Fulminantes Comeback: Was die Pastinake alles kann

von Nicole Ott

Die Pastinake, früher ein Grundnahrungsmittel, führte bis vor Kurzem ein Schattendasein auf dem Markt.

Ich schaue aus meiner Küche auf die Eisblumen, die der Frost auf die Fensterscheibe gezeichnet hat. Zarte Schneeflocken schwirren durch die Luft, ich trinke meinen Tee, lasse das alte Jahr gedanklich ausklingen und stimme mich auf den Jahreswechsel ein. Dazu gehört in unserer Familie natürlich besonders feines Essen und so fallen mir die Pastinaken ein, die ich am Bio-Stand des Bauernmarktes gekauft habe.

„Sind das Peterwurzen?“ fragt mich der Liebste argwöhnisch, sind doch Wurzelgemüse nicht das Mahl seiner Träume am letzten Abend des Jahres. „Fast richtig geraten“, lache ich. „Die Standlerin hat mir aber den Trick erklärt, die beiden Wurzen auseinanderzuhalten. Schau mal, das sind Pastinaken, ihr Stielansatz ist eingesunken, bei der Petersilienwurzel wäre er nach oben gewölbt.“

Tipp: Pastinaken an einem dunklen, trockenen Ort lagern 

Schnell mache ich ihm einen Kaffee, damit er aufmerksamer zuhört, bei meinem Lieblingsthema „Essen“ komme ich schon in der Früh schnell in Fahrt. „Die Pastinake ist ein typisches Wintergemüse, der erste Frost macht sie nur süßer. Schon die alten Römer schätzten sie sehr. Sie ist besonders gesund, auch durch ihren Anteil an ätherischen Ölen. Sie war in Österreich ein Grundnahrungsmittel, bis der Erdapfel über den großen Teich seinen Weg zu uns gefunden hat und ihr den Rang streitig machte. Dann ist die arme Pastinake in Vergessenheit geraten und hat erst in den vergangenen Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Dabei ist sie ein Kind unserer Zeit – du kannst sie auch männlich ansprechen, dann ist sie der Pastinak. Ich mag sie, weil ich sie „bio“ kaufen kann und weil sie bei uns heimisch ist. Von wegen blasse Karotte. Sie ist so vielfältig, ich kann Suppen daraus kochen, Füllungen für Ravioli daraus zubereiten, Gratins zaubern – gerne in Kombination mit ihrem Konkurrenten Erdapfel. Die Engländer backen sogar Kuchen mit ihr!“ „Na, das sind ja herrliche Aussichten für das neue Jahr“, feixt der Liebste und schnappt sich die Hunde für seinen Morgenlauf in der klirrenden Kälte.

Pastinake als kusprige Vorspeise

Während ich die Pastinaken schäle, überlege ich mir eine besondere Vorspeise für unser Silvestermenü. Knusprige Pastinakentascherl sollen es werden, die können wir im Stehen zu einem Glaserl Sekt verputzen. Da kullern mir in einer Küchenlade zwei Kletzen entgegen, die werden eingeweicht, Nüsse geben Biss und Feta bändigt die Süße mit herber Cremigkeit. Ich lasse mir einen besonderen Mürbteig einfallen und bin später begeistert, wie leicht er sich formen lässt. Die Tascherl werden in den Kühlschrank verfrachtet und warten brav darauf, frisch gebacken zu werden.

Später am Abend kommt mir schon wieder der Pastinak in den Sinn, den ich beim Wandern irrtümlich für den wilden Fenchel gehalten habe – so unglaublich viel Aufregendes habe ich ja in diesem Jahr nicht erlebt. „Na, dann, auf viele neue Abenteuer in den Bergen!“, ruft der Liebste seinen Trinkspruch aus. Prosit Neujahr!

Und hier geht's zum Silvesterrezept:

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