Werbeschmäh des Monats Februar: Zuckerhaltige Überraschung bei Knorr

Das "Vitamin Plus Basis Schwammerlragout“ von Knorr will mit zusätzlichen Vitaminen auftrumpfen. Doch foodwatch sieht darin einen klaren Fall von Werbeschmäh.

Gesund und klimafreundlich zu sein scheint einen größeren Absatzmarkt zu versprechen. Nicht umsonst wollen sich zahlreiche Unternehmen nun einen neuen Anstrich verpassen. So auch Knorr. 

Das Produkt "Vitamin Plus Basis für Schwammerlragout“ verspricht zusätzliches Vitamin B, C und E. Allerdings wird hier weniger aufgepeppt als versprochen. Denn in Wahrheit enthält es gleich fünf verschiedene Varianten von Zucker, die so gar nicht gesund sind.

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foodwatch hat sich die Knorr Zutatenliste etwas genauer angesehen. Dabei haben sie festgestellt, dass neben den zugesetzten Vitaminen auch Zutaten enthalten sind, die sonst nie den Weg in eine selbstgemachte Schwammerlsauce finden würden: Milchzucker, Dextrose, Maltodextrin, Karamellsirup und "normaler Zucker“.

Ziemlich viel Zucker für eine Schwammerlsauce, in der laut Zutatenliste nicht einmal echte Schwammerl enthalten sind. Lediglich 2,9 Prozent Champignonkonzentrat verleihen dem Fertiggericht seinen pilzigen Geschmack. Da stellt foodwatch zurecht die Frage: "Warum darf ein solches Produkt sich mit zugesetzten Vitaminen einen „gesunden Anstrich“ geben?“

Der Fauxpas mit den Richtlinien

In punkto gesundheitliche Wirkung von Lebensmitteln sowie Hervorheben von Vitaminen und Mineralstoffen fehlt es an strengeren Regeln. Derzeit reicht eine bestimmte Menge an Nährstoffen, damit Hersteller gesundheitsbezogene Aussagen tätigen können. Das Problem: Auch unausgewogene Lebensmittel dürfen mit Vitaminen und Co. aufgepeppt und damit beworben werden.

Eigentlich sollte die EU-Kommission schon seit 2009 Nährwertprofile für Gesundheits- und Nährwertwerbung vorlegen, worin der maximale Wert für Fett, Zucker und Salz für Lebensmittel festgelegt ist. Doch dieser gesetzliche Rahmen fehlt bis heute. Also können Unternehmen wie Knorr mit Vitaminen werben. 

Wie Schwammerlsauce ohne Fertiggericht gelingt

Wer schon einmal selber Schwammerlsauce gemacht hat, weiß, es sind weder künstliche Vitamine noch fünf verschiedene Sorten Zucker enthalten. foodwatch-Ernährungsexpertin Sarah erklärt, wie eine Schwammerlsauce ganz einfach zu Hause gelingt. Alles, was es braucht, sind Schwammerl, Zwiebeln und Butter oder Öl. Noch etwas Mehl zum Binden, Obers sowie Salz und Pfeffer und Petersilie zum Verfeinern, das war's. 

Das Knorr Fertigprodukt gibt vor, diesen Aufwand zu ersparen und behauptet auf der Verpackung, dass drei weitere Zutaten für die Zubereitung ausreichen würden: Champignons, Öl und Wasser. 

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Ein Problem vieler Hersteller

Knorr ist mit seinem Grünanstrich aber nicht das einzige Unternehmen, das falsche Versprechen macht. Viele Hersteller scheinen ihre Produkte mit Vitaminen oder Mineralstoffen aufzupeppen und versuchen sich dadurch einen gesunden Ruf zu verschaffen. 

Das Problem daran: Die Konsumenten greifen gerne zu solchen Produkten. "Wer will sich nicht etwas Gutes tun – oder das Gewissen beim Verzehr von Fertigprodukten etwas beruhigen“, schreibt foodwatch dazu. 

Doch viele dieser Produkte sind eben nicht gesund und sind alles andere als ausgewogen. Im Gegenteil. Sie sind zu fettreich, zu salzig oder zu zuckerhaltig. 

Bisher hat Knorr noch nicht auf die Frage reagiert, wieso sie das Fertigprodukt mit Vitaminen anreichern. Doch foodwatch bleibt dran. 

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