"Vorstadtweiber"-Finale: "Es ist auch gut, dass es nun zu Ende geht"

Peter Temel

von Peter Temel

Der ORF-Dauerbrenner „Vorstadtweiber“ geht am Montag (20.15 Uhr, ORF1) nach sechs Jahren in die letzte Staffel. Die Hauptdarstellerinnen über Wehmut, das Altern und Stützstrümpfe.

„Habt’s ihr in eurem Alter eigentlich noch Sex?“ – die junge Dessousvertreterin macht keine Gefangenen und sorgt dafür, dass den drei Vorstadtweibern am Pool der Champagner gröber aufstößt.

Da geht Wally (Maria Köstlinger) ihr Galgenhumor aus. Sie sagt: „Ich glaub’, du schleichst dich jetzt besser.“ Davor hat sie mit Nicoletta und Sonia noch über „Schwabbelarme“ und „Titanic-Ringe“ („Rettungsring, bei dem schon alles zu spät ist“) gescherzt.

Vorstadtweiber

Dessous-Party der Schmerzen: Sonja Chan (Marie-Claire), Maria Köstlinger (Waltraud Steinberg), Nina Proll (Nicoletta Huber), Ines Honsel (Sonia Clementi)

©ORF / Petro Domenigg

Drehbuchautor Uli Brée konfrontiert die Döblinger Damen in der letzten Staffel der Erfolgsserie wieder mit allerlei Verwicklungen, doch das Älterwerden scheint besonders an ihnen zu nagen. Maria Köstlinger dazu im Gespräch: „Die Wally ist in dieser Gesellschaft viel zu sehr umgeben mit dem Thema Schönheit und Style, da wäre es komisch, wenn sie so überhaupt kein Problem damit hätte. Aber sie versucht, sich selbst treu zu bleiben und so ehrlich wie möglich damit umzugehen. Und das finde ich als Aussage schon gut.“

Auch der Wechsel bei Frauen sei „ein Tabuthema. Bei den Vorstadtweibern haben wir die Möglichkeit, ironisch und humorvoll damit umzugehen.“

Das  Älterwerden musste einfach ein Thema für die ,Vorstadtweiber‘ sein. Weil sich viele Frauen damit so schwertun und weil es uns die Gesellschaft so schwer macht.

Maria Köstlinger (Wally Steinberg)
Vorstadtweiber

Maria Köstlinger und Bernhard Schir

©ORF / Hubert Mican

Unerfüllte Träume

Nina Proll meint: „Ich  habe mich zuerst innerlich schon ein bisschen gesträubt dagegen. Aber es war richtig und birgt viel Komik, die ,Vorstadtweiber‘ mit ihrem Alter zu konfrontieren. Es ist schön, dass sie sich da gewissen Vorstellungen widersetzen. Warum sollten sie nur noch Stützstrümpfe und keine Dessous mehr tragen? Warum sollten sie nicht mehr Sex haben und keine Liebschaften mehr pflegen?“

Vorstadtweiber

Proll mit Valery Tscheplanowa und Karina Sarkissova

©ORF / Petro Domenigg

Proll erklärt, dass mit dem Altern „auch bisher unerfüllte Träume verknüpft sind“. Bei ihrer Rolle, der Nicoletta, ist es der Kinderwunsch. „Sie hat die Torschlusspanik“, erklärt Proll, „da sie in einem Alter ist, in dem es vielleicht gar nicht mehr möglich ist, schwanger zu werden. Und das verursacht natürlich psychischen Stress.“ 

Sie habe sich „in den Kopf gesetzt, Familie zu haben, koste es, was es wolle, mit oder ohne Mann. Dafür setzt sie Himmel und Hölle in Bewegung, und das führt natürlich auch zu Problemen.“ 

Nicoletta erfährt nämlich, dass sie als Singlefrau gar keine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen kann. Da gilt es, Abhilfe zu schaffen.

Als Singlefrau darf man sich nicht künstlich befruchten lassen. Man sieht auch hier, wie immer mit zweierlei Maß gemessen wird. Darüber kann sich Nicoletta genauso endlos aufregen wie die Nina.

