"Oh my god!": Warum US-Teenie-Slang in der Wiener U-Bahn nervt

Bernhard Praschl

von Bernhard Praschl

Unpopular Opinion: Sind wir hier in Hollywood? Warum reden die kids dann wie in einem schlechten Film miteinander?

Ach, du meine Güte, jetzt oute ich mich wohl als totaler alter Depp. Aber mir egal, lieber alt und von gestern als in jedem Satz ein "oh my god" einzustreuen. Und das möglichst laut und mit weit aufgerissenen Augen. In etwa so: OOOH. MMMY. G-O-O-O-O-D.
 
Kennen Sie nicht? Ich höre das ständig, besonders wenn ich zufällig neben einem Haufen Teenies in der U-Bahn stehe. Gestern zum Beispiel. "Der X hat mich schon wieder zugetextet. Und ich hab' ihm eh' schon letzte Woche gesagt, er soll mich in Ruhe lassen. Der nervt, OH. MY, GOD."
 
Oder: "Meine Mutter gibt mir ihren BMW nicht mehr. Sie sagt, ich soll mit dem Bus fahren. O-O-H, M-M-Y-Y, G-O-O-O-D."
 
So gottesgläubig können die doch alle nicht sein, dass sie ständig den Namen des Herrn aussprechen, oder? Fehlt noch, dass sie einfach OMG sagen - oh emm tschii. Potz Blitz, dagegen war die Comic-Sprache echt kreativ.
 
Muss wohl von irgendeiner US-Serie herrühren. Nein, nicht von "Superstore", weil die schaue ich selber und da reden sie nicht so gestört. "Modern Family" vielleicht? Oder "Seinfeld"? Nein, stimmt, diese nervige Floskel klingt eher nach dem Running Gag aus "Friends". Genauer gesagt nach Janice, der Tussi, die einfach nicht und nicht kapieren wollte, dass bestimmte Freundschaften doch nicht geschlossen werden sollten und lauter Abfuhren kassiert hat.
 
Halt, aufpassen. "Jetzt lassen Sie mich doch endlich vorbei", schnattert es hinter mir. "Ja, Sie meine ich, oh my god," faucht mich ein Teenie an, dem ich im Weg stehe. Oh, Entschuldigung, da ist aber jemand zwischen Meidling und Längenfeldgasse ziemlich eingeschnappt, oh my god, äh, ach, du meine Güte .....

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Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, seit 1995 in der FREIZEIT. "Seinfeld"-Fan der fast 1. Stunde und froh, dass Netflix im Oktober 2021 auch draufgekommen ist, diesen von 1989 bis 1998 entstandenen Kulturschatz ins Programm aufzunehmen. Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

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