Zeitgeist

Ein Strichmännchen zum Jubiläum: David Bowie als Comicfigur

Bernhard Praschl

von Bernhard Praschl

Vor 50 Jahren hob David Bowie als Ziggy Stardust in andere Sphären ab. Ein geniales Comicbuch erinnert nun daran.

Sein Album "Space Oddity" war 1969 nur fünf Tage vor der ersten Mondlandung erschienen, seither galt der schmächtige David Bowie in Londoner Popkreisen als Außerirdischer. Von einem Leben auf dem Mars sollte er zwei Jahre später singen. Aber so richtig abgehoben gab der Musiker sich erst auf dem vor 50 Jahren erschienenen Konzeptalbum "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars".

Das Album erzählt von einem Popstar, der von Love und Peace singt, nichts anbrennen lässt und sich mit seinen Fans überwirft. Ein Meisterwerk des Glam-Rock als Nabelschau in eigener Sache und Positionierung des Musikers und Sängers als androgyne Kunstfigur mit karottenroten Haaren.

Pünktlich zum Jubiläum ist jetzt beim Carlsen Verlag in Hamburg ein Buch erschienen, das an das wohl berühmteste Alter Ego der Musikgeschichte erinnert: die Graphic Novel "Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years".

©Carlsen Verlag

Der preisgekrönte Zeichner Reinhard Kleist zeigt darin mit viel Fantasie, wie bunt Pop einmal war. Und wie wichtig. Kleist: "Bowie war Rolemodel für einen Teenager wie mich, der in einem Dorf im Rheinland aufwächst und merkt, dass er anders ist als die anderen."

Der Mix aus Bio und Fantasy - Bowie landet hier höchstpersönlich auf dem Mond - macht das Comicbuch zu einem Must have nicht nur für Fans. Davids Bruder Terry hat ihn in Jazzklubs mitgenommen, Tagträume ließen ihn in eine andere Welt schweben. Der Rock 'n' Roll-Zirkus schien genau das zu sein, wo sich das als David Robert Jones geborene Multitalent ausleben konnte. 

Um die knallige Glitterwelt von Ziggy Stardust entsprechend auf Papier zu bringen, hat sich Zeichner Kleist den Koloristen und Grafiker Thomas Gilke zur Seite geholt.

(Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years, Carlsen Verlag, 176 Seiten, 25,95 Euro)

Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, seit 1995 in der FREIZEIT. "Seinfeld"-Fan der fast 1. Stunde und froh, dass Netflix im Oktober 2021 auch draufgekommen ist, diesen von 1989 bis 1998 entstandenen Kulturschatz ins Programm aufzunehmen. Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

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