Johnny Rotten (Ansoon Boon, li.) und Steve JOnes (Toby Wallace) als Sex Pistols

Sex Pistols auf Disney+: Mit rebellischer Wut das Publikum provozieren

Unterhaltsame Mini-Serie von Danny Boyle über die Entstehung der legendären Punkband Sex Pistols

John Lydon, als Johnny Rotten ehemals Frontmann der Punkband Sex Pistols, hatte vergeblich versucht, die sechsteilige Mini-Serie „Pistol“ (abrufbar auf Disney+) zu boykottieren. Brit-Regisseur Danny Boyle konnte auch ohne seine Zustimmung Punk-Klassiker wie „Anarchy in the U. K.“ oder „God Save the Queen“ verwenden. Ohnehin bleibt Rotten in Boyles unterhaltsamer, aber durchwachsener Nostalgie-Show tendenziell am Rand, denn die Entstehungsgeschichte der Sex Pistols wird aus der Perspektive von Gitarrist Steve Jones erzählt.

Aufgewachsen in miserablen Verhältnissen und immer mit einem Fuß im Kriminal, spielt Jones in einer Band namens The Swankers. Nach der Begegnung mit Malcolm McLaren kommt es zur Gründung der Sex Pistols – mit Johnny Rotten als Sänger.

Anson Boon spielt Rotten mit weitaufgerissenen Augen und Igelfrisur am Rande der Karikatur; Malcolm McLaren, von Thomas Brodie-Sangster als scharfzüngiger, gymnasialer Theorieüberflieger dargestellt, macht ihn zum Imageträger von Punk.

Toby Wallace als Steve Jones, Guitarrist der Sex Pistols: Mini-Serie "Pistol“ auf Disney+

©Disney+

Danny Boyle, Regisseur von „Trainspotting“ und „Slumdog Millionaire“, ist ein Routinier der gelackten Oberflächen – besonders, wenn sie räudig sind. Zielsicher triggert er lustvoll jedes Klischee vom verspießt-miefigen England der späten 70er-Jahre, in dem Punkrock, Vivienne Westwoods Boutique „Sex“ und die Sex Pistols einschlagen wie eine Bombe.

Die besten Momente entstehen bei den Livekonzerten, die von den Darstellern selbst eingespielt und gesungen werden. Egal, ob in einem Gefängnis oder in einem Ballsaal: Die Sex Pistols provozieren mit ihrem Sound eine rebellische Wut, die ihre Zuhörer entweder in brüllende Löwen verwandelt oder davonrennen lässt.

Je weiter die Episoden voranschreiten, desto mehr verlieren sie allerdings an Momentum: Wenn am Ende auch noch Nancy Spungen auftaucht und Sid Vicious zum Heroin verleitet, hat man das Gefühl, dass selbst Danny Boyle die Lust am Punkrock verloren hat. 

Vivienne Westwood (Talulah Riley) mit Malcolm McLaren (Thomas Brodie-Sangster): "Pistol"

©Miya Mizuno/FX/Disney+
Alexandra Seibel

Über Alexandra Seibel

Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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