Cranberries für den schnellen Energie-Kick

von Nicole Ott

Marktgeschichten, Folge 7: Obst zu trocknen ist die älteste Konservierung von Lebensmitteln. Cranberries sind dafür ideal.

Wie schön sind die Dezembertage, an denen ich durch einen Christbaumwald am unteren Ende des Marktes spaziere, um ins Café zu gelangen. Weihnachtlich duften die frisch geschnittenen Bäume, die darauf warten, nach Hause getragen zu werden, um herrlich geschmückt die Herzen von Jung und Alt höher schlagen zu lassen. Bei Emils Stand bleibe ich stehen, da fällt mein Blick auf Steigen voll bunter Trockenfrüchte.

Leuchtend orange Marillen, faltige, dunkelviolette Zwetschken, pralle Datteln und weiche Feigen, die mit einem Faden zum Kranzerl gebunden sind. „Kletzen sind auch schon da, gerade richtig für die Weihnachtszeit!“, ruft Emil. „Perfekt, da kann ich  schon Kletzenbrot backen. Ich muss mir nur noch den Teig vom Bäcker bestellen“, lache ich zurück. „Und dazu schmeckt geräucherter Hirschschinken herrlich“, meint ein Mann, der sich gerade Mandarinen und Erdnüsse für seine Kinder aussucht.

Nährstoffbombe

Sind die Kletzen, also getrocknete Birnen, heimisches Trockenobst, kommen die meisten der anderen gedörrten Früchte aus wärmeren Gefilden. Das Trocknen von Obst ist die älteste bekannte Konservierung von Lebensmitteln, abgeschaut von der Natur, die reife Früchte, die vom Baum gefallen waren, in der prallen Sonne dörrte. So wird das Obst zu einer wahren Nährstoffbombe mit langer Haltbarkeit und wurde einst auf Expeditionen und auf weite Seereisen mitgenommen, um gegen Skorbut gewappnet zu sein.

Getrocknete Feigen wurden gar als Grabbeigabe mitgegeben, wohl, um die letzte Reise ein wenig zu versüßen. Zurück zum Marktstand. Glücklich sehe ich den Marktstandlern zu, wie sie die verschiedenen Trockenfrüchte mit einer langen Holzzange aus den Körben fischen.

Dattelbusserln und Witwenküsse

„Ich brauche ein Viertel Kilo Datteln, meine Nichte isst so gerne meine Dattelbusserl!“, sagt eine ältere Dame mit Hut. „Ich gebe in meine Witwenküsse immer  ein paar Rosinen rein, nach einem Rezept meiner Schwiegermutter, sie hat immer Zibeben zu den Rosinen gesagt“, plaudert eine andere Dame aus ihrem Weihnachtskekseschatz.

Ein junger Mann, der seinen strubbeligen Hund an der Leine hält, murmelt: „Also ich mach lieber eine Gemüsetajine mit Datteln und Pinienkernen und morgen backe ich mein Brot mit Lavendel und getrockneten Marillen!“ Sozusagen ein modernes Weihnachtsbrot, schmunzel ich im Stillen und stelle mir die früheren Zeiten vor, als Trockenfrüchte im Nikolosackerl die einzigen, begehrten Süßigkeiten waren.

©Getty Images/Avalon Studio/IStockphoto.com

Zurück im Café bin ich von all den Tannenbäumen und dem Weihnachtsschmuck inspiriert: Natürlich, rote Cranberries und grüne Pistazien wünsche ich mir für den Weihnachtssalat. Fehlt nur noch das schneeweiße Ziegenkäsemousse und fertig ist die Vorspeise für Heiligabend. Ich kann sie  am Vortag vorbereiten, so bleibt mir Zeit, um die Bescherung zu genießen. Als Nachspeise gibt es eine Schokotrüffel-Tarte, mit eingelegten Rumzwetschken, aber das ist eine andere Geschichte.
 

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