Filmkritik zu "I Wanna Dance With Somebody": Das Talent von Whitney Houston

Naomi Ackie begeistert mit ihrer Performance als Whitney Houston in einem Bio-Pic, das die Sängerin ehren möchte

Von Brigitte Schokarth

„Ich wollte mit diesem Film das Leben eines großartigen Musikstars zeigen – das, was Whitney Houston speziell und einmalig machte, dieses unvergleichliche Talent, das die Welt berührt hat.“

Clive Davis, der mit seiner Plattenfirma Arista Whitney Houston entdeckte und zu ihrem lebenslangen Karriere-Begleiter wurde, fungiert auch bei „I Wanna Dance With Somebody“ als einer der Produzenten. Er brachte das Projekt ins Rollen, als er Drehbuchautor Anthony McCarten nach dessen Erfolg mit dem Queen-Film „Bohemian Rhapsody“ vorschlug, sich als Nächstes einer Film-Bio von Whitney Houston zu widmen.

Wie schon beim Queen-Film beginnt und endet „I Wanna Dance With Somebody“ mit einem triumphalen Auftritt der Hauptfigur – in Houstons Fall mit dem bei American Music Awards 1994. Dazwischen sieht man, wie Houston von ihrer Mutter Cissy, einer Gospelsängerin, bei Gesangsstunden gedrillt wird, wie sie ihre erste Liebe Robyn Crawford kennenlernt, zum Superstar aufsteigt und sich in ihren Mann Bobby Brown verliebt.

Regisseurin Kasi Lemmons, die sich häufig dem Thema Black Woman Empowerment widmet, kann den Druck des Lebens in der Öffentlichkeit, der mit so vielen Erwartungen von sowohl Fans als auch den Angestellten ihrer Managementfirma einhergeht, genauso spürbar machen, wie die Zerrissenheit zwischen Mutterschaft und Karriere.

Ebenbild

Naomi Ackie ist großartig in der Rolle von Whitney Houston, in Körperhaltung, Gestik und Sprache wie ihr Ebenbild. Beim Gesang kommt die Stimme von Houston, wobei Ackie so perfekt synchron ist, dass man denkt, sie singt selbst.

Damit haben Davis und Lemmons erreicht, was sie wollten. Sie erzählen ohne zu werten oder Houston beim Abstieg in die Drogenszene ausschließlich als Opfer darzustellen, von den Glanzmomenten ihrer Karriere, blenden aber auch die Tiefpunkte nicht ganz aus.

Was Davis mit dem Film auch bezwecken wollte, ist „nicht reinzuwaschen, welch tödliche Wirkung Drogen haben und wie sie eine Person zu einem verfrühten und tragischen Ende brachten“. Das ist nicht ganz gelungen.

Naomie Ackie als Whitney Houston in "I Wanna Dance With Somebody“

©EMily Aragones/Sony Pictures

Nicht gezeigt werden nämlich einige der katastrophalen Fehlentscheidungen gegen Ende von Houstons Leben, als sie sich zum Beispiel mit ihrem Mann in einer MTV-Reality-Serie völlig zugedröhnt einem Millionen-Publikum präsentierte. Und die Szenen im Film, die den Drogenkonsum und die damit einhergehenden Probleme zeigen, sind mit dem Zuckerguss einer hübsch geschminkten, adrett gekleideten und kontrolliert sprechenden Ackie überzogen, und geben nicht die Brutalität des Lebens als Junkie wieder. Aber diese Bilder von Houston hat man ja zur Genüge in den Nuller-Jahren gesehen. Es gibt die Dokus, die all das ins Zentrum rücken. Insofern ist die Entscheidung, sich hier bei der Gratwanderung zwischen Ehrung und Ehrlichkeit auf die Seite der Ehrung zu schlagen, nicht nur verständlich, sondern auch ein Ansatz, der das Image der Ikone tatsächlich wieder auf das zurückbringen kann, was sie zur Ikone gemacht hat.

INFO: USA 2022. 146 Min. Von Kasi Lemmons. Mit Naomi Ackie, Stanley Tucci.

Bio-Pic "I Wanna Dance With Somebody" von Kasi Lemmons

©Emily Aragones/Sony Pictures

Kommentare