Berühmte, verfeindete Geschwisterpaare: Ein Streifzug durch die Zeit

Böses Blut: Das Zerwürfnis im britischen Königshaus ist nur das jüngste Beispiel eines Motivs, das so alt ist wie die Menschheit.

Es gibt neuen Zündstoff in der Saga der beiden Brüder aus dem Hause Windsor. Prinz Harrys Autobiografie steht kurz vor der Veröffentlichung, zwei lange TV-Interviews, die beide am kommenden Sonntag ausgestrahlt werden sollen, liefern vorab (erneute) Einblicke in das Seelenleben des jüngeren Bruders. „Ich will meinen Bruder zurück“, sagt Prinz Harry im Interview-Trailer.

Wie es zwischen den beiden letztendlich ausgeht, wird sich weisen. Man mag das Zerwürfnis der Geschwister tragisch finden, für eine Seite Partei ergreifen oder die neuesten Updates aus London und Los Angeles als leichte Unterhaltung konsumieren. Neu ist die Geschichte aber definitiv nicht.

Brüderlich

Erzählungen von rivalisierenden und verfeindeten Geschwistern begleiten uns schon seit jeher. Bereits der alttestamentarische Kain erschlug aus Eifersucht seinen Bruder Abel und auch die Geschichte des Zwillingspaares Romulus und Remus endet mit einem Brudermord.

Ganz so weit gingen die Brüder Rudolf und Adolf „Adi“ Dassler aus dem bayrischen Herzogenaurach in ihrer Rivalität nicht. Dennoch eskalierten die Spannungen zwischen den Geschwistern, die als Sportschuhhersteller ein gemeinsames Unternehmen führten. Angeblich denunzierten sie sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs gar gegenseitig bei den Militärbehörden. An der Teilung des Unternehmens führte kein Weg mehr vorbei.

Puma und Adidas: Das Ergebnis einer Entzweiuung.

©APA/AFP/FRANCK FIFE

Und so stehen noch heute in Herzogenaurach, nicht weit voneinander entfernt, die Firmensitze zweier der wichtigsten Sportartikelhersteller der Welt: Rudolfs Puma und Adis Adidas. Bis zu ihrem Tod kommunizierten die beiden Brüder nur noch über Mittelmänner. Der Bruderkrieg im Hause Dassler ging übrigens in der nächsten Generation weiter: Auch die direkten Cousins Armin (Puma) und Horst (Adidas) waren erbitterte Feinde.

Schwesterlich

Innige Geschwisterliebe wurde auch der späteren Elisabeth I., Tochter Heinrichs VIII. und dessen zweiter Frau Anne Boleyn, nicht zuteil. Als ihre ältere Halbschwester Mary den britischen Thron bestieg, ließ diese Elisabeth wegen einer angeblichen Verschwörung in den Tower of London sperren und später unter Hausarrest stellen. Nach dem Tod der kinderlos gebliebenen Mary trat die jüngere Schwester dann aber doch die Thronfolge an und läutete das Elisabethanische Zeitalter ein.

Von der eigenen Schwester in den Tower of London gesperrt: Elisabeth I.  

©Wikimedia Commons/Nicholas Hilliard

Eingesperrt, zumindest metaphorisch, war auch Sängerin Britney Spears. Die Vormundschaft ihres Vaters, die ihr Leben bis ins Kleinste diktierte, wurde 2021 nach 13 Jahren beendet. Seither hält sie sich mit deutlichen Worten ihrer Familie gegenüber nicht zurück. Auch die jüngere Schwester Jamie Lynn bleibt von ihrem berechtigten Zorn nicht verschont. Der Vorwurf: Jamie Lynn habe ihr während der Vormundschaft trotz offensichtlicher Notlage nicht geholfen und würde nun versuchen, die Geschichte mit ihrer eigenen Biografie zu Geld zu machen. „Sie musste nie für irgendetwas arbeiten. Ihr wurde immer alles gegeben!“, kommentiert die Sängerin bitter in einem von zahlreichen emotionalen Instagram-Postings.

Enttäuscht von  Schwester Jamie Lynn (re.): Sängerin Britney Spears.

©Disney General Entertainment Con/Image Group LA/Getty Images

Bis in den Tod

Rivalität bestimmte auch die Beziehung der Schwestern Olivia de Havilland (u. a. in „Vom Winde verweht“) und Joan Fontaine (u. a. in „Rebecca“) – bis heute das einzige Geschwisterpaar mit je einem eigenen Hauptrollen-Oscar. Der Zwist begann bereits in Kindheitstagen. Der traurige Grund: Die Mutter der beiden gab Olivia den Vorzug und verbot Fontaine – deren Angaben nach –, den Familiennamen de Havilland für die Schauspielkarriere zu nutzen. Als nun Joan, die Jüngere, vor Olivia den Oscar bekam, galt das Verhältnis der beiden endgültig als zerrüttet.

Oscar-Wettrennen zweier Schauspielerinnen: Olivia de Havilland (li.) und Joan Fontaine.

©Getty Images/Silver Screen Collection/Getty Images

Nach einem finalen Zerwürfnis – de Havilland soll, Fontaine zufolge, die Schwester nicht rechtzeitig über den Tod der Mutter informiert haben – wechselten die beiden jahrzehntelang kein Wort miteinander. „Ich habe zuerst geheiratet, habe den Oscar vor Olivia gewonnen, und wenn ich vor ihr sterben sollte, wird sie zweifellos wütend sein, weil ich wieder schneller war“, so Fontaines Fazit.

Tatsächlich gelang ihr genau das: 2013 starb sie mit 96 Jahren. Ihre Schwester verstarb erst vor zwei Jahren im hohen Alter von 104. Wer hat nun gewonnen? Es bleibt wohl Auslegungssache.

Über Anya Antonius

Seit 2022 beim Kurier, Ressort Lebensart

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