Gartenpalais Liechtenstein: Fürstliches Comeback mit Canaletto-Blick

Das Gartenpalais Liechtenstein nimmt im März wieder den offenen Museumsbetrieb auf - mit der Sonderschau "Treuer Fürst"

Es gibt den Canaletto-Blick in Wien mehrfach: Einmal vom Belvedere hinab auf das heute als Hochhaus-Baustelle umkämpfte Areal am Wienfluss. Und zweimal auf das Gartenpalais Liechtenstein und dessen Nebengebäude. Dabei bot sich damals (1759) noch eine unverbaute Aussicht bis auf den Kahlen- und Leopoldsberg.

Die zwei letztenannten Bilder wurden von Fürst Joseph Wenzel I. von Liechtenstein (1696 – 1772) in Auftrag gegeben – einem Militärstrategen und Diplomaten, der ein eng-freundschaftliches Verhältnis zur Regentin Maria Theresia und deren Sohn, dem späteren Kaiser Joseph II., pflegte. Dass er auch  Kunstsammler und herausragender Vertreter eines spätbarocken Repräsentationsbedürfnisses war, ist nun in der Ausstellung „Treuer Fürst“ anschaulich nachzuvollziehen.

©Liechtenstein - The Princely Collections, Vaduz-Wien

Die Schau, die bis zum 31. März bei freiem Eintritt zu besichtigen ist, ist die erste wirklich „öffentliche“ Ausstellung, seit die fürstlichen Sammlungen ihren Museumsbetrieb 2013 auf das Angebot buchungs- und kostenpflichtiger Führungen reduzierten. Solche Führungen sind zur Besichtigung der Dauerausstellung im  Palais – ausgestattet u.a. mit Hauptwerken von Rubens – weiterhin nötig, sie werden aber im März viermal täglich und zu ermäßigten Preisen (15 €, Familienticket 39 €) angeboten.

Gewinn für Wien

Für Wien ist die Teilöffnung in jedem Fall ein Gewinn – nicht zuletzt, weil sich im aufkeimenden Frühling auch  der angrenzende Park zu einer Verschnaufpause von den Mühen des Alltags anbietet. Es gibt in der Hauptstadt wohl keinen anderen Ort, in dem sich aristokratisches Repräsentationsbedürfnis in solcher Fülle und  Qualität betrachten lässt. Wenngleich mit dem „Relaunch“ auch eine hoch professionelle Datenbank der Sammlung und ein 3D-Tool zur Erkundung des in der Sala Terrena abgestellten Prunkwagens verfügbar gemacht wurde, so ist es doch die Aura der Räumlichkeiten, die den Zauber ausmacht.

©APA/ROLAND SCHLAGER

Etwa die Bibliothek: Hier sind in Vitrinen Prunkbände zu sehen, mit denen Joseph Wenzel sich die Welt gleichsam ins Haus holte –  Kunstreproduktionen, Bilder von Flora und Fauna, Landkarten.

Selbst legte der Fürst eine „fast narzisstische Tendenz, sich porträtieren zu lassen“, an den Tag, wie Sammlungsleiter Johann Kräftner formuliert – und so sind Bildnisse des Fürsten in verschiedenen Lebensaltern zu sehen, wobei vor allem die verschiedenen Konventionen und Facetten der Selbstrepräsentation faszinieren.

©APA/ROLAND SCHLAGER

Bei seiner Sammeltätigkeit hatte Wenzel insofern den Canaletto-Blick, als er vier wichtige Venedig-Ansichten des Malers Giovanni Antonio Canal (1679 – 1768) erwarb. Diese Werke wurden 1956 aus Geldnot verkauft, zwei sind nun als Leihgaben des Museo Thyssen-Bornemisza wieder in Wien zu sehen.

Canal war seinerseits der Onkel von Bernardo Bellotto, der ebenfalls den Künstlernamen „Canaletto“ verwendete und für die eingangs erwähnten Wien-Ansichten verantwortlich zeichnete. Die Bilder in der Schau "Treuer Fürst" ergänzen so den „Canaletto-Blick“ vom Belvedere (der zur besseren Unterscheidbarkeit eigentlich Bellotto-Blick heißen müsste). Und ganz generell bilden die liechtensteinschen Sammlungen einen wichtigen Mosaikstein für die Sichtbarkeit des barocken Wien – schön, dass er nun kurz wieder in voller Pracht glänzen darf.

Michael Huber

Über Michael Huber

Michael Huber, 1976 in Klagenfurt geboren, ist seit 2009 Redakteur im Ressort Kultur & Medien mit den Themenschwerpunkten Bildende Kunst und Kulturpolitik. Er studierte Publizistik und Kunstgeschichte und kam 1998 als Volontär erstmals in die KURIER-Redaktion. 2001 stieg er in der Sonntags-Redaktion ein, wo er für die Beilage "kult" über Popmusik schrieb und das erste Kurier-Blog führte. Von 2006-2007 war Michael Huber Fulbright Student und Bollinger Fellow an der Columbia University Journalism School in New York City, wo er ein Programm mit Schwerpunkt Kulturjournalismus mit dem Titel „Master of Arts“ abschloss. Als freier Journalist veröffentlichte er Artikel u.a. bei ORF ON Kultur, in der Süddeutschen Zeitung, der Kunstzeitung und in den Magazinen FORMAT, the gap, TBA und BIORAMA.

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