Musik

Pop-Duo Laikka will Grenzen überschreiten und Stereotype auflösen

Brigitte Schokarth

von Brigitte Schokarth

Die Musiker erklären, warum die Hauptthemen des Albums „Morning Glow“ Freiheit und das Verändern des männlichen Rollenbildes sind

„Als ich das erste Mal geschminkt und anders angezogen, als man es normalerweise als Mann macht, auf die Straße gegangen bin, war das schon eine große Überwindung“, sagt Moritz Wunderwald, Sänger der Band Laikka. „Das kam zu einem gewissen Teil sicher aus mir selbst, ist aber zum anderen Teil erlernt. Das aufzubrechen, ist auf einer persönlichen Ebene schon schwierig.“

Duo-Partner Alex Gruehn ergänzt: „Schon alleine, dass es eine Überwindung ist, zeigt, dass es noch sehr viel Energie brauchen wird, diese eingefahrenen Sichtweisen davon, was Männlichkeit bedeutet, aufzulösen.“

Dem haben sich der seit sieben Jahren in Wien lebende Augsburger Wunderwald und der Tiroler Gruehn mit ihrem Bandprojekt Laikka verschrieben. Kennengelernt haben sich die beiden, als Wunderwald, der vorher als Produzent und mit dem Duo Polaroyds tätig war, über Facebook Musiker suchte.

Gruehn war der Erste, der sich gemeldet hat. „Aber sicher nicht die erstbeste Wahl“, sagt Wunderwald, der Klavier und Drums spielt. „Wir haben uns getroffen und darüber gesprochen, welche Bands wir mögen. Und darüber, dass wir beide – wie damals David Bowie – etwas schaffen wollen, das Konzept hat, wo alles von der Musik über das Visuelle, die Outfits, die Videos und die Bühnenauftritte zu einem Gesamtkunstwerk verschmilzt.“

Gruehn, der Gitarre spielt, als Tontechniker gearbeitet hat und zum Studium „Digitale Kunst und experimentelle Medien“ nach Wien gekommen war, war prädestiniert dafür. So gab es keine Notwendigkeit mehr für Wunderwald, weiter nach einem Partner zu suchen.

Moritz Wunderwald (li.) und Alex Gruehn

©Fabrique Records/Tim Cavadini

Das Thema Auflösung der Stereotypen in Bezug auf Männlichkeit behandeln die beiden in ihren Songs sehr poetisch und weit mehr auf einer persönlichen Ebene als mit direkter Sozialkritik.

In den Texten geht es nicht primär darum, wie das Auftreten von Laikka durch Außenstehende beurteilt wird, sondern um das erlernte Gefühl, wie man sich als Mann zu verhalten hat. Und um die inneren Konflikte, die daraus in bestimmten Situationen entstehen.

„In Wien und in unserer Bubble werden wir nicht dafür angegriffen, wie wir auftreten“, sagt Gruehn. „Man muss aber gar nicht so weit weggehen, dann wäre das schon anders.“

Und Wunderwald erklärt: „Es macht mir ja schon auch Spaß, mit den Reaktionen darauf, wie ich gekleidet bin, zu spielen und sie zu beobachten. Und ich glaube, es reicht, als Band, die in der Öffentlichkeit steht, sich so zu zeigen wie wir. Schon alleine dadurch können wir sicher einigen Leute, die auch Lust darauf haben, die Angst davor nehmen – so, dass es für sie weniger Überwindung ist.“

Deswegen beschreibt Wunderwald in „Dissolving“ eine depressive Phase und analysiert in „Wireless“ eine Panikattacke: „Am Abend, bevor ich das schrieb, war ich in einem Umfeld mit Leuten, die ich nicht so gut kannte. Auf einmal hat es mir den Brustkorb zugeschnürt. Das war heftig.“

Der Albumtitel ,Morning Glow’ bezeichnet das positive Ende: „Für uns beide hat sich in den letzten beiden Jahren mit der Gründung von Laikka privat und beruflich alles geändert. Wir haben viel in Bezug auf Identitätssuche gemacht und für uns selbst Grenzen überschritten. Deshalb steht ,Morning Glow’ für den Beginn einer neuen Zeit.“

Brigitte Schokarth

Über Brigitte Schokarth

Brigitte Schokarth kennt die Rock/Pop/Indie-Welt in allen Aspekten, pendelt für Konzerte zwischen Flex und Stadthalle, für Interviews zwischen Berlin, London und New York. Sie spricht genauso gern mit Robbie Williams und Pink wie mit Amanda Palmer und James Blake und spürt in den Clubs der Musikmetropolen Trends und Newcomer auf.

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