Filmkritik zu "Mit Herz und Hund": Sich verlieben beim Gassigehen

Bittersüße britische Romanze zwischen zwei Pensionisten, die sich beim Hundespaziergang kennen lernen. Mit Stand-up-Comedian Dave Johns.

Wer sich von dem unseligen deutschen Verleihtitel nicht abschrecken lässt, bekommt mit „23 Walks“ – so der Film im Original – eine zartfühlende, bisweilen zum Kitsch neigenden Romanze zwischen zwei älteren Herrschaften zu sehen. Der herausragende britische Stand-up-Comedian Dave Johns, bekannt aus Ken Loachs bitterem Drama „Ich, Daniel Blake“, spielt einen pensionierten Krankenpfleger, der gerne mit seinem Hund durch die Natur streift. Beim Gassigehen trifft er auf eine gleichaltrige Dame – ebenfalls renommiert: die Bühnen-Schauspielerin Alison Steadman –, mit der er sich zuerst wegen der Hunde streitet. Schließlich kommt man einander näher – aber der aufkeimenden Beziehung stehen Altlasten im Weg.

Der Brit-Regisseur und Doku-Filmer Paul Morrison, Jahrgang 1944, versucht, neben einer gemächlichen Liebesgeschichte auch die Lebensrealität einer (absteigenden) Mittelklasse zu erzählen. Er tut dies weit weniger radikal als Ken Loach und verzuckert stattdessen seine sozialrealistischen Beobachtungen mit dem Charme seiner Schauspieler.

INFO: GB 2020. 102 Min. Von Paul Morrison. Mit Dave Johns, Alison Steadman.

Dave Johns und Alison Staedman in "Mit Herz und Hund"

©Filmladen
Alexandra Seibel

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Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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