Ausgetrunken

Old Fashioned: Don Drapers Liebling und der älteste Cocktail

Daniel Voglhuber

von Daniel Voglhuber

Er ist DER Barklassiker. Doch war er lange verschwunden, bis Mad Men ihn wieder hervorholte. Die Geschichte des Drinks.

Nicht nur, dass Mad Man die beste Serie der Welt war – und wohl für immer bleiben wird. Sie sorgte auch dafür, dass einer der besten, scheinbar simpelsten und womöglich ältesten Cocktails der Welt wieder aus der Versenkung hervorgeholt wurde. 

Einige Zeit war er abgemeldet. Bunte, fruchtige Drinks dominierten das Barleben in den 80er und 90er Jahren, dann kam die "Gin-Tonic"-Welle. Bis 2007 die Werber aus der Madison Avenue der Sixties über die Schirme flimmerten. Und plötzlich waren die Klassiker wieder da. "Martini Dry", "Manhattan" und eben "Old Fashioned".

In einer erklecklichen Anzahl an Szenen hat der arrogante, undurchsichtige, mysteriöse, frauenverschlingende und verdammt gut aussehende Creative Director Don Draper zu dem Drink gegriffen – sei es an der büroeigenen Minibar selbst gemixt oder in einer der vielen verrauchter American-Bars. Und sehr oft ist er damit auch versumpert.

Gefährliches Getränk

Er kann auch schon gefährlich sein, der Cocktail, der aus Bourbon-Whiskey, Wasser, Zucker und Angosturabitter besteht. Gefährlich ist es auch, auf die richtige Zubereitung zu pochen oder gar auf eine Wette zu bestehen, weil da kann man schon einmal danebenliegen. Im Laufe der Zeit hat sich die geändert und viele Barkeeper schwören jeweils auf die einzig korrekte Zubereitungsart.

Gerne wird er als der älteste Cocktail überhaupt bezeichnet. Er ist die Reinform eines „Cocktails“ in seiner ursprünglichen Definition. Das heißt, er besteht aus einer Spirituose, Zucker, Wasser bzw. Eis sowie Cocktailbitter. Den Vorläufer Whiskey Cocktail, der noch ohne Eis zusammengemischt wurde, kennt man in den USA schon seit 1806.

1862 Barkeeper Kerry Thomas fixierte das Rezept für einen Whiskey Cocktail in einem Ratgeber schriftlich. Allerdings verwendete er – was heute wohl ein Sakrileg ist – eine Zitronenzeste fürs Aroma und für die Garnitur.

Aber woher kommt der Name "Old Fashioned"? Mehrere Varianten des Whiskey-Drinks folgten. Thomas' Werk wurde mit einer posthum veröffentlichten Neuauflage dicker. Oder wie es Wikipedia schreibt: „Dem Whiskey Cocktail mit traditioneller Rezeptur folgt darin beispielsweise ein Improved Whiskey Cocktail mit Maraschino und Absinth. Wer also die ursprüngliche Version ohne Liköre oder weitere Zutaten wünschte, musste seiner Bestellung wahrscheinlich bald den Zusatz „old fashioned“ hinzufügen, was so viel wie „altmodisch“ oder „auf traditionelle Art“ bedeutet.“ Ganz logisch, eigentlich. 

Verboten

In vieler Munde war der "Old Fashioned" dann vor allem in der Zeit der Prohibition. Der Zucker und der Bitter sorgten dafür, dass man von dem gepanschten und schwarz gebrannten Fusel nicht allzu viel schmeckte. Das Kopfweh muss manchmal groß gewesen sein. Der Bitte war wenigstens rein. Weil der einfach pur nicht zu trinken war und manchmal auch als Medizin galt. Wenigstens ein bisschen Linderung für den geplagten Schädel. 

Eigentlich wurde lange Rye Whiskey als Basisspirituose verwendet, nach der Prohibition ging man auf Bourbon über. Auf jeden Fall: er sollte im Glas gebaut und nicht im Shaker gemixt werden.

Auch andere Zutaten variierten mit der Zeit. Kommt nur die Schale oder die Orangenscheibe hinein? Das ist noch die harmloseste Frage. Ab den 1930ern waren Cocktailkirschen oder sogar Ananasstücke drinnen (Sie gestatten den Einwurf: Würg!). Manche spritzen ihn mit Sodawasser auf. Was übrigens auch Don Draper manchmal macht – wie er auch manchmal Cocktailkirschen hineinwirft. Aber auch er ist, wie Mad-Men-Seher wissen, sicher nicht frei von Fehlern.

Und so kam es, dass der klassische starke Drink, den eher alte Herren genossen, auf einmal bei vielen amerikanischen Familien vor dem Thanksgiving-Mahl gereicht wurde. 

Es sollte bis "Mad Men" dauern, bis man sich in den Bars wieder dem old-fashioned "Old Fashioned" zuwandte. Und zwar sehr puristisch. Eiswürfel, Zuckerwüfel, Bitter, Bourbon und Orangenzeste. Und aus. Und mehr braucht es doch eigentlich nicht. Cocktailkirsche muss nicht sein.

Hier geht's zum "Old Fashioned"-Rezept:

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ist ein digitales Format der freizeit. Jede Woche beleuchten wir den Hintergrund und die Geschichte eines berühmten Drinks.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Daniel Voglhuber werkt seit Dezember 2020 für die KURIER Freizeit und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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