Filmkritik zu "Come on, Come on“: Joaquin Phoenix als Ersatzvater

Ein Radiojournalist muss überraschend auf seinen exzentrischen Neffen aufpassen. Zartfühlendes Porträt von Mike Mills.

Komplexe Familienbeziehungen haben Regisseur Mike Mills (Ehemann von Miranda July) schon immer interessiert. Mit seiner Tragikomödie „Jahrhundertfrauen“ setzte er seiner Mutter ein Denkmal, in „Beginners“ verarbeitet er die Trauer um seinen verstorbenen Vater, der sich im Alter von 75 Jahren zu seiner Homosexualität bekannt hatte.

In „Come on, Come on“ hat Mills die Perspektive gewechselt. Nicht mehr denken die Kinder über ihre Eltern nach, sondern Eltern und andere Erwachsene suchen nach den Rollen, die sie gegenüber (ihren) Kindern einnehmen sollen und können.

So schrill, unberechenbar und heruntergehungert Joaquin Phoenix in seiner Oscarrolle als „Joker“ zu sehen war, so entspannt und zurückgenommen porträtiert er nun einen Radiojournalisten und Ersatzvater namens Johnny.

Johnny übernimmt die Aufsicht seines neunjährigen Neffen Jesse, nachdem dessen Mutter sich um den kranken Vater kümmern muss. Jesse erweist sich als kluges, aber auch recht anstrengendes Kind, das gerne Rollenspiele macht und sich als Waise ausgibt.

In sanftem Schwarz-Weiß dokumentiert Mike Mills die emotionale Reise von Onkel und Neffe und erweist sich dabei als feinfühliger Beobachter jener herausfordernder Momente, die gerne als Alltag abgetan werden und untergehen.

INFO: USA 2021. 109 Min. Von Mike Mills. Mit Joaquin Phoenix, Woody Norman.

Joaquin Phoenix unternimmt mit seinem Neffen eine Reise durch Amerika: "Come on, Come on"

©Courtesy of A24 Films/Pandafilm/Courtesy of A24 Films
Alexandra Seibel

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Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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