Weste von Loewe

Styling-Tipps: Wie man eine Weste stilsicher trägt

Der Cardigan, erfunden für das Militär, getragen von Politikern und Künstlern, hat als Kleidungsstück eine bewegte Geschichte und trägt bis heute modisch zur Selbstfindung bei.

Wer hätte gedacht, dass eine simple Strickjacke dabei helfen kann, Karriere zu machen? Dass sie zum Symbol für so unterschiedliche Lifestyles wie Biederkeit und Rebellion werden kann? Etwa bei Taylor Swift, deren poetische Folk-, Soft- und Indie-Rock-Ballade "Cardigan" vor zwei Jahren mit über 7,742 Millionen Streams an der Spitze der globalen Spotify-Songcharts war.

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Die Sängerin löste sogar einen Modehype um die Strickjacke aus. "Und als ich mich fühlte, als wäre ich eine alte Strickjacke – unter jemandes Bett –, hast du mich angezogen und gesagt, ich sei dein Favorit", textete sie in einem Video, das einer Cottagecore-Ästhetik folgte und Swift in einer gemütlichen, urigen Hütte und einem moosbedeckten Wald zeigte.

Gemütlich und vor allem warm soll die Strickjacke ja auch sein. Schließlich geht ihr Name auf James Brudenell zurück. Der 7. Earl of Cardigan revolutionierte im 19. Jahrhundert mit dem Kleidungsstück die britische Textilindustrie. Gemeinsam mit Lord Raglan, von dem der berühmte Raglan-Schnitt stammt. Er ließ die warme Strickjacke mit vom Kragen schräg eingesetzten Ärmeln als Teil der Uniformen für seine Soldaten anfertigen. Und der Cardigan, den 1990 der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl beim berühmten "Strickjackentreffen" mit Michail Gorbatschow trug, hängt heute im Haus der Geschichte in Bonn und gilt als Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands. Stil: Normcore konservativ.

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Dank Kurt Cobain oder Jeff Bridges bekam die Strickjacke einen rebellischen "Grunge"-Status. Cobain trug die graue Strickjacke mit einem Brandloch beim legendären "Unplugged"-Konzert in New York. Und Jeff Bridges verkörperte den coolen Dude im Film "The Big Lebowski" in einem Cardigan mit Ethno-Muster. Seitdem hat sich das Teil auch im Hip-Hop breit gemacht und wird von Rappern gerne getragen.

Damen-Strickjacken wurden wiederum mit Feinstrick berühmt. 1940 etwa durch Alfred Hitchcocks Film Rebecca. Hauptdarstellerin Joan Fontaine trug eine Strickweste. In Lateinamerika wurde der Name „Rebecca“ für die feinen Jacken übernommen. Fontaine trug im Film einen gleichfarbigen Pullover darunter, ein Set, das als klassisches Twinset der britischen Marke Pringle bekannt wurde. Bis Ende der 1960er-Jahre war dieser Stil bei modischen Frauen populär. Queen Elizabeth zeigte sich übrigens auch gerne in den klassischen „Rebeccas“. Aktuell etwa bei Paul Smiths Kollektion zu haben. Style: Modisch, minimal, smart.

So trägt man Cardigans

Normcore-Männer kombinieren edle Klassiker mit Schalkragen und Zopfmuster und stylen darunter Hemden. Wer rebellischer ist, setzt auf den wieder auflebenden Grunge-Look und bunte, lässige Jacken in Grobstrick, die über T-Shirts getragen werden. Damen haben die Wahl zwischen Unisex-Modellen im Grunge-Look oder feinen Twinsets à la Rebecca. Die passen perfekt zu engen langen Röcken oder weiten High-Waist-Hosen, wie sie heuer in Mode sind.

Florentina Welley

Über Florentina Welley

Mag. Florentina Welley schreibt seit 2006 als Lifestyle-Autorin über ihre Lieblingsthemen: Mode, Reise, Design und Kunst. Darüber hinaus konzipiert sie Shootings, kuratiert auch Kunst- und Designevents. Auch Film-Erfahrung hat sie, etwa als Co-Produzentin für den Spielfilm „Die toten Fische“, darüber hinaus ist sie in Werbung und Medien bekannt für Konzepte, Textierungen jeden Genres und Modeproduktionen samt Styling, Regieassistenz, Ausstattung und Kostümbild.

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