Flaschenpost: Warum ein feines Weinchen Leib und Seele erfreut

Christina  Fieber
Kolumne

von Christina Fieber

Ein, zwei Gläschen am Tag sind der Gesundheit zuträglich. Und nicht nur deshalb sollte man genug Wein daheim haben.

An dieser Stelle wird wohl keiner einen moralinsauren Appell zur Mäßigung des Weinkonsums erwarten. Zumal man ja inzwischen weiß, dass ein, zwei Gläschen am Tag der Gesundheit zuträglich sind.

Dass auch der Umkehrschluss gilt, mag erstaunen, ist aber das Ergebnis einer Langzeitstudie der Cooper Clinic in Dallas an exakt 38.653 Probanden. Demnach zeigen körperlich fitte Teilnehmer einen Hang zu höherem Alkoholkonsum, jedoch zu geringerer Abhängigkeit. Wer hätte das gedacht. Freilich, wer sich regelmäßig niederkübelt, wird fitnesstechnisch wohl zum Laberl. Ab und an ein feines Weinchen hingegen erquickt Leib und Seele. Ob im Lockdown oder zwischen zwei Lockdowns – in der Welle lässt sich auch die x-te Welle ertragen und der Gang in den Weinkeller verstößt nicht gegen Ausgangsbeschränkungen.

Selbst der Erwerb von Weinen außer Haus fiele, wenn schon nicht unter „Deckung notwendiger Grundbedürfnisse“, so doch unter „psychische Erholung“. Zu beachten ist dabei lediglich der jeweilige Effekt: Während Schaumweine die Laune boostern, können Rotweine aufs Gemüt drücken. Schwermütige Zeitgenossen tun gut daran, stets eine Flasche Sekt oder Champagner im Kühlschrank parat zu haben. Hitzige Temperamente schenken sich lieber Rotwein ein.

Wem es dennoch unvernünftig erscheint, Wein bei Weltkrisen oder Mikrodramen zu empfehlen, möge bedenken, dass besondere Zeiten besondere Maßnahmen erfordern.

Christina  Fieber

Über Christina Fieber

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

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