Burning Man Black Rock Desert Nevada Festival

Wüste feiern: Beeindruckende Festivals an öden Orten

In trockenen Orten herrscht manchmal das pralle Leben. Veranstaltungen wie das Burning Man in Nevada locken Tausende in die Wüste.

An und für sich ist die Wüste kein Ort, an dem man sich gerne aufhält – zu heiß, zu kalt, zu trocken, zu groß. Lebensfeindlichkeit pur. Und doch steht das öde Land seit langer Zeit für Rückzugsmöglichkeiten. Der Legende nach führte Moses die Israeliten aus Ägypten durch die Wüste. Gestresste Menschen machen heute eine Auszeit und verbringen ihre Urlaube dort, um spirituelle Eingebungen oder transzendentalen Erfahrungen zu bekommen. Und es wird schon seinen Grund haben, dass am Rande trister Gegenden viele Hochkulturen entstanden sind.

Pause vom Alltag, Rückzug von der Leistungsgesellschaft, transzendente Erfahrungen – wie auch immer die dann geartet sind – und verschiedene Rituale suchen ab 28. August wieder zigtausende Menschen beim Burning Man Festival in der Wüste Nevadas. Es ist eine Mischung aus Kunst- und Musikspektakel und, wie es heißt, das Verrückteste, das der US-Bundesstaat zu bieten hat. Und das will etwas heißen, immerhin gibt es hier auch das schrill-bunte, sündige Las Vegas. Mehrere Tage lang lassen es die rund 70.000 Besucher, die sogenannten „Burner“, krachen.

Plüsch, Harnisch, Selbstversorger

Wer das Ganze wirklich ernst nimmt, wirft sich in nicht alltägliche Schale. Hier wimmelt es von plüschigen Kostümen, strengen Harnischen oder nackter Haut. Musikalisch verzichtet man auf die große Namen, aber die sind auch nicht so wichtig. Wer sich in Sachen Nahrungsaufnahme auf Bier und Burger von Ständen verlässt, wird leer ausgehen. Die Menschen müssen ihre Verpflegung selbst mitbringen. Wer nichts eingepackt hat – auch nicht so tragisch. Gegenseitiges Helfen ist Vorschrift, wie das penible Zusammenräumen nach dem Ende. Die Wüste ist dann sauberer als vorher.

Auf dem Gelände des Burning Man stehen große Skulpturen, die mitunter abgefackelt werden.

©Getty Images/Avalon/Getty Images

Das Burning Man ist ein Kunst-Happening, wo die Besucher auch miteinbezogen werden. Sie basteln riesige Installationen – seien es metallische Dinosaurier oder surreale Tempel. Die Gäste dürfen sich nur zu Fuß, per Fahrrad oder umgestalteten „Mutant Vehicles“, umgebauten Autos, bewegen. Am Ende geht stets eine überdimensionale Figur, der Burning Man, in Flammen auf. Weil sich das ungemein spektakulär anhört und auch sehr aufregend aussieht, hat auch die Unterhaltungsindustrie das Fest entdeckt.

Die TV-Familie der Simpsons war schon hier, die schlimmen Buben von „South Park“ oder von „Malcom mittendrin“ auch. Die Nachfrage übersteigt das Ticket-Angebot bei weitem, auf dem Schwarzmarkt kursieren Karten jenseits der 1.000 US-Dollar. 

Dabei fing alles ganz klein an. Der Legende nach traf sich der zerknirschte Larry Harvey 1986 mit 20 Freunden am Baker Beach von San Francisco, um seinen Liebeskummer zu vergessen. Damit der Frust schneller verflog, verbrannten sie eine Figur eines Mannes. Ob die Katharsis eintrat, ist nicht überliefert. Aber das hölzerne Gebilde wurde ständig größer – wie auch die Zahl der Gäste, bis die zu abzufackelnde Statue auf eine Höhe von zwölf Metern angewachsen war. Die Behörden spielten 1990 die gestrenge Feuerwehr und verboten das hippieske Spektakel. Da mussten die Veranstalter dorthin auswandern, wo sie niemanden störten und ein Feuerchen egal war: in die Black Rock Desert nach Nevada.

Stars, Sternchen, Laternen

Sand, Steine und Staub sind ein fruchtbarer Boden für viele andere Festivals geworden. Ob das ressourcentechnisch klug ist, sei dahingestellt. Eines der größten der Welt, das Coachella, lockt jedes Jahr Hunderttausende Menschen in die kalifornische Wüste. Viele Besucher – darunter Stars und Sternchen – verkleiden sich Jahr für Jahr als moderne Hippies, weil sich das offenbar so gehört. Zumindest für Instagram. Schick ist auch das Rise Festival in Nevada – neben Las Vegas im Oktober in der Mojave-Wüste. Höhepunkt ist, wenn Tausende Laternen in den finsteren Himmel emporschweben. Das gibt bildmäßig schon einiges her.

Beim Rise Festival in der Mojave-Wüste bei Las Vegas steigen Tausende Laternen in die Luft.

©Lovely Day Studios

Wohl als krasses Gegenprogramm gilt das im kalifornischen Teil der Mojave-Wüste stattfindende Wasteland, das am 28. September startet. Hier bauen die Verantwortlichen eine post-apokalyptische Welt auf, die stark an die Mad-Max-Filme erinnert. Hinein kommt nur, wer sich dementsprechend als grimmiger, im Idealfall martialischer Wüstenmensch adjustiert. Nur Not gehen auch düstere Comic-Figuren.

Noch viel lieber ist den Veranstaltern, wenn die wilden Kerle und Frauen noch bei Showkämpfen und ruppigen Spielen mitmachen. Martialisch ist auch die Musik. Hier liebt man den Klang tiefgestimmter Gitarren.

Die Menschen und Gefährte beim Wasteland sehen aus wie aus einem Mad-Max-Film entsprungen.

©AFP via Getty Images/AGUSTIN PAULLIER/Getty Images

Wem das zu ungestüm ist, in Indien gibt es im Februar das Jaisalmer Desert Festival. In der Wüste Thar im Nordwesten des Landes steigt jedes Jahr im Februar ein kunterbuntes Fest für Einheimische und Touristen. Farbige Kleider, Turbane, prächtige Bärte. Hier wird unter den schönsten Männern ein Mr. Desert gewählt und besonders spannend: der Schnurrbart-Bewerb. Wer die längste  Gesichtsbehaarung hat, gewinnt. Dann gibt es Kamelrennen und sogar ein Kamel-Polospiel. Getanzt wird auch sehr viel zu traditioneller Volksmusik aus Rajasthan. 

Da haben wir es wieder: Die Wüste eignet sich auch für jene, die ein Stück Abstand von der modernen Welt haben möchten.

Kunterbunt geht es beim Jaisalmer Desert Festival in Indien zu

©Anadolu Agency via Getty Images/Anadolu Agency/Getty Images

Spannend war sicher auch das Festival au  Désert in der Sahara, das ab 2001 Musik nord- und westafrikanischer Staaten und Völker wie auch das Leben der Tuareg präsentierten sollte. Menschen reisten mit Dromedaren an, viele im Publikum trugen bunte, wallende, traditionelle Gewänder. Pop-Stars wie Damon Albarn oder Bono Vox kamen auch vorbei, bevor die Veranstaltung wegen Terror und Putschversuchen in Mali 2012 ein Ende fand.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich mit Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle - also den schönen Dingen im Leben - befassen. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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