Bully Herbig über Mirco Nontschew: „Die Leute sollen sehen, wie großartig er war“

Am 14. April startet die dritte Staffel von „LOL: Last One Laughing“. Bully Herbig findet rührende Worte zum Tod des Comedians.

Die Gäste hatten sich von ihren Plätzen erhoben, im Saal herrschte minutenlang Applaus. Ein rührender Moment: Die Premiere der dritten Staffel von „LOL: Last One Laughing“ im Delphi-Filmpalast in Berlin geriet zur letzten Ehrerbietung für Mirco Nontschew. Am 3. Dezember 2021 war der Comedian im Alter von nur 52 Jahren tot aufgefunden worden. Genauere Umstände wurden nicht bekannt gemacht, der Deutsche soll eines natürlichen Todes gestorben sein.

Wenn ab Donnerstag die neuen Folgen von „LOL“ am Streaming-Dienst Amazon Prime Video abrufbar sind, wird man Nontschew noch einmal in Hochform erleben können. Das Konzept der Show besteht darin, dass zehn Komiker in einem Raum versuchen, sich gegenseitig zum Lachen zu bringen. Wer zweimal lacht, fliegt raus. Als Aufpasser fungiert Michael Bully Herbig.

Herbig über Nontschew: "Unheimlich lebensfroh"

©Frank Zauritz

"Ich hab nur gelacht mit ihm" 

Wie hat er ihn in Erinnerung? „Unheimlich lebensfroh, unheimlich spontan. Und für jemanden, der so extrem talentiert war, extrem bescheiden“, sagt Herbig im Interview mit freizeit.at. „Manchmal war er sich, glaube ich, gar nicht bewusst, wie lustig und unterhaltsam er ist.“

Wie das Publikum auch, erlebte Herbig Nontschew als eine Art Turbolader in Sachen Humor. Das sei schon bei der ersten Begegnung so gewesen.

„Die Tür geht auf, ich sag ,Hallo‘ zu ihm, und er macht schon die erste Slapstick-Nummer und schmeißt sich auf den Boden: Ich hab nur gelacht mit ihm“, so Herbig. „Auch als ich ihn dann in der Show gesehen habe, war er sofort von null auf hundert Prozent, auch wenn ich nur das wiedergeben kann, wie ihn dort kennengelernt habe“, erzählt der Komiker weiter.

Zum Glück kein "Vollpfosten" 

„Dass er menschlich dann auch noch so ein lieber Kerl war, kam ja noch on top. Oft ist es ja so: Man hat Kollegen, die man schätzt und mag, die man aber vielleicht persönlich bis jetzt noch nicht kennengelernt hat. Und dann ergibt sich eines Tages die Möglichkeit und man trifft diese Menschen – und ist dann erleichtert, wenn die auch noch nett sind“, so Herbig.

Begegnungen mit Idolen seien immer gefährlich, so der „Schuh des Manitu“-Mastermind. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn du jemanden kennenlernst, den du eigentlich verehrst und bewunderst, und du denkst dir: Uff, ist das ein Vollpfosten – alter Schwede! Und das ist in diesem Falle eben nicht passiert.“

Die Show, die Nontschew in „LOL“ abzieht, ist sein letzter öffentlicher Auftritt. Wie immer zeigt er sich in Bestform: im lila Anzug Marke Seidenglanz, mit schwarzer Perücke und aufgeklebtem Schnurrbart versucht er, wie in den ersten Folgen zu sehen ist, Comedian-Kollegen wie Anke Engelke oder Christoph Maria Herbst zum Lachen bringen.   

Und das konnte er gut. „Allein sein Gesicht war ein halbes Comedyprogramm, dann kam der Rest des Körpers hinzu“, schrieb Die Zeit über ihn. „Mirco Nontschew unterhielt wie sonst niemand in Deutschland.“ Ein Mann, der den Nonsens beständig über die Eskalation hinaustrieb, rauf, ganz nach oben, auf die irrwitzige Spitze einer ohnehin mit absurden Gags gepflasterten Hochschaubahn.

Begnadeter Blödler: Mirco Nontschew

©Frank Zauritz

Die Stimmung am Set von „LOL: Last One Laughing“ beschreibt Bully Herbig als „sehr familiär. Man hätte im Grunde nach der Show direkt einen trinken gehen können“. Über die Nachricht von Mirco Nontschews Tod sagt er: „Wir waren alle zutiefst schockiert.“

Staffel zeigen, oder nicht?

Doch was tun mit der fertig gedrehten Staffel, wenn einer der Darsteller der Comedy-Show überraschend stirbt?

„Es stand nie zur Diskussion, ihn nicht zu zeigen“, erklärt Herbig. „Damit hätten wir ihm Unrecht getan. Die Leute sollen einfach sehen, wie großartig er war. Auch in dieser Staffel.“

Eine Meinung, die auch Otto Steiner, Produzent von „LOL“, vertritt, wie er im Interview verrät: „Mircos Tod hat uns alle tief erschüttert. Aber wir haben uns entschlossen, dass wir ihm die Staffel widmen. Dass wir ihm gemeinsam ein komödiantisches Denkmal setzen wollen. Und das ist, glaube ich, auch gelungen.“

Bekannt geworden war Mirco Nontschew in den Neunziger-Jahren durch die Fernsehsendung „RTL Samstag Nacht“. An der Seite von Leuten wie Wigald Boning oder Stefan Jürgens brachte er eine ganze Generation geschlossen zum Lachen. Nachdem er abgetaucht war, schien er mit der Erfolgsshow wieder an alte Erfolge anzuschließen.

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine, Gründer einer PR- und Medienagentur und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schreibt über Kultur, Gesellschaft, Stil und mehr. Interviews vom Oscar-Preisträger bis zum Supermodel, von Quentin Tarantino über Woody Allen bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Mag Nouvelle Vague-Filme und Haselnusseis.

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