Neil Gaiman: Der Science-Fiction-Autor über die Verfilmung von "Sandman"

Der Comic-Star erzählt von Fanartikeln und wie man mit geschickter Besetzung die ursprünglichen Werke aufwerten kann.

Er ist ein Meister des Fantasy/Horror/Science Fiction-Genres und der Autor von Graphic Novels wie „Neverwhere“, „American Gods“, „Coraline“, „The Graveyard Book“, „Good Omens“ und „The Ocean at the End of the Lane“. Seine Kurzgeschichten und Romane wurden vielfach von Hollywood adaptiert, und er bleibt als Co-Produzent dafür verantwortlich, dass sie in seinem Sinne verfilmt werden. Neil Gaiman (61) ist geborener Brite, seine neueste Serie ist „Sandman“ mit Tom Sturridge, Jenna Coleman, Gwendoline Christie, Kirby Howell-Baptiste und Patton Oswalt. Wir sprachen mit dem Autor Neil Gaiman bei der Comic-Con in San Diego. 

Seit 30 Jahren versucht man, aus Ihrem Comicbuch eine Serie zu machen. Wie hat sich Ihre Einstellung zu Ihrem Werk in dieser Zeit verändert?
Neil Gaiman: Der ärgste Teil dieses Prozesses war, zu lernen dem 26-, 27-, 28-jährigen Neil Gaiman zu vertrauen und mir einzugestehen, dass ich schon damals wusste, was ich tue, dass ich Talent hatte, das nicht erst über die Jahre gereift ist. Es gab Momente in der Vorproduktion, wo David Goyer und Allan Heinberg (sie haben die Serie gemeinsam mit Gaiman entwickelt, Anm.) brillante Ideen hatten, um etwas zu verbessern und zu verändern, aber sobald wir damit begannen, haben sie gesagt, eigentlich hat das in den Comics besser funktioniert, und wir kehrten zum Ursprung zurück.
Das gilt jetzt für diese Produktion, aber was war in den Jahren davor? Hat sich das Studio da eingemischt?
Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass sich nie jemand eingemischt hat. Als ich mit der Arbeit vor Jahren begann, ließ mich DC Comics einfach machen, weil sie keine Ahnung hatten, was ich tue.
Sie hatten auch Mitspracherecht bei der Besetzung, um nicht zu sagen ein Veto. Wie suchten Sie die Darsteller aus?
Wir haben mit Lucinda Syson eine wunderbare Besetzungsregisseurin, mit der ich schon vor Jahren an „Stardust“ zusammengearbeitet hatte. Das Casting selbst war von Schauspieler zu Schauspieler verschieden. Tom Sturridge war der erste Name in der ersten E-Mail, die ich von Lucinda bekommen habe. Sie hat uns vier Aufnahmen von Vorsprechen geschickt und Toms war eindeutig das Beste. Ich wollte mehr sehen, weil ich mir dachte, das kann ja nicht so einfach sein, aber nach 50, 60 weiteren Schauspielern wurde es langsam klar. Wir haben uns dann nicht ein paar hunderte angeschaut, aber es gab keinen Zweifel, dass er es ist. Und das waren nur wir, die Produzenten. Die arme Lucinda muss sich mehrere tausend angesehen haben.

Neil Gaiman im Interview.

©Kurier/Franz Gruber
Und Gwendoline Christie?
Wir haben sie einfach gefragt, willst du in „Sandman“ mitspielen? Sie hat gemeint, ja, ich will „Lucifer“ sein.
Gwendoline als „Lucifer“ war die große Überraschung für das Publikum, weil es fast wie ein Update zu den Comics wirkte.
Das stimmt, es war eine Verbesserung, aber wenn Sie sich anschauen, wie „Lucifer“ in den Comics aussieht, dann macht es Sinn. Ich erinnere mich, dass ich ein Foto von David Bowie als junger Folksänger mit Dauerwelle hatte, das ich an Sam Keith und Mike Dringenberg, die Zeichner geschickt habe mit den Worten: das will ich haben, diesen Look. Androgyn, ein verkommener Engel. Das ist die perfekte Beschreibung für „Lucifer“.
Wie fanden Sie Jenna Coleman?
Wir haben sehr viele Leute zum Vorsprechen für die Rolle der „Johanna Constantine“ eingeladen und haben erwartet, wir würden wir die Qual der Wahl haben. Das war aber nicht so. Ich habe dann Jenna vorgeschlagen, mit der ich an „Doctor Who“ gearbeitet hatte. Sie war großartig und bekam deshalb die Rolle. Und Kirby war das Gegenteil von Tom – wir hatten da schon 1500 Leute gesehen und konnten den perfekten Darsteller für „Death“ nicht finden. Wir haben denen alle eine sehr schwierige Textstelle gegeben, und keiner hat uns überzeugt. Bis wir Kirby sahen, und sie hat das glaubwürdig rübergebracht. Wir konnten in ihre „Death“ erkennen und uns vorstellen, dass sie Toms „Morpheus“ Paroli bieten würde. Und zwar so, dass er ihr zuhört und sie ernst nimmt. Und wir konnten uns vorstellen, dass sich die Fans in die Leinwandversion von Death genauso verlieben würden wie in den Comics. Also passte Kirby einfach.
Patton Oswalt spielt „Raven“. Wie kam es dazu?
Den engagierten wir, bevor Allan als Produzent zusagte. Und bevor Patton wusste, dass er engagiert ist. Wir wussten einfach, dass er ins Kostüm von Raven passen würde.
Haben Sie eigentlich Kontrolle übers Marketing und Merchandising? Bei Science Fiction kein unwichtiger Faktor.
Nein, das Studio lässt uns, was das betrifft, total im Dunkeln. Die teilen uns ihre Weisheiten da nicht mit. Ich hätte gern ein Merv Pumpkinhead- Funko POP (Fanfiguren aus Vinyl, Anm.), den das wäre das Coolste in der Welt. Merv, für alle die das nicht wissen, hat die Stimme von Mark Hamill. Das ist doch perfekt, oder? Also hoffe ich nur, dass sich die Leute die Serie anschauen und sagen, wir alle brauchen ein Merv Pumpkinhead-Funko POP! Wir brauchen Goldie, den Wasserspeier, wir brauchen kleine Cains und Abels, die einander umbringen und wir brauchen lebensgroße Desires, die in allen vier Ecken des Raumes stehen und sich in uns verlieben. Wir brauchen all das! Ich hoffe, sie erzeugen sie alle.

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