Diese Promis bekamen nach Party-Videos Probleme

Ein Star in der Studentinnen-WG oder ein heimischer Millionär. Nicht nur der finnischen Premierministerin Sanna Marin machten Aufnahmen zu schaffen.

Da wäre es wohl besser gewesen, die Smartphone-Linse wäre nicht aktiv gewesen. Immerhin brachte zuletzt ein öffentlich gewordenes Party-Video mit Freunden die finnische Regierungschefin Sanna Marin in Bedrängnis. Darin tanzt und singt die 36-jährige Politikerin bei einem privaten Abend illuminiert vor der Kamera. Davon abgesehen, dass sich die Sozialdemokratin nun Gedanken über die Qualität ihrer Freundschaften machen muss (wer bitte gibt so etwas weiter?), muss sie sich nun auch mit Drogenkonsum-Vorwürfen herumschlagen. Dabei habe sie nur legalen Alkohol konsumiert. "Ich habe keine Drogen genommen und habe daher auch kein Problem damit, einen Drogentest zu machen“, sagte die 36-jährige Politikerin vor Journalisten in Helsinki. 

Marin ist dafür bekannt, gerne zu feiern. In der Vergangenheit zeigte sie sich auf Rockfestivals oder in der Disco. An ihrer Vorliebe fürs Ausgelassensein scheiden sich in Finnland die Geister. Sie selbst verteidigt das aber mit Hinweise auf ihr Alter vehement. Auf jeden Fall ist sie nicht die einzige Politikerin, die nach Party-Videos und -Fotos Schwierigkeiten bekommt. Allen voran natürlich der ehemalige britische Premier Boris Johnson, der nur ungern eine Feier ausließ. Der ging mit dem "Party-Gate" auch in die Geschichte ein. Er wurde im Lockdown auf Mitarbeiter-Feiern, auf denen auch exzessiv getrunken worden sein soll, mit Biergläsern abgelichtet.  

Finnlands Premierministerin erklärt sich vor Medien.

©via REUTERS/LEHTIKUVA

Wer es laut krachen lässt - manchmal auch nicht immer legal - und dabei abgelichtet wird, muss damit rechnen, dass das mediale Echo laut sein kann. Diese Erfahrung musste auch ein österreichischer Millionär machen.

Skandal beim Après-Ski

Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner postete auf Instagram ein Video aus einer Après-Ski-Bar in Kitzbühel, wo laut zu Klängen Gigi D'Agostinos gegrölt wurde. Auch wenn die Musik nicht jedermanns Sache ist, an sich kein Problem. Nur war Après-Ski zum damaligen Zeitpunkt wegen der Covid-Bestimmungen stark eingeschränkt. Es durfte kein Barbetrieb durchgeführt werden, Speisen und Getränke durften nur an zugewiesenen Sitzplätzen eingenommen werden. Außerdem waren außerhalb des Sitzplatzes bei Gästen FFP2-Masken vorgeschrieben. Und eine solche fehlte auch. Die damalige Tourismus-Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) fühlte sich gar genötigt, öffentlichkeitswirksam "schwarze Schafe" in der Gastronomie zu rügen. Bars, die so ein Treiben zulassen, würden "dem gesamten Tourismus immensen Schaden zufügen".

Der Wirt selbst zeigte sich zerknirscht und wollte sein Lokal, "bis die Pandemie vorbei ist" schließen. Gschwandtner erklärte den Vorfall später in der Sendung "Walek wandert“ auf Ö3 so: „Jeder der mich kennt – auch von Instagram – weiß, ich teile gerne positive Emotionen. Das Lied, das ich mir gewünscht habe, wurde gespielt und in der Euphorie und ein bisschen naiv natürlich auch, habe ich kurz ein Posting gemacht. Das war’s aber auch schon wieder, wir haben das Lokal um 21:30 Uhr verlassen.“ Und damit war die Sache auch wieder gegessen.

Gigi D'Agostino dürfte Florian Gschwandtner in Euphorie versetzt haben.

