Wie sich Familien jetzt auf den Schulbeginn vorbereiten können

Psychologin Luise Hollerer gibt Tipps, wie Eltern ihre Kinder in der letzten Ferienwoche auf den neuen Rhythmus einschwingen.

Eine gute Woche noch – dann beginnt im Osten Österreichs die Schule. Höchste Zeit, sich darauf einzustellen. Was Eltern bedenken müssen, weiß die klinische Psychologin Luise Hollerer.

  • Tagesrhythmus: Schon jetzt sollten sich die Kinder an den neuen Rhythmus gewöhnen. Muss das Kind zukünftig z.B. um 7 Uhr aufstehen, so sollte sich die Familie auf den neuen Rhythmus einschwingen. Tipp: „Achten Sie darauf, wie viel Schlaf Ihr Kind braucht – das merken Sie, wenn Sie es einige Tage nicht wecken. Entsprechend früh sollten Sohn oder Tochter ins Bett.“
  • Positiv einstimmen: Gerne reden Erwachsene davon, dass mit Schulbeginn der „Ernst des Lebens“ beginnt. „Das kann eine Bürde für das Kind sein“, warnt Hollerer. Besser ist es da, dem Kind bewusst zu machen, wie gut es sich in anderen sozialen Kontexten – etwa im Kindergarten – zurechtgefunden hat. Da helfen Fragen wie: „Was hast du gemacht, wenn du etwas nicht wusstest? Wie hast du Freunde gefunden?“ In der Schule wird es ähnliche Situationen geben – die wird das Kind auch meistern. „Reden Sie auch über Ereignisse, die eintreten könnten – etwa dass das Kind das WC nicht findet.“
  • Leistung „Die Gesellschaft erwartet, dass die Schule die Kinder zur Leistung führt“, sagt Hollerer. „Und diese wollen auch etwas leisten“ Eltern können unterstützen, indem sie ihren Nachwuchs fragen: „Wie wirst du zum Beispiel die Hausübungen meistern?“ Die Aufgaben sollte das Kind von Beginn an selbstständig erledigen – ohne Mithilfe eines Elternteils. Ist es fertig, darf der Papa oder die Mama kontrollieren und sagen: „Zeig mir dein Heft und was du gemacht hast.“ Keinesfalls sollten Kinder überfordert werden. „In der Volksschule gibt es unterschiedliche Lehrpläne, was auch in Ordnung ist, weil die Kinder auf sehr unterschiedlichem Entwicklungsniveau sind. Darauf muss die Schule eingehen“, so die Psychologin.
  • Übergang: Auch der Wechsel in die Mittelschule bzw. das Gymnasium will vorbereitet sein. Und das nicht nur, weil das Gebäude meist unübersichtlicher ist. Plötzlich gibt es verschiedene Lehrpersonen, die nicht alle die gleichen Anforderungen haben. „Eltern sollten immer wieder nachfragen, wie der Lehrer für welches Fach heißt, welche Hefte und Materialien gebraucht werden usw.“ Den Jugendlichen sollte bewusst sein, dass es anfangs oft locker zugeht, aber spätestens im Oktober der Druck steigt.

Wie Eltern die Lerndefizite reduzieren können

Üben, üben, üben

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Die Pandemie hat bei vielen Kindern zu Lernrückständen geführt. Besonders wenn  der Nachwuchs ins Gymnasium kommt, wollen Eltern sichergehen, dass die Defizite nicht allzu groß sind. 
Doch was können und sollten  Eltern in diesem Fall tun? „Das hängt immer davon ab, wie fit Väter und Mütter ihre Kinder haben wollen“, sagt die klinische Psychologin Luise Hollerer. Generell sei es aber gut, wenn Grundlegendes sitzt.
Manchmal scheitern Volksschüler nämlich an scheinbaren banalen Dingen wie dem Alphabet: „Manche haben nach vier Jahren Volksschule noch Probleme mit seltenen Buchstaben wie einem Y oder Q“, weiß sie aus Erfahrung. 
Auch in Mathematik fehlt oft die  Übung. Ihr Rat: „Am besten verankert man kleine Rechnungen in den Alltag. Wenn Sie zum Beispiel jetzt  Schuhe und Jacken für die Schule einkaufen gehen, dann  fordern  Sie das Kind auf, den Gesamtpreis zu berechnen. Oder geben Sie ihm 100 Euro und fragen, was man davon alles kaufen kann. Auch beim Kuchenbacken üben Buben und Mädchen die Maßeinheiten so nebenbei. Im Garten können sie die Fläche eines Beets berechnen.“ 
Doch nicht alles kann in den Alltag eingebaut werden: Schriftliches Dividieren und Multiplizieren kann man  so lange trainieren, bis es automatisiert ist. Ähnliches gilt für die Rechtschreibung.

Sicher in die Schule    

Sicherer Schulweg

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Jetzt ist die beste Zeit, um den Schulweg zu trainieren. „Das gilt nicht nur für Volksschüler, sondern auch für Kinder, die in die Mittelschule wechseln“, sagt Psychologin Luise Hollerer. 

„Bei den Kleinen geht es besonders auch um das Thema Verkehrssicherheit. Hier können Eltern ihre Kinder ermutigen, dass sie die Guides sind – dass also die Buben und Mädchen ihre Eltern sicher in die Schule führen.“ Die Kinder üben somit selbstständig und selbstverantwortlich den Schulweg.

Bei älteren Kindern geht es meist darum, dass sie neue Verkehrsmittel wie Bus oder Straßenbahn nutzen lernen. Wenn die Kinder öfters umsteigen müssen, muss der Weg häufiger trainiert werden. Eltern und Kinder sollten auch darüber reden, was passiert, wenn das Kind in einen falschen Bus eingestiegen ist oder eine Haltestelle verpasst hat. Hier kann ein Handy, mit dem man Mutter oder Vater anruft, gute Dienste leisten.

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