"Ein Krimi aus Passau": Die Idylle trügt gewaltig

Die Ex-Polizistin und der windige Privatdetektiv: Marie Leuenberger ermittelt mit Michael Ostrowski (20.15, ARD)

Es ist ein Leben auf dem Sprung: Das Zeugenschutz-Programm hat Ex-Polizistin Frederike Bader (Marie Leuenberger) und Tochter Mia nach Passau geführt, nachdem sie in Berlin aus eigenem Verschulden in die Fänge eines kriminellen Clans geraten waren. Der einzige Außenstehende, der davon weiß, ist der windige österreichische Privatdetektiv Zankl (Michael Ostrowski), der bereits einmal deren Leben gerettet hat – und nun die Fähigkeiten der robusten Ex-Ermittlerin für sich nützen will.

In „Zu jung zu sterben“, der neuen, dritten Folge der Reihe „Ein Krimi aus Passau“ (20.15, ARD), geht es zunächst um gestohlenes Geld, Koks und eine verschwundene Geliebte. Ein lukrativer Fall, aber eine Nummer zu groß für den „Wald- und Wiesen-Detektiv“ allein. Der überzeugt Frederike vom Mitmachen mit dem ihm eigenen Charme: „Ich hab das Gefühl, dass sie mir noch ein bisserl was schuldig sind.“

 

Daten und Fakten

Zur Person
Marie Leuenberger, 1980 in Berlin geboren, startete die Schauspielkarriere in Basel. Es folgten Theater in München und Stuttgart. Von 2005 bis 2010 im Ensemble am Deutschen Schauspielhaus Hamburg

Die Karriere
Seitdem ist sie in vielen TV- und Kino-Rollen zu sehen: z. B. „Neben der Spur“, Hunkeler-Krimis sowie „Die Standesbeamtin“, „Die göttliche Ordnung“. Leuenberger ist vielfach preisgekrönt

Die Serie
Der erste „Krimi aus Passau“ wurde 2020 gesendet. Derzeit entstehen neue Folgen

„Der dubiose Zankl mit seiner unkonventionellen Art und Frederike, die bereit ist, angstfrei und professionell vorzugehen, sie könnten ein ganz gutes Ermittlerpaar werden“, meint Marie Leuenberger zur Figuren-Konstellation. „Für Mutter und Tochter, die als Journalistin in die Fußstapfen ihres bis dahin nicht genannten Vaters treten will, beginnt wiederum nun eine nächste Etappe.“ Man ist vermeintlich nicht mehr auf der Flucht vor der Rache des Clans und die Lösung des komplexen Falls gelingt Frederike und Zankl mit viel Humor.

Doch das Idyll trügt, wie sich in „Der Fluss ist sein Grab“ eine Woche später (7. April) zeigt. „Die Vergangenheit holt hier alle ein. Es ist wahnsinnig spannend, wie die Fäden, die davor aufgenommen wurden, weitergeflochten werden.“

Thriller

Es geht thrillerartig hart zur Sache, auch für die 42-Jährige selbst. „Ich liebe es, körperlich zu spielen, ich mag es, wenn ich in einer Szene jogge oder die Treppen hinauf laufe. Das ist mir viel lieber, als eine im Auto, bei der man die ganze Zeit nur herumsitzt. Aber am meisten interessiert mich die Psychologie der Figur.“

Die spielt sie sehenswert in einer Szene aus, in der Frederike erfährt, dass ein Mitglied des Clans in der Stadt ist. „Nicht schon wieder“, stöhnt da die Ex-Polizistin verzweifelt. „Das war tatsächlich improvisiert; die Kamera ist weitergelaufen und dann passiert so etwas – man fühlt in diesem Moment eben, verdammt, die ganze Scheiße geht von vorne los. Es freut mich total, dass diese Szene im Film drin geblieben ist. Dieser kurze Moment zeigt, wie es Frederike wirklich geht, was sie sonst ja nicht zeigen darf.“

Charakterfach

Leuenberger ist eine fürs Charakterfach. Das zeigt sie auch als Leiterin des Krisenstabes in der Joyn-Serie „Blackout“, die im Frühherbst im ORF laufen wird. „Diese Figur, Frauke Michelsen, steckt mitten in einem Albtraum. Diese Ausweglosigkeit gibt ihr aber auch Kraft.“

In den deutschen Kinos startet zudem dieser Tag „Bis wir tot sind oder frei“, in der sie die Zürcher Anwältin Barbara Hug spielt, die das rückständige Schweizer Rechtesystem bekämpft und sich dafür des Ausbrecherkönigs Walter Stürm bedient hat. „Eine reale Figur, eine untypische Frauenrolle und die spannendste, die ich bislang gelesen habe.“ Nach „Die göttliche Ordnung“ über das Schweizer Frauenwahlrecht jedenfalls erneut ein kritischer Film. „Diesbezüglich passiert derzeit viel, es entstehen einige Filme, die aufzeigen, dass die Schweiz nicht so harmlos war, wie sie scheint“, sagt die Doppelstaatsbürgerin (Deutschland, Schweiz).

Apropos Kino: Dort ist demnächst auch Michael Ostrowski (mit Anke Engelke) zu sehen. Bei „Der Onkel/The Hawk“, der am 6. Mai in Österreich startet, hat der Steirer zudem Regie geführt. „Trotz Corona-Wahnsinn, das Ergebnis lohnt jede Mühe.“ Und zeigt: „Ein bisserl was geht immer“, fast wie beim Schlitzohr Zankl.

Christoph Silber

Über Christoph Silber

Schreibt über Medien-Wirtschaft und -Politik, Werbung und Fernsehen und das seit 1997 beim Kurier.

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