©Kurier/Juerg Christandl

Ähnlich erging es dem Bad-Boy der Tenniswelt, Alexander Zverev. Der Deutsche sorgt beständig für Schlagzeilen - etwa wenn er einen Schiedsrichter beschimpft und mit seinem Schläger auf dessen Hochsitz einschlägt. Beim nicht ganz korrekten Feiern wurde er im November 2020 gefilmt. Er hatte während der Corona-Pandemie eine Party in seinem Wohnort Monaco besucht. Die Stimmung war gut, die Corona-Schutzmaßnahmen eher weniger.

Der Bling-Bling-Designer Philipp Plein hatte Aufnahmen auf Instagram veröffentlicht, aber bald wieder gelöscht. Doch zu langsam, sie verbreiteten sich schnell. Die Bilder waren, wie Sport 1 berichtete, insofern brisant, als Zverev zuvor an einer von Novak Djokovic organisierten Adria Tour teilgenommen hatte. Dort war Vorsicht nicht sehr angesagt, einige Teilnehmer waren positiv auf Covid-19 getestet worden. Der Sportler hatte danach eigentlich Besserung gelobt. 

Alexander Zverev gilt als böser Bube des Tennis.

©EPA/YOAN VALAT

Erhebliche Konsequenzen, wenn auch nur für kurze Zeit, musste hingegen Kate Moss tragen. Das Supermodel, das den Heroin-Chic salonfähig machte, galt schon lange als kein Kind von Traurigkeit. Im Jahr 2005 veröffentlichte das britische Boulevard-Blatt Daily Mirror dann aber die verhängnisvolle Geschichte "Cocaine Kate", dazu eindeutige Bilder. Moss sitzt im Tonstudio, wo ihr damaliger Freund, der damals berühmt-berüchtigte (und heute angeblich brave) Musiker Pete Doherty, mit seiner Band Babyshambles Aufnahmen für sein Album macht. Sie hat ein Päckchen mit weißem - offenbar Kokain - Pulver geöffnet und es in 20 Lines aufgeteilt. Angeblich fünfzehn für die Crew, fünf für sie. Sie zieht eine nach der anderen. Doch dabei wird sie gefilmt. Die Bilder gingen um die Welt.

Lukrative Geschäfte

Moss verlor Verträge mit Modegiganten wie H&M oder Burberry. Sie zeigte in der Öffentlichkeit Reue und begab sich in eine Entzugsklinik. Die Unternehmen, die sie geschasst hatten, nahmen sie - wohl auch wegen der großen Medienöffentlichkeit - bereitwillig wieder auf. Moss verdiente danach mehr denn je.  

Kate Moss ist heute eine Ikone. 2005 war sie kurzzeitig weg vom Fenster.

©EPA/MATTEO BAZZI

Doch die Briten haben nicht nur Moss und Johnson. Die Inselmenschen sind dafür bekannt, dass sie gerne über die Stränge schlagen. Und wie das Volk so die Royals. Was wäre eine Geschichte über Partyskandale und Partyfotos ohne Prince Harry. Heute sitzt er brav mit Familie im kalifornischen Santa Barbara oder spricht vor der UN-Generalversammlung. Unter Umständen ärgert er nur noch seine königlichen Anverwandten, wenn er sich mit Meghan Markle im Fernsehen über sie auslässt. Doch in seiner Jugend wird er auch die Hyänen der englischen Journaille zur Weißglut gebracht haben - weil die permanent Geld für verhängnisvolle Bilder ausgeben mussten.

2005 verkleidete er sich bei einem Kostümfest des Olympia-Reiters Richard Meade als Nazi mit Uniform. Die Bilder gingen um die Welt, die Empörung war groß. Harry selbst sagte damals lapidar: "Es tut mir sehr leid, wenn jemand daran Anstoß genommen hat. Das Kostüm war die falsche Wahl."

