Ein Modehype der Freiheit schenkt: Wie Berufskleidung alltagstauglich wurde

Die „Workwear“- Ausstellung in Rotterdam zeigt, woher Modedesigner ihre Ideen zu funktioneller Casual-Wear nehmen. Overalls, Cargo-Pants & Co kommen aus der Arbeiterwelt.

Schicke Stilettos und kostbare Cocktailkleider bleiben natürlich weiterhin im Schrank modebewusster Frauen. Aber ehrlich, wie oft hat man Gelegenheit sie anzuziehen? Viel öfter greifen doch alle, die ihren Job-Alltag nicht im Businesskostüm verbringen, in den Kleiderkasten, um schnell etwas zu finden, was alltagstauglich, praktisch, robust und  bequem ist.

Stella McCartney schickte  diesen Sommer Models in einem Overall über den Laufsteg: inspiriert von einem Fliegeranzug

©Ik Aldama / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Und unter nahezu jeder modischer Casual-Wear findet sich heute etwas, das von der Arbeitskleidung früherer Berufe inspiriert wurde – auch wenn man sich dessen heute gar nicht mehr bewusst ist. Denn auch Jeans gehören dazu.

Isabel Marant orientierte sich für die Sommerkollektion bei ihren Hosen an Militär-Uniformen  und verlieh ihnen  Cargo-Taschen und Camouflage-Muster

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So war Marylin Monroe eine der ersten Pionierinnen die die Arbeitskluft der Goldgräber zum It-Teil machte. Als sie 1954 in dem Film "River of No Return“ Blue-Jeans trug, wurde sie damit zum Role-Model für emanzipierte Frauen. Die Original-Denim der Amerikanischen Navy aus dem Film wurde Teil einer Modesammlung von Tommy Hilfiger, der sie vor einigen Jahren versteigern ließ. Preis: stattliche 40.000 Dollar.

In der Sommerkollektion von Polo Ralph Lauren gab es praktische Casual-Wear. Den Jumpsuit von dem Foto ganz oben gibt es noch in blauem Wolltwill, 489,30 €
 

©Polo Ralph Lauren

In den 1950er-Jahren waren Jeans noch shrink-to-fit-made. Die Hose mit der Marylin am Santa-Monica-Beach ins Meer sprang, um sie an ihren Körper anzupassen, hatte exakt ihre Formen.

Mode, die Freiheit schenkt

Heute haben sich Modedesigner von Stella McCartney, über Polo Ralph Lauren bis Miu Miu viele praktische Details und Schnittmuster von Arbeitskleidungen abgeschaut und in ihre Kollektionen einfließen lassen, um Frauen von heute ein Stück Freiheit zu schenken.

Miu Miu hat praktische Gürteltaschen in der Sommerkollektion, mit Blasbalgtaschen die einst bei britischen Militär-Uniformen üblich waren

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Denn darum geht es. Selbst Jane Birkin war 1984 noch eine Mode-Pionierin. Sie holte mit ihrer Birkin-Bag den Alltag in die luxuriöse bürgerliche Taschenwelt von Hermès, als sie eine Tasche in Auftrag gab, die für ihren Hippie-Lifestyle geeignet war: groß, elegant und sportlich  mit praktischen  Innenfächern, um darin alles zu verstauen, was  man an einem Weekend braucht. Die ehemalige Satteltasche sollte ein schickes Werkzeug für den Alltag  emanzipierter Frauen sein.

Im Sommer schickte  Givenchy Models mit Leder-Top und Cargo-Pants auf die Catwalks

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Heute haben funktionale Details und Designs aus den Archiven der Militär- und Berufsbekleidung, wie Blasbalgtaschen, Overalls, Cowboyboots, Karabiner, Satteltaschen, Parkers, Bomberjacken, Holzfällerhemden und vieles mehr, den Weg auf die Catwalks gefunden.

Cool in wool. Dieser Overall stammt aus der aktuellen Herbstkollektion von Brioni
 

©Hersteller

Einige Berufe existieren heute nicht mehr in dieser Form, ihre  Arbeitskleidung wurde aber aus der Mottenkiste geholt, neu adaptiert und Teil der Kulturgeschichte.

Ausstellung workwear in Rotterdam

Es war der britische Politiker Winston Churchill, der das Tragen von Arbeitskleidung in der Freizeit salonfähig machte, während des Zweiten Weltkriegs einen Overall, den "Sirenanzug“ entwarf  und  die Schnittmuster unter der Bevölkerung verteilte, damit sie den Overall nachschneidern konnten. 

Die Ausstellung workwear in Rotterdam zeigt bis 10. September Arbeitskleidung von Neil Armstrongs Mondlandeanzug bis zu Winston Churchills berühmtem Siren Suit

©AADHOOGENDOORN

Bis 10. September zeigt die Ausstellung "Workwear“ in Rotterdam Churchills Overall und einen Überblick von der ersten Mondkleidung bis zu Kollektionen von Modedesigner Massimo Osti, dem Gründer von Stone Island, oder Nigel Cabourn, der für sein von Militär- und Navy-inspiriertes Label bekannt ist, sowie Stücke aus privaten Sammlungen wie dem G-Star-Archiv oder dem Rijksmuseum.

von G-Star

Cargopants Bold im Military-Look

139,95 €

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über P&C

Parker von Marc o'Polo

249,99€

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von Deichmann

Schnürboots aus der Herbstkollektion

54,99 €

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Florentina Welley

Über Florentina Welley

Mag. Florentina Welley schreibt seit 2006 als Lifestyle-Autorin über ihre Lieblingsthemen: Mode, Reise, Design und Kunst. Darüber hinaus konzipiert sie Shootings, kuratiert auch Kunst- und Designevents. Auch Film-Erfahrung hat sie, etwa als Co-Produzentin für den Spielfilm „Die toten Fische“, darüber hinaus ist sie in Werbung und Medien bekannt für Konzepte, Textierungen jeden Genres und Modeproduktionen samt Styling, Regieassistenz, Ausstattung und Kostümbild.

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