Was sie angreifen, wird zu Gold: Der Hype um Star-Memorabilia

Welche persönlichen Dinge von Stars derzeit versteigert werden und wieso Fans bereit sind, dafür bei Auktionen Rekordsummen auszugeben.

Egal in welcher Straße oder welcher Stadt Mark Knopfler als Kind unterwegs war. Wenn er auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Musikgeschäft sah, dann war es für ihn ein Muss, die Straße zu überqueren und sich die Musikinstrumente im Schaufenster anzusehen, vor allem die Gitarren. Und obwohl Mark Knopfler heute 74 Jahre alt ist und als Leadsänger und Gitarrist Dutzende Gitarren nicht nur in der Hand gehalten hat, sondern mittlerweile besitzt – eine rot-weiße Fender, eine feine Gretsch, eine rustikale Gibson-Western-Gitarre – macht er das immer noch: Er studiert die Form, die Griffe, die Saiten der eleganten Instrumente. Irgendwie ist da immer noch ein Zauber in diesem Augenblick.

Magische Momente könnten bald seine Fans erleben. Das Auktionshaus Christie’s versteigert Ende Jänner mehr als 120 Gitarren und Verstärker, mit denen Knopfler Konzerte gegeben oder auf denen er Lieder komponiert hat. Dabei dürfte eine stattliche Summe zusammenkommen (von der er ein Viertel spenden möchte). Denn was einmal einem Star gehörte, zeigt die Erfahrung, ist begehrenswert.

Taschentuch und Toast 

Dabei muss das Objekt an sich gar nicht besonders sein. Der britische Sänger Ed Sheeran hat im November etwa 450 Stücke aus seinem Kleiderkasten dem „East Anglia’s Children’s Hospices“-Krankenhaus gespendet. Bei der darauffolgenden Versteigerung fanden einzelne Boxershorts um 296 Euro oder auch ein Paar gebrauchte Socken um 178 Euro neue Besitzer.

©Daniel Martensen

Das sind aber bei weitem nicht die kuriosesten Gebrauchsgegenstände von Stars, die je versteigert worden sind. 2009 war es einem Fan wert, umgerechnet 4.700 Euro für ein gebrauchtes Taschentuch von Scarlett Johansson auszugeben. Die Schauspielerin hatte sich während eines Auftritts in der Talkshow „Tonight“ die Nase geputzt, das Taschentuch signiert, in ein Klarsicht-Sackerl gesteckt – und es auf eBay zum Verkauf angeboten. Im Jahr 2000 veräußerte ein DJ des amerikanischen Radiosenders Z-100, ebenfalls auf eBay, wiederum die Reste eines Toasts, den Sänger Justin Timberlake beim Interview nicht aufgegessen hatte. Die 19-jährige Kathy Summers konnte sich um 920 Euro den angebissenen, leicht verbrannten Toast sichern. Auf die Frage, was sie damit machen wolle, erklärte sie amerikanischen Medien: „Ich werde ihn wahrscheinlich gefriertrocknen, dann versiegeln ... und dann auf meine Kommode stellen.“

Eine der letzten Handgriffe

Je dramatischer die Umstände, desto tiefer sind Fans und Sammler bereit, in die Taschen zu greifen. Kurz vor Weihnachten wurde vom amerikanischen Sportartikelgeschäft „Press Pass Collectibles“ eine handsignierte Weihnachtskarte von John F. Kennedy und Jackie Onassis versteigert. Natürlich hatte der 35. Präsident der Vereinigten Staaten im Laufe seiner Amtszeit unzählige Weihnachtskarten unterzeichnet.

©IMAGO/Pond5 Images/IMAGO/xLIFE Picture Collectionx

Doch diese Karte von Hallmark war für das Weihnachtsfest 1963 intendiert und wurde von Kennedy nach seiner Rückkehr aus Florida ins Weiße Haus am Abend des 18. November, aber vor seiner Abreise nach Texas am Morgen des 21. November unterzeichnet. Einen Tag später wurde er ermordet. Das Erstgebot der Karte lag bei 31.500 Euro.

©Ebay

Promis müssen Objekte aber gar nicht besitzen, nur in der Hand halten reicht, um den Wert zu steigen. Im Dezember wurde auf der Auktionsplattform Catawiki eine 300 Jahre alte Geige mit den Unterschriften von Sänger John Lennon und Künstlerin Yoko Ono zum Kauf angeboten.

©IMAGO/UIG

Der spanische Geiger und Sammler Jose Eugenio Sanz Sampedro hatte die beiden in einem Hotelrestaurant getroffen, seine Version Beatles-Hits „Yesterday“ vorgespielt und sie anschließend gebeten, ihre Namen auf der Rückseite der Geige anzubringen. Er erhoffte sich 35.000 Euro.

Der Glaube der Ansteckung

In der Hoffnung – genauer gesagt: der Hoffnung auf Magie – steckt übrigens der Schlüssel zu den Rekordsummen, die Menschen bereit sind für gewöhnliche Gegenstände auszugeben, haben die Forscher George Newman und Paul Bloom von der Universität Yale in ihrer Analyse von Nachlassauktionen herausgefunden. Menschen glauben, so die Forscher, an der „Essenz“ der Reichen und Berühmten teilhaben zu können, wenn sie Gegenstände besitzen, die ihnen gehörten. Menschen würden davon ausgehen, schrieben sie im Journal PNAS, „dass die immateriellen Qualitäten einer Person durch physischen Kontakt auf einen Gegenstand übertragen werden können“. Übrigens funktioniert der Glaube der Übertragung auch im umgekehrten Sinn – dann jedoch zum Nachteil der Verkäufer. Haben nämlich Kriminelle oder Betrüger die Gegenstände berührt, sinkt ihr Wert.

Magie ist 2024 also nicht nur weiter in unseren Köpfen, sie bestimmt in manchen Momenten immer noch unser Handeln.

Anna-Maria Bauer

Über Anna-Maria Bauer

Wienerin und Weltenbummlerin. Leseratte und leidenschaftliche Kinogeherin. Nach Zwischenstopps in London und als Lehrerin in der Wien-Chronik angekommen. Interessiert an Menschen, die bewegen, begeistern oder entsetzen; an ungewöhnlichen Ideen und interessanten Unmöglichkeiten. "Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit, nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nichts ist phantasievoller als die Sachlichkeit." Egon Erwin Kisch: Der rasende Reporter.

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