Filmkritik zu "Nawalny": Nervengift Nowitschok als Putins Unterschrift

Daniel Rohers Doku über den berühmtesten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny ist spannend wie ein Thriller

Schon die erste Frage ist ein Stimmungskiller: „Was ist, wenn du stirbst?“

Alexej Nawalny rollt mit den Augen und sucht nach einer lässigen Antwort: „Wenn ich sterbe, dann mach keinen langweiligen Nachruf, sondern einen Thriller.“

Alexej Nawalny ist noch nicht gestorben, doch der kanadische Regisseur Daniel Roher nahm sich seinen Rat zu Herzen: Er begleitete die Aktivitäten von Nawalny und erzählt die dramatischen Ereignisse rund um den Giftanschlag auf den bekanntesten russischen Oppositionellen wie einen Thriller. Vorläufiges Ende: Nawalnys Inhaftierung bei seiner Rückkehr nach Moskau 2021.

Nawalny selbst bewegt sich in den sozialen Medien wie ein Fisch im Wasser und dokumentiert seine Protestaktionen gegen Putin und den Kreml laufend auf TikTok, YouTube und Co. Als er nur mit knapper Not einen Giftanschlag überlebt, gelingt dem Journalisten Christo Grozev von dem Investigativportal The Bellingcat ein Meisterstück: Durch gekonnte Datenanalyse findet er Namen und Telefonnummern der Attentäter heraus.

Nawalny höchst persönlich ruft unter falschem Namen an – und wenn ihm dann einer der Täter tatsächlich den Hergang der Tat mit dem Nervengift Nowitschok beschreibt, bleibt einem beim Zuhören buchstäblich die Spucke weg. „Das sei ja wie die Unterschrift Putins“, sagt Alexej Nawalny fassungslos. Sollte er tatsächlich sterben, dann habe er doch noch eine Botschaft an die Welt: „Gebt nicht auf!“

INFO: USA 2022. 98 Min. Von Daniel Roher. Mit Alexej Nawalny, Yulia Nawalnaya, Christo Grozev.

Sprachlos: Alexej Nawalny lässt sich am Telefon von einem Täter erzählen, wie er den Giftanschlag auf ihn durchgeführt hat

©Polyfilm
Alexandra Seibel

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Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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