"Karen's Diner": Wo Besucher gerne für schlechten Service zahlen

In einer Restaurantkette werden Gäste angepöbelt und extra schlecht bedient. Trotzdem expandiert sie jetzt weltweit. Ein Wiener Gastronom erklärt das Erfolgsrezept.

Schon der Eintritt ins Restaurant ist ein Erlebnis der anderen Art. Nachdem die Gäste gut fünf Minuten ignoriert werden, schleicht eine Kellnerin mit genervter Miene heran. "Habt ihr reserviert?“ Nicken. "Na, dann könnt ihr ja auch noch etwas warten“, sagt sie harsch und geht. Schließlich kommt die Bedienung doch, bedeutet mit einer Kopfbewegung, ihr zu folgen - und schmeißt die Speisekarten aus zwei Metern Entfernung lustlos Richtung Tisch. Willkommen in "Karen's Diner“. 

Das Lokal befindet sich mitten im Central Business District  von Sydney. An der rosa-mintgrünen Fassade ist zu lesen, worum es geht: "Tolles Essen, schrecklicher Service“. Die Verhaltensregeln: "Setzt Euch hin und haltet die Klappe.“  Ein Lokal also, in dem - mit voller Zustimmung der Besucher und Besucherinnen sowie Kellner und Kellnerinnen - beschimpft, beleidigt und sich beschwert wird. Kann das funktionieren?

Entertainment gefragt

"Die erlaubte Kontroverse zwischen Gast und dem Ober ist schon nicht schlecht“, findet Berndt Querfeld, Geschäftsführer des Wiener Traditionscafés Landtmann - und geht noch einen Schritt weiter: "Ich finde es sehr lustig. Es ist ein tolles Konzept - solange es gut inszeniert ist.“ Denn der Gastronom weiß: Heute ist Entertainment gefragt. Viele Gäste sehnen sich danach, mal etwas Ungewöhnliches zu erleben.

Und überhaupt, erzählt er, erinnere ihn das australische Konzept  sogar ein wenig an ein heimisches Urgestein: den grantigen Wiener Ober. Laut Querfeld inzwischen eine besonders seltene Sorte,  die aber im Grunde "gar nicht unfreundlich,  sondern einfach grantlert war“ - eine Nuance, die wohl nicht alle verstehen.

Den Manager sprechen

Bei "Karen’s Diner“  hat der Grant jedenfalls zum großen Erfolg geführt. Doch auch dort muss man sich  als Kunde nicht alles gefallen lassen. Fixe Regeln schaffen zumindest einen gewissen Anstandsrahmen. So haben etwa  Rassismus und Sexismus sowie homophobe Kommentare bei "Karen“  nichts verloren. Doch wer ist eigentlich diese "Karen“?

Der Name ist seit einigen Jahren ein Synonym für einen bestimmten Frauentyp und mittlerweile ein populäres, in vielen Ländern bekanntes Meme. Mit dem Spottnamen werden weiße Menschen mittleren Alters bezeichnet, die sich gegenüber der Belegschaft unverschämt und nervig benehmen, ständig Rechte einfordern und Ansprüche erheben – und zur Klärung der oft absurden Situationen fordern, Vorgesetzte hinzuzuziehen. Der Slogan der Karen-Memes lautet dementsprechend: "Kann ich mit dem Manager sprechen?“ 

Wer sich immer schon mal selbst so unmöglich wie eine echte Karen benehmen wollte, der kann diese Fantasie nun ungehemmt im Diner ausleben, betonen die Macher. Neben der erst im Vorjahr gegründeten ersten Filiale in Sydney kann man dies nun auch  in anderen australischen Städten und Großbritannien tun. Österreich ist bislang noch nicht unter den Standorten – so mancher Tourist würde aber wohl darauf schwören, schon mal eine ähnliche Filiale hierzulande besucht zu haben.   

Elisabeth Kröpfl

Über Elisabeth Kröpfl

Seit 2021 beim KURIER, Ressort Lebensart

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