Musik

Aze wollen zugleich traurig und sexy sein. Geht sich aus

Das österreichische Duo Aze mit Debütalbum "Hotline Aze".

Ezgi Atas und Beyza Demirkalp sind zwei Sandkastenfreundinnen. Aufgewachsen im oberösterreichischen Marchtrenk, haben sie sich mit 3 kennengelernt und mit zirka 13 zum ersten Mal (ernsthaft) miteinander musiziert: Zwischen Hausaufgaben machen und der Bewältigung diverser Teenager-Probleme wurde Gitarre gespielt und gesungen. Dem Alter geschuldet, die beiden sind 24-Jahre jung, hießen die damaligen Vorbilder im Jugendzimmer nicht Britney Spears, Whitney Houston oder Michael Jackson, sondern Lana del Rey und Justin Bieber.

"Wir hatten lange Zeit eine sehr extreme Justin-Bieber-Phase“, sagt Beyza und lacht. „Ansonsten waren unsere Musikgeschmäcker anfangs schon sehr unterschiedlich. Ezgi hat zum Beispiel viel Emo-Rock und Grindcore gehört.“ Ezgi ergänzt: „Beyza war hingegen immer schon Hip-Hop- und R&B-Fan. Irgendwann hat sie versucht, mir Frank Ocean näher zu bringen. Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber inzwischen habe ich sogar ein Tattoo von ihm.“

Hört man sich durch ihr kürzlich veröffentlichtes Debütalbum "Hotline Aze", lässt sich die Liste an Einflüssen noch mit Namen wie Pharrell Williams, Justin Timberlake, FKA Twigs und den beiden R&B-Sängern Daniel Caesar und Brent Faiyaz erweitern.

Hotline

Das nach der Matura nach Wien übersiedelte Duo beschreibt seine Lieder selbst als „sad und sexy Pop“. Was das genau bedeuten soll, erklärt Beyza: „Es geht uns nicht darum, Traurigkeit zu romantisieren, sondern die Schwermut mit all ihren Facetten zu akzeptieren – ohne darin zu versinken. Man kann ja auch traurig und gleichzeitig sexy sein. Wir haben versucht, diese beiden oft gegensätzlich betrachteten Attitüden in unseren Songs zu thematisieren.“

Die 13 Nummern haben Aze in Teamarbeit verfasst. Unterstützt wurden sie dabei vom Produzenten und Musiker Jakob Herber (Flut). „Jakob und Beyza sind für die Musik und Produktion zuständig und ich schreibe die Texte dazu“, sagt Ezgi. "Grundsätzlich ist es uns aber sehr wichtig, dass jeder in jedem Bereich Ideen einbringen kann.“ Für den Song „Sudoku“ haben Aze noch mit dem Singer-Songwriter Clemens Bäre aka Doppelfinger zusammengearbeitet und bei "Sweet Talk" und "Lovely" hatte Sophie Lindinger (Leyya, My Ugly Clementine) ihre talentierten Finger im Spiel.

Das Ergebnis ist angenehm unaufdringliche Musik, die mit verschlafenen, auf der Gitarre, am Keyboard gereichten Melodien und Beats nahe am Ruhepuls eine gute Zeit auf der Couch garantiert. Soll heißen: Zu diesen Liedern lässt es sich herrlich powernappen. Die auf „Hotline Aze“ immer wieder auftauchenden, orientalischen Klänge sind ein Verweis aufs Elternhaus, die Wurzeln: „Wir sind beide mit türkisch bzw. kurdischer Musik aufgewachsen“, sagt Beyza.

Tipp: Ihre Album-Release-Show spielen Aze am 20. Juli im Wiener Theater am Spittelberg. Das Duo wird auch am Samstag, 30. Juli, beim Wiener Popfest auftreten.

Zwei ziemlich beste Freundinnen: Ezgi Atas (li.) und Beyza Demirkalp sind Aze und machen verträumten Indie-Pop

©Amelie Strobl
Marco Weise

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