Film

Adolf Wohlbrück: Der „berühmteste Frauenkenner“ zwischen Wien und London

Alexandra Seibel

von Alexandra Seibel

Das österreichische Filmarchiv widmet dem großen Schauspieler Adolf Wohlbrück eine Retro (bis 1. Dezember)

Wahrscheinlich kam Adolf Wohlbrück im Frack auf die Welt. Die Eleganz war ihm angeboren. Der Schauspieler Adolf Wohlbrück, geboren am 19. November 1896 in Wien, galt „als schönster Mann des deutschen Films“. Er begann seine Karriere an den Bühnen von München und Berlin und avancierte im Weimarer Tonfilm zum Hauptdarsteller und Star.

In „Viktor und Viktoria“ (1933), Reinhold Schünzels witziger Verwechslungskomödie, wurde Wohlbrück als „Londons berühmtester Frauenkenner“ vorgestellt und versenkte Filmpartnerin Renate Müller im Alkoholrausch. Der Max-Reinhardt-Schüler, in dessen markantem Tonfall immer auch ein leiser Hauch von Ironie mitschwang, wusste, wie man mit glühenden Blicken und Handküssen Herzen brach. Seine Paraderolle war die des elegant-unterkühlten Liebhabers. Als süffisant-charmanter Verführer und Gesellschaftsmaler Paul Heideneck in Willi Forsts Wien-Film „Maskerade“ (1934) porträtiert und verführt er die Damen in Serie.

Adolf Wohlbrück mit Renate Müller in "Viktor und Viktoria" (1933)

©Filmarchiv Austria

In Schünzels „Die englische Heirat“ (1934), einer Verwechslungskomödie in der britischen Oberschicht, spielt Wohlbrück mit geübter Eleganz einen Rechtsanwalt, der für eine Snobfamilie „seit 200 Jahren die Unannehmlichkeiten beseitigt“ und Adele Sandrocks Nerven mit Whisky beruhigt.

Emigration

Als überzeugter Nazigegner und Sohn einer jüdischen Mutter, der auch aus seinem Schwulsein keinen Hehl machte, emigrierte Wohlbrück 1937 nach London und benannte sich in Anton Walbrook um. Dort startete er eine internationale Karriere, was in jener Zeit nur wenigen emigrierten Schauspielern gelang.

In dem britischen Psychothriller „Gaslight“ (1940) übernahm Walbrook die für ihn ungewöhnliche Rolle eines niederträchtigen Mörders. Gewieft manipuliert er seine Ehefrau, um sie nach und nach in den Wahnsinn zu treiben und anschließend in die Irrenanstalt einweisen zu können. Weiters profilierte er sich in britischen Vorzeigefilmen wie Michael Powell & Emeric Pressburgers „Die roten Schuhe“ (1948) oder spielte in Max Ophüls’ charismatischer Schnitzler-Verfilmung „La Ronde“ (1950) den feinsinnigen Spielleiter.

Anton Walbrook starb 1967 am Starnberger See.

Werkschau im Filmarchiv

bis 1. Dezember. Publikation: „Wohlbrück & Walbrook“ im Synema-Verlag.

Alexandra Seibel

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Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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