Früher Vogel: Warum der Morgen die beste Zeit für Sex ist

Die Sexualtherapeutin Dr. Ruth Westheimer wird nicht müde, Menschen zu ermutigen, sexuell aktiv zu bleiben. Sie sagt: Der beste Zeitpunkt für Sex ist morgens.

Vor Kurzem wurde Ruth Westheimer, eine der berühmtesten Sexualtherapeutinnen der Welt, 95 Jahre alt. Ihre Tipps sind nach wie vor von zeitlos-schöner Klugheit – vor allem deshalb, weil sie Menschen auf humorvolle Weise ermutigt, Sexualität zu leben. Allerdings ohne den allgegenwärtigen Performance- und Optimierungsdruck.

Und so wurde sie auch anlässlich ihres Geburtstages erneut zahlreich zitiert – vor allem zum Thema „Sex im Alter“. Gut so, denn das ist immer noch mit hartnäckigen Klischees verknüpft. Dass in dieser Lebensphase nur mehr was mit der Wärmeflasche, Schlummerrolle oder der rückenfreundlichen Matratze läuft, sonst nix. Dass das Feuer final verlischt und man sich in präseniler Milde dem Schicksal namens erotischer Stagnation hingibt. Irrtum.

Eine umfangreiche deutsche Studie aus dem Jahr 2019 zeichnet ein völlig anderes Bild: Vielfach sind die „Alten“, also Menschen zwischen 60 und 80 Jahren, sexuell aktiver als jüngere, die zwischen 22 und 36 Jahre alt sind. Zwar hat die ältere Generation etwas weniger Geschlechtsverkehr, sie erlebt aber genauso viele intime Momente wie Jüngere. Man streichelt, man küsst, man fühlt und genießt – und das mitunter bewusster, dankbarer, erfahrener. Rein physiologisch betrachtet geht ja immer was – das ist nicht nur eine Frage des Könnens und Wollens, sondern vor allem des Wissens.

 

Exakt da setzt Dr. Ruth an – nicht, indem sie älteren Paaren das Gefühl vermittelt, sie wären nur okay, wenn sie in der Pension täglich quer durch ihren Schrebergarten vögeln oder stundenlang in der Reiterstellung herumtun, statt ins Rückenturnen zu gehen. Sondern indem sie sie ermutigt, so zu sein, wie sie sind: vielleicht nicht mehr so elastisch und dauergeil wie einst – aber dennoch lustvoll, lebendig, liebend. Sie schreibt: „Im sogenannten besten Alter hat man plötzlich wieder Zeit. Die Kinder sind (hoffentlich) aus dem Haus und falls sich nicht beide Partner völlig vom Arbeitsleben zurückgezogen haben, so arbeiten sie doch weniger, und sie können zu verschiedenen Tageszeiten und an verschiedenen Orten miteinander schlafen. Nicht nur nachts im Schlafzimmer mit verschlossener Zimmertür.“

Zurück ins Bett!

Dr. Ruth ist ein Fan von Sex am Morgen, nach einem guten Schlummer und einem schönen Frühstück, dann aber: „Telefon aus, zurück ins Bett!“. Das wäre vor allem für Männer ratsam, deren Testosteronlevel um diese Zeit höher ist. Und beide Partner haben nach der nächtlichen Ruhezeit mehr Energie. Ein Supertipp für alle Altersklassen. Sex am Morgen hat was – immer. Kurz nach dem Aufwachen, wenn der Geist noch schlummert, aber der Körper schon angenehm fröhlich ist. In diesem Zustand zu vögeln, kann bedeuten, mehr im Spüren zu sein, statt im Denken. Fast wie Meditation, aber eine Spur besser. Dazu kommt, dass Morgen-Sex wie Doping für den Tag wirkt, weil dadurch verschiedene Nervenbotenstoffe ausgeschüttet werden: Serotonin, der Stimmungsbooster. Dopamin, der Glücksbotenstoff. Oxytocin, das Bindungshormon. Dermaßen gepusht, geht man um einiges entspannter und zufriedener ins Alltagsleben. Vielleicht auch mit einem „Glow“ auf den Wangen, dieses gewisse Strahlen nach dem Sex. Besser als Rouge, die Damen, als hätte man immer brav sein Tagesapferl gegessen und einen grünen Smoothie getrunken. Auch nicht zu verachten: der Work-out-Effekt. Laut kanadischen Forschern verbrennen Frauen bei einem durchschnittlichen Akt von zirka 24,7 Minuten 69 Kalorien, Männer 104 Kalorien. Also ein bisserl mehr als bei einer zügigen Gassirunde mit dem Hund.

Sexuelle Gesundheit.

Mit Beginn des „Pride Month“ Juni startete das Gesundheitsministerium eine neue Kampagne, um   der Ausbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten  entgegenzuwirken und sexuellen Konsens zu fördern – unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung. „Nein heißt Nein. Ja heißt Ja. SAFE!“ heißt es auf Freecards, Plakaten und Bierdeckeln in Clubs und Bars. Info: sozialministerium.at/ja-safe.

Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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