Grillen allein ist jetzt zu wenig: Kochen mit Feuer kann noch mehr

Für die meisten Techniken sind keine Hightech-Geräte nötig

Alle reden immer nur vom Grillen. Doch da geht noch mehr. Das Garen von Fleisch oder Gemüse auf dem Metallrost ist zwar eine von vielen Methoden, um Lebensmittel über offenem Feuer zu garen. Zweifellos hat es sich unter allen Techniken des Kochens am offenen Feuer am besten durchgesetzt. Die Möglichkeiten gehen aber „weit über das bekannte Grillen hinaus“, sagen Monika Di Muro und Chris Bay, die schon vor vielen Jahren dem Kochen am offenen Feuer verfallen sind.

Das Paar spricht lieber von „Feuerkochen“ und vergleicht es mit einem Handwerk. Ob man nun eine schwere Eisenpfanne oder einen klassischen Wok in die Glut stellt, ist genauso ein Erlebnis, wie ein Schmorgericht in einem Tongefäß garen zu lassen oder zwei herkömmliche Bräter zum Blechofen umzufunktionieren.

Faszination

Dafür, dass Grillen so beliebt ist, hat Chris Bay durchaus Verständnis. Am Markt gebe es viele Hightech-Griller. „Das ist für viele eine Art von Hobby, wie ein Spielzeug.“ Ein bisschen Selbstverwirklichung abseits des Alltags komme bei begeisterten (vor allem männlichen) Grillmeistern dazu. „Das wird dann zelebriert.“ Immerhin ermöglicht Grillen hohe Temperaturen, die in einer Küche nicht so leicht möglich sind, mit speziellen Geschmacksnoten. „Das Fleisch bleibt innen rosig zart, außen ist es aber knusprig.“ Und der vielleicht wichtigste Grund: „Grillen ist unglaublich einfach, dafür sind keine Kochkenntnisse nötig.“ Was darüber hinaus fürs Grillen spricht: „Es ist auch die lustvollste Art der Zubereitung.“

Auf ihren Reisen durch mehr als 90 Länder haben Bay und Di Muro viel Detailwissen über die „Feuerküche“ gesammelt. Einen Griller brauchen die beiden dafür nicht. Heute betreiben sie in Bern ihre Feuerkochschule „chillfood füüri“.

Die gemeinsame Klammer aller Methoden ist naturgemäß das Feuer. Aber: „Die Zubereitung ist anders als die gelernte. Die Gerichte werden anders gegessen als das Bekannte und sie schmecken anders als das Erwartete.“ Und der offensichtlichste Unterschied zum Kochen in geschlossenen Räumen: „Wenn man mit offenem Feuer kocht, ist man im Freien – und man nimmt sich Zeit.“

Alles ist möglich

Am Feuer sind zwar sämtliche Zubereitungsarten möglich: Besonders spannend finden die Schweizer Feuerköche allerdings das Backen mit Feuerschalen. Weil derart Zubereitetes etwas von im Ofen geschmorten Gerichten hat, sehen sie „einen besonderen Reiz“ darin. Die vielen Einzelaromen verbinden sich im abgeschlossenen Behälter zu einer Gesamtkomposition, die sonst kaum möglich wäre, erklärt das Paar. Das klingt vielleicht aufwendig, ist „in Wirklichkeit nicht komplizierter als Grillen“. Und das ganz ohne High-Tech-Geräte. Für den einfachsten Feuerofen brauche man nur: Eine massive Gusseisenpfanne, einen passenden Deckel – und natürlich die Glut. Die Zutaten kommen in die Pfanne, man gibt den Deckel darauf und darüber häuft man die Glut. „Schon hast du einen Ofen, in dem Fleisch, Gemüse oder auch Brot in einer Stunde fertig gegart ist“, sagt Chris Bay.

Und welche Anschaffung empfiehlt er für Feuer-Einsteiger? Wenig überraschend: Keinen Griller. „Statt eines teuren Grillgeräts kann man sich eine ordentliche Pfanne mit Deckel um 50 Euro zulegen. Damit hat man schon ein wirklich tolles Experimentiergerät für offenes Feuer.“

Buchtipp: Chris Bay, Monika Di Muro, Feuerkochen, at-Verlag, 41 €

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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