Warum Sommerbiere leichter, aber nicht geschmacklos sind

Sommerlichen Durst mit Bier löschen? Dazu muss man nicht auf süßen oder sauren Radler umsteigen. Der Trend geht beim Brauen zu weniger Volumsprozenten.

Die sommerliche Kausalkette: Es steigen die Temperaturen, daher der Durst – und das Bier wird leichter. „Tendenziell greifen die Kunden dann zu Bieren mit weniger Volumsprozenten. Der Markt dafür ist definitiv vorhanden“, sagt Peter Krammer. Er leitet die regionale Brauerei in St. Martin im Mühlkreis in fünfter Generation, das „Hofstettner Bier“ ist hier eine regionale Größe. Wenn es um Bier geht, kann man im Land ob der Enns getrost nachfragen. Sechzig Brauereien sind in Oberösterreich aktiv. Nicht nur Krammer merkte zuletzt den Zug zum weniger gehaltvollen Bier im Sommer: Viele Hersteller, ob industriell oder aus der Craftbeer-Szene, haben leichtere Biere im Sortiment.

Es ist unübersehbar, dass sich der Lifestyle etwas verändert hat. Das richtige Bier schmeckt am besten zur richtigen Jahreszeit getrunken. Ein kräftiges Bock-Bier mit mehr als sechs Volumsprozenten, wie es etwa im Winter gebraut wird, würde bei dreißig Grad vermutlich nicht erfrischen, sondern recht schnell betrunken machen. Sogenannte Leichtbiere mit Alkoholgehalt von maximal 3,7 Prozent fallen dafür nicht automatisch in die Kategorie Sommerbiere.

Schub vor zehn Jahren

Krammer fielen die sich ändernden Vorlieben erstmals vor rund zehn Jahren auf. „Damals haben wir ein Märzen-Bier mit nur 4,5 Volumsprozenten gemacht und gesehen, dass es gut ankommt.“ Doch erst, als der Braumeister beim „Mühlviertler Bio Pale Ale“ die Volumsprozente von 5,5 auf 4,5 senkte, „war das ein richtiger Schub“. Mittlerweile sei dieses obergärige, vor allem in der Craftbeer-Szene gern gebraute Bier einer der Bestseller. Vor allem, aber nicht nur im Sommer.

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Wenn nun Bier-Puristen ob eines ihrer gängigen Volumsprozente erleichterten „G’schloders“ die Nase rümpfen und fürchten, der Geschmack leide erheblich: keine Sorge! „Das Bier soll schon nach etwas schmecken.“ Um die Themen Alkohol und Geschmack kommt man bei sommerlichen Biere nicht ganz herum. Alkohol ist zwar ein Geschmacksträger im Bier, das müsse man bei weniger Volumsprozenten anders ausgleichen. „Mit dem Hopfen kann man den Alkohol als Geschmacksträger abfedern“, erklärt Krammer.

Für sein Pale Ale, ein obergäriges, helles Bier, verwendet er Hopfen der Sorte Cascade, die sich durch Zitrusnoten auszeichnet. „Der Geschmack ist typisch für diesen Biertyp.“ Zur Kategorie der obergärigen Biere – die Hefe bei eher moderaten Temperaturen in Alkohol umwandeln – gehört übrigens ebenso das Indian Pale Ale (IPA). Das würde man ob seiner fruchtigen Aromen bei den Sommerbieren vermuten – aber Bierkenner Peter Krammer verneint. IPA sei gar nicht so beliebt im Sommer. „Die Biere aus der Craftbeer-Szene enthalten viel Alkohol und haben sechs bis sieben Volumsprozente. Der Hopfen braucht einfach einen Gegenpart.“

Bitter erfrischend

Umgekehrt ist englisches „Lager“ oder tschechisches „Pilsener“ mit etwa 4,5 Volumsprozenten leichter als vielleicht gedacht. Andere Länder, andere Volumsprozente, meint Krammer. „Das hat sich so entwickelt.“ Die beiden zählen, so viel sei der Vollständigkeit halber gesagt, zu den untergärigen Bieren (wie auch das klassische Märzen). Dafür werden Hefen verwendet, die auch bei kühlen Temperaturen gären. Mittlerweile brauen viele Brauereien auch untergärige Sommerbiere. „Da kann man ebenso viele Aromen hineinbringen.“ Ein „Pils“ hat oft ein intensiveres Aroma, ist eher bitter – was wieder für Erfrischung an heißen Tagen spricht.

Radler

Bei Bier im Sommer muss jedenfalls noch der Radler erwähnt werden. Peter Krammer kann der ursprünglichen Variante, wie sie einst in Bayern mit säuerlicher Zitronenbrause gemischt wurde, durchaus etwas abgewinnen. „Aber was heute an süßer Limonade in den Radler gemischt wird, ist ganz weit weg davon.“

Der Mühlviertler Braumeister braucht sich seinen Radler am liebsten selbst zusammen: Zuerst Zitronenlimonade mit Mineral verdünnen und dann mit Bier mischen. Mit einem sauren Radler kann er aber gar nichts anfangen, eine „absolute Unart“ sei dieses „g’spritzte Bier“, das den Biergeschmack verwässere. „Da trink’ ich lieber einen halben Liter Mineral und ein Seidl dazu.“

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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