Filmkritik zu "Alles ist gut gegangen“: Sophie Marceau leistet Sterbehilfe

In François Ozons Tragikomödie unterstützt Sophie Marceau ihren schwerkranken Vater bei seinem Wunsch nach einem geplanten Tod

Sophie Marceau muss niesen. Nein, nichts Schlimmes, wie ihr der Arzt versichert: „Bloß ein Schnupfen.“ In Zeiten von Corona eine gute Nachricht.

Doch dabei bleibt es nicht. Während sich Marceau in der Rolle einer erfolgreichen Autorin namens Emmanuèle bald wieder erholt, erleidet ihr Vater einen Schlaganfall, der ihn halbseitig gelähmt zurücklässt. Unfähig, für sich selbst zu sorgen, beschließt der einst lebenslustige und exzentrische Mann, seinem Dasein ein Ende zu setzen, und bittet die schockierte Emmanuèle um Hilfe. In Frankreich allerdings ist Sterbehilfe verboten. Es muss ein Trip in die Schweiz geplant werden, wo assistierte Selbstmorde angeboten werden.

Der französische Star-Regisseur François Ozon verfilmte die autobiografischen Erinnerungen der mittlerweile verstorbenen Schriftstellerin und Drehbuchautorin Emmanuèle Bernheim, mit der er selbst mehrfach zusammenarbeitete.

Effizient und unsentimental erzählt der Regisseur ein zartfühlendes Drama mit überraschend komischen Untertönen. Sein Schauspiel-Ensemble ist superb, angeführt von Sophie Marceau als geduldiger Tochter im Dauerclinch mit ihrem fiesen Vater, genussvoll gespielt von André Dussollier. Ozon interessiert sich dabei weniger für ethische Fragen rund um Euthanasie, sondern für deren praktische Umsetzung. So kostet die Reise ins Schweizer Institut 10.000 Euro – kein Problem für die wohlhabende Familie, aber: „Ich frage mich, wie das arme Leute machen“, brummelt der todessehnsüchtige Vater. Darauf die entnervte Tochter: „Sie warten, bis sie sterben.“

INFO: F/BEL 2021. 113 Min. Von François Ozon. Mit Sophie Marceau, André Dussollier.

Zwei Schwestern und ihr schwerkranker Vater in "Alles ist gut gegangen"

©Pandafilm
Alexandra Seibel

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Alexandra Seibel schreibt über Film, wenn sie nicht gerade im Kino sitzt.

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