Kino

"Top Gun“ kehrt als Fortsetzung zurück: Das Lächeln von Tom Cruise

Tom Cruise kehrt in seiner Paraderolle als Kampfpilot zurück und feiert mit „Top Gun: Maverick“ in Cannes die internationale Premiere

Das Filmfestival von Cannes feiert heuer sein 75. Jubiläum und kann sich zu diesem Anlass gleich selbst gratulieren – mit einem spektakulären Auftritt aus den höchsten Rängen Hollywoods: „Top Gun: Maverick“ (Kinostart: 26. Mai), die von vielen heiß ersehnte Fortsetzung des längst verkulteten Eighties-Klassikers „Top Gun“, wird an der französischen Riviera ihre internationale Premiere feiern.

Im Klartext bedeutet das: Weltstar Tom Cruise bringt so viel amerikanischen Glamour mit auf den roten Teppich, wie ihn sich Festival-Chef Thierry Frémaux nur wünschen kann. Man wolle bei der Gelegenheit auch gleich die Karriere von Cruise würdigen, hieß es seitens des Festivals: Der mittlerweile 59-jährige Schauspieler hat Cannes bisher erst einmal besucht, und zwar genau vor 30 Jahren anlässlich seiner Rolle in Ron Howards Film „In einem fernen Land“. Star-Auftritte von Hollywood-Blockbustern in Cannes sind legendär und reichen von „The Da Vinci Code – Sakrileg“ bis hin zu „Mad Max: Fury Road“.

Die Premiere von „Top Gun: Maverick“ hätte bereits vor zwei Jahren stattfinden sollen, wäre nicht die COVID-Pandemie dazwischen getreten.

Insofern steht die Premiere in gewisser Weise auch für die Wiederauferstehung der angeschlagenen Filmindustrie.

Männlichkeit

Als „Top Gun“ unter der Regie von Tony Scott 1986 in die Kinos kam, wurde er umgehend zum Kassenschlager und erzielte allein in den USA mit 180 Millionen Dollar die höchsten Einspielergebnisse des Jahres.

„Top Gun“, die dramatische Geschichte von Elite-Piloten in der US-Marine, machte den jungen Tom Cruise umgehend zum Star, trieb den Verkauf von Bomber-Jacken und Ray-Ban-Aviator-Sonnenbrillen in gigantische Höhen und brachte dem Hit-Song „Take My Breath Away“ einen Oscar ein. Dank „Top Gun“ bewarben sich um 500 Prozent mehr Männer bei der US-Marine als zuvor – das machte ihn zu einem der größten Rekrutierungsfilme aller Zeiten. Tatsächlich war die Marine aktiv an der Produktion beteiligt und setzte alles daran, das seit dem Vietnamkrieg angeschlagene Vertrauen der Bevölkerung in das Militär wiederherzustellen. Vor den Kinos wurden Rekrutierungsstellen eingerichtet, um begeisterte männliche Besucher zu einer Bewerbung zu animieren.

Atemberaubende Flugszenen, in denen sich silberne Kampfflieger im orangen Sonnenuntergang aus den Wolken stürzen und sowjetische MiGs abschießen, zelebrieren hemmungslos den Glauben an die eigene Militärmacht und die Unbesiegbarkeit patriotischer Männlichkeit.

Überhaupt ist geballte Männlichkeit in „Top Gun“ großgeschrieben und in seiner völlig ungebrochenen Darstellung ein Quell zahlreicher Parodien. Tom Cruise selbst hält sein umwerfendes Lächeln bei jeder Gelegenheit mit jugendlicher Selbstsicherheit in die Kamera und hat auch bei Wiederansicht des Films kaum an Strahlkraft eingebüßt, wenngleich man sich beim Zusehen dabei ertappt, wie man etwas einfältig mitgrinst. Geradezu urkomisch nehmen sich Szenen wie die beim Beach Volleyball oder in den Umkleidekabinen aus, wo die jungen Männer ihre muskulösen, nackten Oberkörper zur Schau stellen, als wären sie Spezialeffekte.

Nostalgie

Die Achtzigerjahre machten Tom Cruise zum Star und sind bis heute jene Dekade, auf die Hollywood mit Vorliebe zurückgreift. Von „Ghostbusters: Legacy“ über „Halloween Kills“ bis hin zu einem geplanten Sequel von „Dirty Dancing“ bedient sich die Filmindustrie an Erzählstoffen, die dem Publikum bekannt sind, Nostalgie auslösen und Erinnerungen wachrufen – an die Kindheit, an die Jugend, an die Vergangenheit. Und an das Lächeln von Tom Cruise.

Cannes

Top Gun
Die Fortsetzung „Top Gun: Maverick“  mit Tom Cruise in der Hauptrolle feiert internationale Premiere in Cannes

Kaiserin Elisabeth
Die österreichische Regisseurin  Marie Kreutzer tritt in der renommierten Nebenreihe „Un Certain Regard“ mit  „Corsage“ an, einem Historiendrama über Kaiserin Elisabeth, gespielt von der Luxemburgerin Vicky Krieps 

Wettbewerb
18 Filme laufen  im Wettbewerb des Festivals (17. bis 28. Mai), darunter die Filme von David Cronenberg, Kirill Serebrennikow, die Brüder Dardenne und Claire Denis 

Alexandra Seibel

Über Alexandra Seibel

Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

Kommentare