Selbstversuch: Sehtest online machen - kann das funktionieren?

Sehtest und Anprobe digital: Neuerdings kann man sich eine Brille besorgen, ohne je das Haus zu verlassen. Wir haben den Service getestet

"Bedecken Sie jetzt mit der linken Hand ihr linkes Auge. Welche Linie ist am schärfsten?"

Ich stehe mitten in meinem Wohnzimmer, der Laptop auf dem Tisch ist genau 3 Meter entfernt. In meiner Rechten das Handy, das als Fernbedienung fungiert. So sieht der Sehtest aus, den man neuerdings online machen kann - ganz ohne Optiker. 

Ich habe immer Prüfungsangst beim Optiker – immerhin geht es um viel.

Ich weiß, es klingt etwas neurotisch: Ich habe immer Prüfungsangst beim Optiker – immerhin geht es um viel. Eine falsche Antwort, und die Brille wird nicht scharf sein! Jedes Mal wenn ich gefragt werde, ob ich eine Linie noch lesen kann - oder welches Glas gerade schärfer ist ("A oder B") - habe ich Angst, die falsche Antwort zu geben.

Wie gut, dass ich dieser Prüfungsangst nicht mehr ins Auge sehen muss. 

Online vs. Real Life

Neuerdings bietet Mister Spex die Option an, seine Brille komplett online zu kaufen. In letzter Zeit hatte ich das Gefühl, dass meine Brille nicht mehr ganz ihre Leistung bringt - außerdem brauche ich ohnehin eine neue, optische Sonnenbrille, da mein altes Modell komplett zerkratzt und nicht mehr in Mode ist. 

Die Modelle probiert man mittels Virtual Reality an, auch den Sehtest macht man zuhause vor dem Computer. Eine Idee für Faule, man muss für den Kauf der Brille in Zukunft das Haus nicht mehr verlassen. Doch ist ihr zu trauen? Ich will's genau wissen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, vereinbare ich mir vorab einen Termin beim "Real-Life-Optiker". Ich betrete den Laden, Prüfungsangst kommt auf – und 15 Minuten später halte ich meine neuen Werte in Händen. Tatsächlich haben sich meine Werte auf beiden Augen um ein halbes Dioptrien verschlechtert. Mal sehen, ob der Online-Test das auch ermitteln kann. 

Der Modus ist einfach: Man stellt seinen Laptop an eine Tischkante, entfernt sich drei Meter und folgt den Anweisungen auf dem Bildschirm. Das Handy verbindet man per QR-Code, dann geht's los. "Ihre Prüfung startet in Kürze", sagt die Stimme aus dem Computer. Da muss ich schlucken, schon wieder das böse Wort Prüfung!

Im Online-Store kann man die Brillen virtuell probieren

©PR

Es erscheinen verschiedene Symbole auf dem Schirm, die man am Handy korrekt zuordnen muss. Ich lasse mir Zeit, versuche alles so gut wie möglich zu beantworten. Nervös bin ich trotzdem: Niemand ist da, um mir Hilfestellung zu bieten oder mich zu korrigieren. 

Nach 15 Minuten ist der Sehtest abgeschlossen. Es erscheint der Hinweis, dass die Optiker sich in den nächsten 15-20 Minuten mit dem Ergebnis melden. Also doch echte Menschen... irgendwo da draußen. Bleibt also genug Zeit, Modelle virtuell anzuprobieren.

Für die virtuelle Anprobe braucht man nur eine Webcam und eine Plastikkarte als Größenreferenz

©Mister Spex Screenshot

Virtuelle Brillen-Anprobe

Auch dieser Prozess ist schnell aufgesetzt: Man scannt sein Gesicht kurz via Webcam, hält sich zum Größenabgleich eine Kreditkarte vor die Stirn, und los geht's. 

Die Technologie ist gut, und schon von Instagram bekannt. Die Auswahl ist riesig, wo anfangen. Ich wähle Gesichtsform und bevorzugte Marken aus und setze die Favoriten virtuell auf meine Nase. 

Wie wär's mit Prada? Die virtuelle Brillenanprobe ist realistisch und überzeugt.

©Mister Spex / Keplinger

Die Größenverhältnisse sind gut erkennbar, die Brille sitzt auch richtig, wenn man den Kopf bewegt. Man kann das Modell auch seitlich gut betrachten, es gibt keine Zeitverzögerungen. Ziemlich beeindruckend – und hygienisch obendrein! Keine schlechte Sache in Zeiten der Pandemie.

Nach 15 Minuten erscheint auch schon die Notification: Testergebnisse da! Gespannt vergleiche ich die sie mit meinen neuen Werten vom Optiker, und erlebe eine Überraschung.

Der Online-Sehtest von Mister Spex spuckt die richtigen Ergebnisse aus – allerdings die alten. Meine aktuelle Brillenstärke ist anscheinend vollkommen in Ordnung. Hm. 

Fazit: Die virtuelle Anprobe ist ein fantastisches Tool, das Spaß macht und technisch perfekt umgesetzt ist. Man bekommt wie im echten Leben einen sehr guten Eindruck, ob ein Modell passt – oder eben nicht. Auch der Online-Sehtest ist keine schlechte Sache und war knapp dran. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob ein Profi den Test ausführt oder man selbst, schon allein wegen potentieller Anwendungsfehler. Glücklicherweise kann man sich im Userbereich einen Termin beim Optiker in seiner Nähe ausmachen – und das ist besser so. Prüfungsangst hin oder her.

Mister Spex

Am 16.3. eröffnet Mister Spex eine Filiale in der Mariahilferstraße 38. Bereits ab 15.3. gibt es neben vielen Luxusmarken wie Gucci, Valentino, Prada, Chloé, oder Dior auch Alexander McQueen im Sortiment.

Mehr Infos

misterspex.at

Sandra Keplinger

Über Sandra Keplinger

Digital Producer bei freizeit.at. Die gelernte Fotografin liebt alle Themen rund um Ästhetik. Sie arbeitete als Foto- und Modechefin beim WIENER, schrieb über das Mode-Business in der DIVA und war zuletzt CvD bei Falstaff LIVING.

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