Nina Proll (Nicoletta Huber)

Ein Antrag

Wally muss sich hingegen mit einem Heiratsantrag von Hadi (Bernhard Schir) herumschlagen. Der plant eigentlich, sein Lotterleben zurückzuschrauben, wird aber weiterhin von der jungen Journalistin Priska Fischer (Alma Hasun) umgarnt. Sonia (Ines Honsel) sucht sich indes einen Cicisbeo, der sie – wie früher die galanten Höflinge – zu Society-Events begleitet.

Ich finde es mutig, wie in der Serie Tabus gebrochen werden. In der letzten Staffel geht noch mal ein Feuerwerk los,  es wird nichts ausgelassen. Insofern ist es ein guter Abgang.“
 

Alma Hasun (Priska Fischer)
Vorstadtweiber

Sonia Clementi (Ines Honsel) mit ihrem "Cicisbeo" Timo (Peter Marton) 

©ORF / Petro Domenigg

Vanessa versuchte stets, auch mit unlauteren Mitteln, in die „Vorstadtweiber“-Clique aufgenommen zu werden. Hilde Dalik berichtet über das Fortkommen ihrer Serienfigur: „Um dem Gefängnis zu entgehen, lässt sie sich in eine geschlossene Anstalt einweisen und gibt die Madame Pompadour. Wobei man nicht genau weiß, ob sie es nur vorgaukelt. Sie trifft auf Chantal, die eine Verbindung zu den ,Vorstadtweibern‘ hat. Offenbar sieht Vanessa eine Möglichkeit, sich zu rächen.“

Ich finde Frauen ab vierzig total interessant und freue mich auf das, was auf mich zukommt. Es ist schade, dass es wenige Serien gibt, die sich älteren Hauptfiguren widmen.
 

Hilde Dalik (Vanessa Schwarz)
Vorstadtweiber
©ORF / Petro Domenigg

Die Staffel bringt auch Auftritte längst verschwundener Darsteller: Gerti Drassl, Martina Ebm, Murathan Muslu und sogar Simon Schwarz tauchen wieder auf. Ein Wiedersehen gibt es zudem mit Juergen Maurer, der sich mit Maske und Desinfektionsmittel in seiner Wohnung verschanzt. Als Hypochonder fürchtet er sich extrem vor dem Virus und erhält dann die Diagnose Prostatakrebs. „Das ist eine sehr schöne Ironie des Schicksals, die sehr schön zeigt, wie das Leben so spielt“, erklärt Proll. "Wie schon John Lennon sagte: 'Life is what happens while you're making other plans."'

Die ?Vorstadtweiber? und das große ORF-1-Serienhit-Finale

Vier Schauspielerinnen und ein "Vorstadtmann" im KURIER-Interview: Nina Proll, Maria Köstlinger, Alma Hasun, Bernhard Schir und Hilde Dalik

©ORF / Thomas Ramstorfer

Der Abschied

Wie sieht sie den Abschied von der Serie?  Proll: „Wehmütig. Aber ich habe meinen Frieden damit gefunden. Denn diese Staffel ist besonders gut geworden, gerade weil sie die letzte Staffel ist.“

Happy End gibt’s keines. Man hat zwar versucht, die Figuren fertig zu erzählen, trotzdem bleiben sie Gott sei Dank bis zur letzten Minute unbelehrbar und unberechenbar.

Bernhard Schir (Hadi Melzer)

Für die letzte der elf  neuen Folgen  (Regie führten Mirjam Unger und Harald Sicheritz) wurde in St. Corona am Wechsel für eine große Hochzeit gedreht. Wer dort heiraten soll, wird noch nicht verraten.

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ sieht Köstlinger das Ende. „Es war eine tolle, aufregende Zeit, diese Rolle war ein Geschenk. Trotzdem ist es  auch gut, dass es jetzt zu Ende geht. Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören.  Und Gott sei Dank ist es immer noch schön gewesen.“

Peter Temel

Über Peter Temel

Seit 2009 beim KURIER. Zunächst Entwicklung des Kultur-Themenangebots auf kurier.at. Später bei härteren Themen der Innen- und Außenpolitik angelangt, dann Aufbau und Gestaltung des Satire-Portals "KURIER mit Schlag". Aktuell wieder im Kulturbereich verankert und mit Freude TV-Tagebücher schreibend. Habe eigentlich immer "was mit Medien" gemacht, Geschichte und Philosophie studiert. Privat stehen Fußball, Skifahren, Wandern hoch im Kurs.

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