Einstieg zu erleichtern:

Bei Flexitarismus handelt es sich um eine abwechslungsreiche, großteils pflanzlich betonte Ernährungsform, die auf niedrig verarbeitete Lebensmittel setzt. Gemüse, Obst, Salat, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Kerne und Samen sowie hochwertige Pflanzenöle bilden die Basis. Die vegetarische Variante inkludiert Milchprodukte und/oder Eier in hoher Qualität.

Tierische Produkte, Fleisch und Fisch gelten als kulinarisches Highlight, das nicht gedankenlos konsumiert wird. Beim Kauf wird nach Qualität (z.B. Bio-Siegel, artgerechte Haltung) und Regionalität ausgewählt. Verhältnismäßig oft wird zu Geflügel gegriffen, wohl aufgrund gesundheitlicher Bedenken: Weißes Fleisch gilt als gesünder als rotes bzw. wird rotes Fleisch mit einem gestiegenen Darmkrebs-Risiko in Verbindung gebracht. Vermieden werden Produkte aus Massentierhaltung sowie hochverarbeitete bzw. industriell hergestellte Produkte wie Wurst oder Leberkäse.

Einen etablierten Wert, wie sehr der Fleischkonsum eingeschränkt werden muss, um Flexitarier zu sein, gibt es nicht. Pro Veg Deutschland (ehemals Deutscher Vegetarierbund) zählt Personen, die an mindestens drei Tagen pro Woche auf Fleisch verzichten, bereits zu dieser Gruppe. Was die Sache v.a. für Neulinge erleichtern kann: Inzwischen gibt es im Supermarkt eine große Auswahl an Alternativen, wie Tofu, Seitan, Sojaschnitzel und Co.

Bei all der Regellosigkeit ist Flexitarismus nicht immer leicht umzusetzen und nicht immer gesund. Auch hier kann es zu einem Zuviel an Zucker, schlechten Kohlenhydraten ungesunden Fetten sowie Produkten mit vielen Zusatz- und Konservierungsstoffen kommen. Im Alltag die Aufmerksamkeit immer wieder bewusst auf die Ernährung zu richten, ist nicht einfach, aber der erste Schritt zu einem gesünderen Lebensstil.

Wie isst Österreich?

Laut Schätzung der Veganen Gesellschaft Österreich (VGÖ)  aus dem Jahr 2021 ernähren sich   840.000 Menschen vegetarisch,   106.000 vegan und mehr als 4,6 Millionen flexibel.  Vor allem die Zahl der Flexitarier hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Als Gründe dafür werden die eigene Gesundheit, Umweltschutz und Tierwohl hervorgehoben. 

Der Wedl Food Report 2024 setzt sich ebenfalls mit unserem Ernährungsverhalten auseinander. Er zeigt, dass gerade im Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Pandemie aktuell signifikant häufiger zu Hause gekocht und der Fokus vermehrt auf Regionalität und Frische der Lebensmittel liegt. Fast ein Drittel gab an, stärker auf Gesundheit, Ausgewogenheit und auf ein mehr an Gemüse/Salat und weniger Fleisch achten zu wollen. Traditionelle Küche, wie Schnitzel und Gulasch, aber auch Nudelgerichte dominieren aber nach wie vor gegenüber dem veganen/vegetarischen Ernährungsstil.

Kommentare