Die Geschichte des unfassbaren Planter’s Punch

Lange war er im Verruf - jetzt ist der Planter's in alter Frische wieder da. Für Modezar Michael Kors ist er einer der besten Drinks der Welt.

Eigentlich gibt es den Planter's gar nicht. Oder er war einfach überall in der Karibik, so ganz selbstverständlich. Man nahm, was eben da war: Dunkler Rum, Zuckerrohr, frischgepresster Fruchtsaft, Wasser. Und zwar nach folgender Faustregel:  „One of Sour, Two of Sweet, Three of Strong, Four of Weak.“ Also üblicherweise ein Teil Limettensaft, zwei Teile Zuckerrohrsaft, drei Teile Rum und vier Teile Wasser.  So  einfach war das. Und soooo gut, wenn alle Teile richtig reif und üppig tropisch sind. Jamaica-Rum-Punch hieß die Sache schon vor 200 Jahren, also lange vor dem großen Earnest Hemingway. Tatsächlich war der alte Benjamin Franklin einer der ersten Fans. Und Hemingway ließ sich, das muss man hier zugeben, schon eher die "American Formula" des Drinks schmecken: „1 süß, 2 sauer, 3 schwach, 4 stark.“ Also ein wenig mehr Power für den starken Papa.

Earnest Hemingway (hier mit seiner Frau im Jahr 1941) schlürfte gerne einen "Planter's Punch" - wenn auch in seinem eignen Mischverhältnis.

©Hulton Archive / Getty Images

Womit wir allerdings auch schon beim Punkt sind: Jeder machte mit dem Planter's, was er wollte. Es gibt keine frischen Zutaten? Dann nehmen wir eben Cocktailkirsche, Ananas, Schirmchen, Orangensaft aus dem Tetrapack und füllen alles in einen Riesen-Humpen. Das war dann der Niedergang des Drinks, den er ab den 1980ern gemeinsam mit dem Kokoscreme-Sahne-Wahnsinn, der sich damals Pina Colada nannte, beschritt.

Aber jetzt ist alles anders. Der Zauber der Karibik ist zurück, der strenge Modedesign-Superstar Michael Kors nannte den Planter's Punch erst kürzlich seinen Lieblings-Cocktail, weil er, wie kein Getränk sonst, das Flair der paradiesischen Inseln im tropischen Atlantik widerspiegelt. Und nach seinem Motto "weniger ist mehr" basteln die guten Bartender dieses Planeten mittlerweile wieder einen reduzierten Planter's Punch, der tatsächlich nach Karibik schmeckt

Okay, ein bisschen Grenadine kann schon sein, und ein paar Spritzer Bitters. Grapefruit statt Limette? Warum nicht! So genau nahm man es vor 100 Jahren in der Karibik auch wieder nicht. Oder wie es Superauskenner Wayne Curtis in seinem Buch "And A Bottle Or Fum..." formulierte: "Beginnen Sie mit einer Basis, one of sour, two of sweet, three of strong, four of weak. Dann verändern Sie ihn […]. Versuchen Sie es mit exotischen Früchten, vielleicht Bitters. Es ist eigentlich egal, was Sie machen. Einen Planter’s Punch kann man immer neu erfinden. Er gehört demjenigen, der ihn für sich beansprucht."

Wichtig sind der Rum und die frischen Zutaten. Dann schmeckt es nach tropischen Inseln, Sonne und Meer.

Den Drink selbst gibt es seit dem frühen 18. Jahrhundert. Seit wann er tatsächlich "Planter's Punch" heißt? Meist wird der Name auf den legendären Barkeeper Jerry Thomas zurückgeführt, der Mitte des 19. Jahrhunderts unter anderem im "Planter's Hotel" in St. Louis, Missouri tätig war. Andere orten das Planter's Hotel in Charleston, South Carolina als Namensgeber.

Prinzipiell ist es egal. Erfunden wurde er weder da noch dort, sondern direkt im Herz der Karibik. Und genau daran sollte man denken, wenn man ihn genießt

In Format Ausgetrunken beleuchtet die freizeit die Historie diverser Drinks und wirft einen Blick auf deren kulturelle Bedeutung.

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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