2007 wurde er bei einem Saufgelage in Namibia gefilmt. Dort sah man ihn, bei ausgelassenen Party-Spielen und wie er Wodka durch die Nase schnupfte. Suchtexperten attestierten ihm aus der Ferne, aber in der Öffentlichkeit ein eklatantes Alkoholproblem. 2011 taucht ein Video auf, worin zu sehen war, wie er mit schwerer Schlagseite bei einem Fest in Kroatien in einen Pool stürzte. Und wenig später tauchten Nacktfotos aus Las Vegas auf. Zwar bat das Königshaus die Medien, diese Bilder nicht zu zeigen, doch die "Sun" stellte sie Szenen einfach nach und titelte übersetzt: "Harry greift nach seinen Kronjuwelen." 

Prince Harry seriös vor der UN-Generalversammlung in New York.

©APA/AFP/TIMOTHY A. CLARY

Einer, der wie Prince Harry, nach einer Kostümfeier Probleme bekam, war der kanadische Premierminister Justin Trudeau. Allerdings erst Jahre später. Als 29-Jähriger hatte er sich beim Themenabend "Arabische Nacht" an der West Point Grey Academy als Aladdin verkleidet. Er trug einen großen Turban, weites Gewand - und er hatte sich das Gesicht dunkelbraun angemalt. 18 Jahre später tauchten 2019 die Bilder dazu auf. Und die waren brisant, denn das sogenannte Blackfacing ist in Nordamerika höchst verpönt, es gilt als rassistisch. In den USA  bemalten weiße Menschen im 18. und 19. Jahrhundert ihre Gesichter schwarz, um sich in "Minstrel Shows" über Schwarze Menschen lustig zu machen. Trudeau entschuldigte sich dafür zum Sender CBS sagte er: "Ich hätte es besser wissen sollen, aber das habe ich nicht. Es tut mir wirklich leid."

Stets für eine Schlagzeile gut war, war Ronald Schill.  Dieser regierte zwischen 2001 und 2003 als Hamburgs Innensenator. Er war als "Richter Gnadenlos" bekannt geworden und machte sich für eine rigide Drogenpolitik stark. 2002 behauptete ein Parteifreund, Schill kokse. Der Innensenator stritt alles ab und legte einen negativen Drogentest vor. 2003 wurde er abgesetzt, weil er dem Bürgermeister gedroht hatte, dessen angebliches homosexuelles Verhältnis zu outen.

Prominenter Kokser

Dann war es ein paar Jahre ruhig, bis 2008 ein Video auftauchte, das Schill beim Koksen zeigte. Man sah ihn, wie er in einer Männerrunde sagte: "Aber jetzt wirkt das Koks bei mir, du. Ich fühl mich total wach." Und er prahlte damit, nach Christoph Daum der prominenteste Kokser Deutschlands zu sein. Die Medienberichte werden ihm schon ein bisschen unangenehm gewesen sein. Aber: "Ich war nie Moralist. Ich war immer Hedonist“, sagt er später der Zeitschrift Stern. „In den Swingerklub gehen und konservative Werte vertreten - für mich hat das immer zusammengepasst.“

Kolportierte Probleme gab es für Hugh Grant nach pikanter Aufnahmen wohl nicht. Aber die Geschichte ist doch zu gut, um sie nicht zu erzählen. Mit 47 Jahren waren die Uni-Jahre des Schauspielers schon einige Zeit vorbei. Doch 2007 besuchte er das Studentenheim von St. Andrews sehr gerne, um mit jungen Damen erhebliche Mengen an Alkohol zu trinken und herumzumachen. Manche Medien schrieben gar Orgien herbei. Fotos zeigten ihn devastiert, aber glücklich von Studentinnen umgeben. Zeitungen berichteten nach Auftauchen der Bilder, die Universität hätte gegenüber Grant ein Betretungsverbot ausgesprochen. Aber ein Pressesprecher dementierte das vehement und verwies das ins Reich der urbanen Legenden.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich mit Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle - also den schönen Dingen im Leben - befassen. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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