Sündteuer, aber fad: Milliardärsmode in der Serie "Succession"

Die Outfits der Familie Roy sind viel beachtet. Was ihre Kleidung aussagt und warum die Mitglieder die Anti-Kardashians sind.

Hier ist niemand gut, alle sind unsympathisch, durch und durch durchtrieben. Das Familienepos „Succession“, das zuletzt bei den Golden Globes groß abgeräumt hat, ist eine düstere Satire über den familiären Machtkampf in einem Medienkonzern. Und anders als die reichen Super-Performer-Yuppies der 80er vom Format des Wallstreet-Hais Gordon Gekko sind die Figuren meist auch nicht gut angezogen.

Sie legen augenscheinlich wenig Wert darauf, ihren Status kleidungsmäßig vor sich her zu tragen. Der verschlagene und ständig mit dem Vater Logan Roy kämpfende Kendall etwa sieht manchmal aus wie der letzte Fechter. Oder wie ein klischeehafter österreichischer Innenpolitik-Journalist. Keine Krawatte, schlecht sitzendes Sakko. Aber wie die Süddeutsche treffend festgestellt hat, ist es "Großkotzigkeit durch Understatement".

Exklusive Baseballcaps

Der macht sich etwa an den einfärbigen Baseballcaps des Patriarchen Logan und seiner Kinder fest. Sie sind unspektakulär und ein Logo haben sie auch nicht. Aber: "Kendalls scheinbar unscheinbare Mütze zum Beispiel gehört zur Kollektion von Brunello Cucinelli und kostet 395 Dollar", erkannte die Süddeutsche. Auf stolze 1.395 Dollar bringt es das Kapperl von Loro Piana aus Vikunja-Wolle. Und wegen der Serie werden die simplen Kopfbedeckungen, die in den USA  lange ein Symbol der Arbeiterschaft waren, wieder trendy. Nicht mehr nur bei Trump-Anhängern, die mit der Aufschrift "Make America great again" ihre Zugehörigkeit zum ehemaligen Präsidenten demonstrieren wollen.

Generell beschäftigen sich derzeit – gerade in den USA – einige Menschen intensiv mit dem Stil der Serie. Aus Instagram gibt es Accounts wie successionfashion, die sich mit dem Gewand der ungustiösen Gestalten auseinandersetzen.

Die Kleidung der Milliardärsfamilie Roy sei halt eher fürs persönliche Wohlbefinden als für den Eindruck nach außen. Michelle Matland, Kostümausstatterin der Serie, sagte einmal laut Medium The Ringer: "Sie sind die Anti-Kardashians. Sie müssen nicht durch ihre Outfits zeigen, wer sie sind." Die Protagonisten hätten auch gar keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Und wer die Serie kennt und weiß, wie mächtig sie sein können, ist das wirklich egal. Die Menschen parieren auch, wenn sie von jemandem angefahren werden, der keinen schicken Armani-Anzug trägt.

Ohne Logos

Und das kommt sehr oft vor. Der 80-jährige Patriarch Logan Roy - inspiriert vom Medienmogul Rupert Murdoch - trifft auch nach einem Schlaganfall wütende Entscheidungen im blauen Cardigan und nicht im Blazer. Kendall trägt liebend gerne simple braune T-Shirts von Maison Margiela, die kommen auf gut und gerne 340 Dollar. Und die haben keinen Schriftzug oben wie jene von Balenciaga, die bei den Kids gerade so angesagt sind. Die Dame hinter dem Instagram-Account, Tiffanie Wood, sagte einmal der Huffington Post: "Das ist wie dieses 'Oh, Mark Zuckerberg trägt auch immer nur dasselbe Shirt und dieselbe Hose'." Doch die Stücke seien auch von Masion Margiela. "Das würdest du dir gar nicht leisten können."

Dann wiederum stolziert Kendall in der protzigen Gucci-Bomberjacke und mit klobigen Luxus-Sneakern oder protzigen Ketten durch Büros und Partys. Ikonisch wurde jene Szene, in der er sich auffällige Schuhe (von Tod's) anzieht, um Jungunternehmerinnen zu beeindrucken, denen er ein Start-up abkaufen will. In deren Büro erkennt er, dass diese nicht wie Björk aussehen, und wirft die Treter zur Seite.  Woods sieht darin ein Zeichen, dass er gar keine eigene Identität hat - und sich immer verbiegen muss, etwa wenn es darum geht, seinen Vater zu gefallen. Auf jeden Fall: Hätte er Stylisten, sie würden das auf jeden Fall nicht empfehlen. Aber wir erinnern uns: So etwas braucht ein Roy nicht.

Kendall Roy hat neben Anzügen ohne Krawatte auch gerne Protziges an.

©Die Verwendung ist nur bei redaktioneller Berichterstattung im Rahmen einer Programmankündigung ab 2 Monate vor der ersten Auss/Home Box Office, Inc. All rights reserved

Durchgehend gut ist da eher nur seine Schwester Shiv gekleidet.  Manche sehen in dieser Figur eine outfittechnisch so einflussreiche TV-Persönlichkeit wie einst Rachel Green aus Friends. Auch ihr Stil ist symbolträchtig. Wie Serien-Ausstatterin Michelle Matland laut New Yorker verriet, trug sie in der ersten Staffel, als sie nicht im Royschen Familienimperium mitarbeitete, eher femininere Stücke in Pastelltönen. Ihr rotes Haar war weiter und erinnerte an Botticellis Venus. Mit Einstieg ins Unternehmen wurden die Stücke neutraler -  der an Ivanka Trump erinnernde Look verschwand und wurde härter. Matland bezeichnete das als "Shivs neue Uniform". Stella McCartney, Arman und Max Mara sind nun angesagt, dazu passt der strenge Bob.

Shiv Roy gilt vielen als Fashion-Ikone.

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Ihr Ehemann Tom, er stammt aus dem Mittleren Westen, will sein Angekommensein in der New Yorker Highest Society mit schicken italienischen Marken symbolisieren. Tom will unbedingt dazugehören. "Er trägt den Wunsch am Ärmel", sagte Matland dem New Yorker. Doch das geht schief. Shiv und ihr lästiger kleinerer Bruder machen sich über den Anzuggeschmack des Bruders lustig. Das mögen die Superreichen nicht - nur so zu tun als ob.

Tom (re.) versucht Logan Roy zu gefallen.

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Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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