Palau de la Musica Catalana Barcelona

Was für ein Theater! Die beeindruckendsten Häuser der Welt

Bei der Gestaltung der Gebäude sind kaum Grenzen gesetzt. Von pompösen Klassikern zu modernen Formexperimenten.

Aufführungen, bei denen Menschen vor Publikum spielten, gab es wohl schon in der Steinzeit. Doch es war das Theater der griechischen Antike, das den Zuschauerraum einführte und damit unsere Vorstellung prägte, wie eine Spielstätte in ihren Grundsätzen auszusehen hat. Seitdem sind doch viele Jahrhunderte vergangen – kreative Köpfe haben neue Ideen geboren, die Kulturtempel weiterentwickelt. Gerade ist der wunderbare Bildband „Amazing Theaters of the World“ (von Dominic Connolly, Amber Books Ltd.) erschienen. Er zeigt Meisterwerke der Kunstwelt. Reduziert, klassizistisch, bombastisch oder höchst modern.

Nationales Zentrum für Darstellende Künste, Peking
 

Das „Große Ei“, wie das Chinesische Nationaltheater  gerne genannt wird, hat die größte Kuppel der Welt. Viele der Geschoße sind in den Untergrund verlagert – damit es die benachbarte 65 Meter hohe „Große Halle des Volkes“ auf Pekings Tian’anmen Platz nicht überragt. Das vom Franzosen Paul Andreu entworfene Gebäude erinnert an das traditionelle Yin- und Yang-Motiv. Es besteht aus 19.000 Titanplatten und 10.000 Scheiben.

Nationales Zentrum für Darstellende Künste, Peking

©Amber Books Ltd/Dreamstime/Peng Li

Teatro Colón, Buenos Aires  

Der Grundstein wurde 1890 gelegt –  die Oper in Argentiniens Hauptstadt sollte 1892 aufsperren, um damit  das 400-jährige Jubiläum der Entdeckung Amerikas zu feiern. Daraus wurde nichts, erst ab 1908 schmetterten die Sängerinnen und Sänger im Kolumbus-Theater, wie das Teatro Colón auf Deutsch heißt, ihre Arien. Das erste Stück war Verdis Aida. Das Haus gilt nach wie vor als die bedeutendste Oper Lateinamerikas und sieht auch so aus. Wie Buenos Aires selbst, das gerne als zweites Paris  bezeichnet wird,  wollte man es pompös und üppig. Das Gebäude hat Platz  für 2.500 Sitz- und 1.000 Stehplätze.

Teatro Colón, Buenos Aires

©Amber Books Ltd/Shutterstock/R.M Nunes

Esplanade – Theatres on the Bay, Singapur

Dieses Haus der Kultur   an der Mündung des Singapore River erinnerte die Einwohner des Stadtstaats an die stacheligen Stinkfrüchte des tropischen Durian-Baums – was wohl auch die Absicht der Planer war. Daher gaben die Einheimischen ihm gleich den Namen Durian. Wie das Obst spaltet auch die Architektur die Geschmäcker.   Dabei stinkt die Esplanade aber so gar nicht ab. Die Glashülle wird von 7.000 Alu-Platten überzogen, damit   direkte Sonneneinstrahlung und Hitze vermieden werden. Drinnen gibt es einen Konzertsaal mit 1.600 Plätzen und ein Theater für 2.000 Besucher.  Besonders spektakulär wird es in der Nacht, wenn der Bau in vielen Farben leuchtet.

Esplanade – Theatres on the Bay, Singapur

©Shutterstock/Amber Books Ltd/Shutterstock/Minoru K

Delacore Theater, New York City

Für die Bewohner des Big Apple ist es zur Tradition geworden, im Sommer hierher zukommen. Mitten im Grün des Central Parks gibt es bei freiem Eintritt vor allem  Shakespeare-Stücke, aber auch Musicals zu sehen. 1.800 Menschen haben in diesem Open-Air-Theater Platz. Seit der Eröffnung 1962 sind fünf Millionen Besucher zu 150 Produktionen gekommen.  Großzügige Spenden des Magazin-Gründers George T. Delacorte Jr. und seiner Frau Valeri haben das möglich gemacht.  

Delacore Theater, New York City

©Amber Books Ltd/Dreamstime/Saletomic

Opéra Garnier, Paris 

Eines der ikonischsten Opernhäuser der Welt und Inbegriff der Opulenz. Und auch das Phantom der Oper trieb hier sein Unwesen. Charles Garnier erbaute das Gebäude zwischen 1860 und 1875 im Auftrag von Napoleon III. Der Baumeister wollte mit seiner neobarocken Schöpfung einen eignen „Style Napoléon III“ schaffen. Das Foyer samt Stiege ist beinahe genauso groß wie der Bühnenraum. Alle Besucher sollten passend zur Gestaltung einen bombastischen Auftritt haben. Sehen und gesehen werden war so wichtig, dass Garnier den Zuschauerraum in Hufeisenform bauen ließ, damit der Blick in die gegenüberliegende Loge stets hervorragend war – der Blick auf die Bühne war es dagegen nicht immer.

Opéra Garnier, Paris

©Amber Books Ltd/Shutterstock/Gilmanshin

Palau de la Música Catalana, Barcelona

Wenn jemand aus dem Orchester einmal danebengreift, ist das nicht so tragisch. Es weiß auch der blumig-bunte Jugendstilraum der Musikhalle zu begeistern. Die  zwischen 1905 und 1908 erbaute Konzerthalle ist die einzige in Europa, die bei Tag nur durch natürliches Licht erleuchtet wird.  Besonders spektakulär ist die   Kuppel aus blauem und goldenem Glas. Das soll den Himmel und die Sonne symbolisieren.    Lluís Domènech i Montaner hat das Haus entworfen – er war ein wichtiger Vertreter des „Katalanischen Modernismus“ und somit Mitstreiter Antoni Gaudís. 
 

Palau de la Música Catalana, Barcelona

©REUTERS/NACHO DOCE
Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

Kommentare