"Die Zeit, die wir teilen": Verlegerin Huppert verliebt sich in neurotischen Schriftsteller Eidinger

Isabelle Huppert und Lars Eidinger als Paar.

Sie verkörperte im Laufe ihrer Karriere immer wieder ambivalente Figuren: Opfer und Täterin zugleich. Einfühlsam und kalt, wortkarg und mit minimalistischer Miene.

Ihm konnte zuletzt das Salzburger Festspielpublikum dabei zuschauen, wie ihn als „Jedermann“ Tod und Teufel holen wollen.

Isabelle Huppert und Lars Eidinger: In diesem Film teilen die beiden Zeit und Kinoleinwand.

Die vielfach ausgezeichnete französische Theater- und Filmschauspielerin spielt hier einmal mehr eine eigensinnige, starke Persönlichkeit und Lars Eidinger gibt ihren Liebhaber. So weit, so vielversprechend. Der Film beginnt mit Isabelle Huppert, die in einer regnerischen Nacht hinterm Steuer ihres Autos sitzt.

Sie wendet sich direkt an die Zuschauer, stellt sich vor als „Joan“, von Beruf Verlegerin. Danach beginnt sie aus ihrem Leben zu erzählen. Die Erinnerungen münden in eine Rückblende, die Joan zeigt, als sie noch sehr jung war. Als Au-pair-Mädchen in Irland, dem Geburtsland ihres Vaters. Damals verliebte sie sich in einen irischen Taschendieb, mit dem sie eine wilde Zeit verbrachte, die im Gefängnis endete – und mit einer ungewollten Schwangerschaft. Joan verlässt das Land und damit auch den Vater ihres Kindes. Sie ist erfolgreich im Beruf als Verlegerin und als alleinerziehende Mutter oft überfordert. Ihre Zeit teilt sie inzwischen auch mit einem deutlich jüngeren Lebensgefährten. Mit dem Schriftsteller Tim, dessen Debütroman sie herausbringt.

©Pandafilm

Nervig

Lars Eidinger legt diesen Tim als Mischung aus nervig und liebenswürdig an. Manchmal fast wie eine Parodie auf sich selbst. Als neurotischen Künstler, der – übertrieben kokett – seine eigene Autogrammstunde ruiniert.

Die Figur der Verlegerin, einer Frau, die sich gewaltsam am Zenit ihres Lebens festklammern will, fasst viele der Charaktere zusammen, die Huppert während ihrer bewegten Karriere gespielt hat. Weshalb der Film nicht viele Überraschungen bietet. Er wandelt allzu traumwandlerisch auf verschlungenen Erinnerungspfaden, zeigt ein nicht immer leicht zugängliches Leben voller Liebe, Verlust und Trauer. Isabelle Huppert und Lars Eidinger bei ihrer „Arbeit“ zuzuschauen lohnt sich bei diesem Film allemal. Gabriele FlossmannDie Zeit, die wir teilen. F/D/IR 2022. 101 Min. Von Laurent Larivière. Mit Isabelle Huppert, Lars Eidinger.

Alexandra Seibel

Über Alexandra Seibel

Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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