Filmdreh von "Bachmann & Frisch“ in Wien: Eifersüchtig im Kaffeehaus

Margarethe von Trotta dreht derzeit in Wien ein Bio-Pic über die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch

Max Frisch sitzt in einem römischen Kaffeehaus und ist sauer. Verdrossen blickt der Schweizer Schriftsteller durch dicke Brillengläser auf seine Begleiterin. Es ist die österreichische Autorin und Lyrikerin Ingeborg Bachmann, mit der Frisch eine aufwühlende Beziehung führt. Gerade sieht sie strahlend zu einem jungen Mann auf, der unversehens an den Tisch des Paares getreten ist und Bachmann freudig begrüßt. Kaum ist der Mann wieder verschwunden, kann sich Frisch eine gehässige Bemerkung nicht ersparen. Er ist eifersüchtig: „Stimmt es etwa nicht, dass du dich wie ein Star verhältst?“, zischt er giftig Bachmann entgegen, die ihm beruhigend zulächeln möchte. Sie greift daraufhin zu ihrer Handtasche, steht auf und verlässt mit eingefrorenem Gesicht den Tisch.

„... und Cut!“

Kaum ist der erlösende Satz gefallen, beginnt es sofort zu wuseln. „Ingeborg Bachmann“ – es ist die luxemburgische Schauspielerin Vicky Krieps – kehrt an den Tisch zurück. „Max Frisch“ – der deutsche Schauspieler Ronald Zehrfeld im weißen Anzug – lehnt sich entspannt zurück. Kameraleute und Produktionsassistenten eilen geschäftig hin- und her. Aus dem Hintergrund betritt eine zarte, weißhaarige Dame das Geschehen und gibt Anweisungen. Es ist die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta, die gerade für neun Tage Zwischenstopp in Wien macht und hier Schlüsselszenen für ihren Film „Bachmann und Frisch“ dreht.

Wien ist Rom

Tatsächlich befinden wir uns nicht im Caffè Greco, dem Lieblingskaffeehaus von Ingeborg Bachmann in Rom, sondern im Hotel Imperial am Wiener Kärntner Ring. Dort wurde der historische Marmorsaal aus dem Jahr 1873 mitsamt seinen eleganten Lustern und den schweren Vorhängen an den Fenstern kurzfristig als Caffè Greco verkleidet.

Das gesamte Hotel Imperial ist zugeparkt mit Lastwägen, die deutsche und österreichische Nummerntafeln tragen und zur Filmcrew gehören. Vor dem Hintereingang des Hotels sind riesige Schweinwerfer aufgebaut. Davor tummeln sich Komparsen, deren blumiges Outfit – mit Handtäschchen und Strohhut – den Look der frühen Sechzigerjahre beschwört.

Ingeborg Bachmann und Max Frisch lernten sich 1958 kennen und verliebten sich leidenschaftlich ineinander. Doch die Beziehung, die für vier Jahre andauern sollte, ist auch durch viel Kränkungen, Eifersüchteleien und verzehrenden Auseinandersetzungen geprägt. Es entsteht eine Hass-Liebe, an der Bachmann letztendlich zerbricht und deren schicksalhafte Zeit den Kern von Margarethe von Trottas „Bachmann & Frisch“ darstellt.

Die Autorin Ingeborg Bachmann liebte Rom und Max Frisch

©APA/dpa

Kein Bösewicht

„Ich habe zuerst etwas gezögert, als man mir das Projekt angeboten hat: Ingeborg Bachmann ist eine sehr schwierige Person mit einem sehr schwierigen Leben“, erzählt Margarethe von Trotta, der man das Alter von 80 Jahren keine Sekunde anmerkt, im KURIER-Gespräch. Dann jedoch habe die Idee in ihrem Kopf „zu blühen und zu wachsen“ begonnen.

Als nächstes stellte sich die Frage, welchen Abschnitt aus Ingeborg Bachmanns Leben sie verfilmen wolle, so die Regisseurin, die bereits mit historischen Bio-Pics wie „Rosa Luxemburg“ oder „Hannah Arendt“ reüssierte: „Ich will nie das gesamte Leben eines Menschen verfilmen, sondern immer nur eine beschränkte, aber sehr ausdrucksstarke Zeit.“

Die Zeit der Beziehung zu Max Frisch hätte sich angeboten, weil es „das einzige Mal war, wo sie mit einem ,gleichwertigen‘ Schriftsteller zusammen war, der ebenfalls sehr bekannt war. Mein Interesse war: Wie kann so eine Beziehung funktionieren?“

Lange wurde nach den Hauptdarstellern gesucht, auch in den Herkunftsländern von Ingeborg Bachmann und Max Frisch – in Österreich und der Schweiz.

Regisseurin Margarethe von Trotta entschied sich aber schließlich für die Luxemburgerin Vicky Krieps – die übrigens demnächst auch als Kaiserin Elisabeth in Marie Kreutzers neuem Film „Corsage“ zu sehen sein wird; und den deutschen Schauspieler Ronald Zehrfeld.

Rekapituliert wird das Beziehungsdrama in Rückblenden aus der Perspektive von Ingeborg Bachmann – „insofern ist es eine weibliche Perspektive, die von ihren Gefühlen und Leiden erzählt. Ich habe aber versucht, dass der Mann nicht als Bösewicht erscheint, der er ja war – vielleicht“, sagt Margarethe von Trotta – und lacht.

Dreharbeiten in Wien

Bachmann & Frisch
Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann und der Schweizer Autor Max Frisch lernten sich 1958 kennen und verbrachten vier Jahre in einer   sehr ambivalenten Beziehung

Dreharbeiten
Star-Regisseurin Margarethe von Trotta verfilmt derzeit   das Drama „Bachmann & Frisch“ in Wien.  Die Luxemburgerin Vicky Krieps spielt Bachmann, Roland Zehrfeld verkörpert Max Frisch

Produktionsbudget
Das Budget beträgt  ca. acht Mio. Euro, beteiligt sind neben Amour Fou auch Deutschland und die Schweiz. Kinostart: Herbst 2023

Alexandra Seibel

Über Alexandra Seibel

Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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