Cool oder voll daneben? Ein E-Scooter in Gold sorgt für Aufregung

Für die einen sind E-Scooter ein Ärgernis, andere nutzen sie als Alternative im mobilen Alltag. Aber was bringt ein E-Scooter in Gold?

Warum Gold?

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Mit 18-karätigem Gold veredelt, ist „Caviar Thunderball“ der luxuriöseste E-Scooter der Welt, aber das birgt Probleme. Der Preis von 48.000 Euro weckt bloß Begierden von Dieben. Sein massives Gewicht von 66 Kilo ist zu hoch, um leicht am mobilen Alltag teilzuhaben.

Warum 100 km/h?

In Österreich dürfen E-Kleintretroller nicht schneller als 25 km/h fahren. Der „Caviar Thunderball“ übertrifft dieses Tempo um 75 km/h. Wer mit ihm auf heimischen Straßen oder Radwegen aufkreuzt, bekommt ein Problem. Denn diese Leistungssteigerung macht den Scooter zum Motorrad.

Warum so kopflos?

Laut Beobachtungen tragen in österreichischen Städten nur zwei Prozent aller E-Scooterfahrer einen Helm. Das ist durchaus ausbaufähig. Allein wegen der alarmierenden Zahl von immerhin  2.800 verletzten E-Scooter-Benützern (Stand: 2021). P.S.: Es gibt auch Helme in Gold.

Warum Scooter?

Auf Kurzstrecken sind Tretroller Fahrrädern oft überlegen, weil sie in der U-Bahn oder im Pendlerzug leichter zu verstauen sind. Achtlos abgestellte E-Scooter sind aber seit Jahren ein Ärgernis für Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer. Das Gute am „Caviar Thunderball“: Da abartig teuer, lassen Benutzer ihn sicher nicht achtlos stehen.

Caviar aus Gold

Hinter dem aufgemotzten „Thunderball“-Scooter steht der russische iPhone-Vergolder Caviar. Aus nachvollziehbaren Gründen übersiedelte dieser im April nach Dubai. Der goldene Scooter wird ab 1. 10. online verkauft. Wer’s eine Spur kleiner mag: Seine Basis ist der 6.000-Euro-Roller Dualtron X2 von MiniMotors.

Achtung Angeber

Eine goldene Uhr, okay, Geschmäcker sind eben verschieden. Aber in Zeiten wie diesen ein vergoldetes Fortbewegungsmittel auf den Markt zu bringen, zeugt nicht unbedingt vom sorgsamen Umgang mit wertvollen Ressourcen. Vermutlich will sich hier jemand eine goldene Nase verdienen.

Zu riskant

E-Scooter-Fahrer kennen vor allem eines: keine Verkehrsregeln. Häufig fahren sie unerlaubt zu zweit, auf Gehwegen oder rücksichtslos durch Fuzos. Verkehrswende gut und schön, aber bitte mit Maß und Ziel und auch mit verantwortungsbewussten Teilnehmern.   

Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, seit 1995 in der FREIZEIT. "Seinfeld"-Fan der fast 1. Stunde und froh, dass Netflix im Oktober 2021 auch draufgekommen ist, diesen von 1989 bis 1998 entstandenen Kulturschatz ins Programm aufzunehmen. Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

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