Kor Dogs, Dalgona-Kekse und Co: Streetfood aus Südkorea ist in

Daniel Voglhuber

von Daniel Voglhuber

Nicht erst seit der Serie Squid Game stehen junge Menschen auf das asiatische Land. Besonders angesagt ist das Essen.

Heiß und fettig ist das Gericht, das Juliana Yunsook Jung aus der kleinen Küche ihres „JUJU Korean Cafe“ im dritten Wiener Bezirk vorbei am türkisen Ladentisch und an den bunten Bubble-Tea-Zutaten untermalt von lauten koreanischen Pop-Klängen trägt. Sie stellt es auf einen pinken Tisch vor der pinken Wand und sagt anpreisend: „Hier sind sie, die berühmten Kor Dogs.“

Der frittierte Snack ist die koreanische Variante des Corn-Dog aus den USA und seit einigen Monaten gerade unter jungen Menschen sehr angesagt. Eine Frankfurter oder Käse (oder beides kombiniert) am Stiel wird mit Teig umhüllt (manchmal auch noch mit Erdäpfelstücken) und frittiert. Obendrauf kommen noch unterschiedliche würzige Saucen.

Juliana Yunsook Jung mit zwei K-Dogs in ihrem JUJU Korean Cafe

©Kurier/Juerg Christandl

Nicht unbedingt der leichteste Imbiss, aber heiß begehrt. Denn südkoreanisches Streetfood ist in bei der Jugend – wie das Land, aus dem es kommt. Und das nicht erst seit der so erfolgreichen wie umstrittenen, brutalen und gesellschaftskritischen Serie Squid Game über tödliche Kinderspiele.

Boyband BTS und lange Schlangen

„Das Interesse am Land und dem Essen hat eigentlich schon mit der Boyband BTS angefangen“, meint Yunsook Jung, die studierte Cellistin, die vor ihrer Gastro-Karriere im Kulturbereich gearbeitet hat. BTS ist eine Truppe aus androgynen Burschen, die bei Mädchen rund um den Globus für weiche Knie und lange Menschenschlangen vor ihren Konzerten sorgen.

Lange Schlangen über mehrere Gassen hinweg gab es auch im März vor dem koreanischen Restaurant Sura im ersten Bezirk. Es war das erste Haus, das in Wien die Kor Dogs verkauft hat. Eigentlich, weil es aus der Not eine Tugend gemacht hat. „Das Take-away hat im Lockdown nicht so gut funktioniert und wir haben überlegt, was wir machen könnten“, erzählt Kim Dada vom Lokal. Das Grübeln hat sich offenbar bezahlt gemacht. Die Resonanz auf den Snack, der in Südkorea ähnlich beliebt wie eine Wurstsemmel hierzulande sei, war groß – gerade unter den jungen Menschen. „Sie sehen die Serien auf Netflix wie ‚Streetfood’ und wissen daher auch einiges über die koreanische Küche. Essen und Trinken ist in Korea ein wichtiger Teil der Kultur und des sozialen Lebens. Das hat sich international etabliert.“

Essen ist den Südkoreanern wichtig. Das Foto wurde am Markt Gwangjang in der  Hauptstadt Seoul aufgenommen

©Getty Images/TiagoBaiao/iStockphoto

Es müssten deshalb nicht nur Kor Dogs sein, auch Tteokbokki sei begehrt – ein gebratener Reiskuchen, der in einer scharfen Sauce gekocht und mit Fischkuchen verfeinert wird. „Vieles ist frittiert, aber alles Fettige schmeckt auch“, meint Kim Dada. Doch die koreanische Küche könne auch gesund sein: Es werde viel mit frischen, hochwertigen Zutaten und Meeresfrüchten gekocht. „Ich glaube, in Österreich würden Gerichte mit rohem Fisch nicht so gut ankommen.“

 

Tteokbokki, ein Reiskuchen in Sauce

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Mittlerweile werden im Sura keine Kor Dogs mehr ausgegeben, die klassische Speisekarte gilt wieder. Aber gerade wird in der Walfischgasse an einem eigenen Streetfood-Lokal gearbeitet. Es soll Ko:on heißen und im Dezember aufsperren. Bis dahin wird wohl der Erfolg von Squid Game weiter anhalten – und damit auch die Nachfrage nach den Dalgona-Keksen. Sie bestehen aus erhitztem Zucker und Backpulver und haben ein eingestanztes Muster wie einen Mond, ein Herz oder einen Stern. Und ein beliebtes Kinderspiel ist es, diese herauszubekommen, ohne die Form zu zerbrechen. Die Aufgabe bekommen auch die Teilnehmer der Serie gestellt. Einige scheitern, was den Tod für sie bedeutet.

Dalgona-Kekse

Auch bei Juliana Yunsook Jung im JUJU Korean Cafe gab es die Kekse zuletzt inklusive Wettbewerb, wenn auch nicht mit fatalem Ausgang. „Ich kenne alle Spiele aus Squid Game aus meiner Kindheit. Und meine Gäste sollten das auch einmal probieren“, sagt sie. Wer will, kann bei ihr auch wie in der Serie versuchen, mit einem Wurf eines gefalteten Umschlags einen anderen – am Boden liegenden – Umschlag umzudrehen. Nicht erlaubt ist es aber, dem Verlierer eine schallende Ohrfeige zu geben.

Dalgona-Kekse aus Zucker und Backpulver - hier im JUJU Cafe in Wien

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Wer gewinnt, kann sich mit einem Bungeoppang belohnen, wer verliert damit trösten. Das ist ein fischförmiges Gebäck, das die Mutter eines Squid-Game-Teilnehmers am Markt verkauft und Yonsook Jung auch immer mal wieder im Angebot hat. Der Teig wird dabei in ein Waffeleisen mit fischförmiger Gussform gegossen. „Das habe ich extra aus Korea“, sagt die Betreiberin, die dieses Brot mit roter Bohnenpaste oder Nutella füllt.

Fischkuchen Bungeoppang mit einer Füllung aus der Wiener Landstraßer Hauptstraße

©Kurier/Juerg Christandl

Ansonsten stellt Yonsook Jung den Wienern neben hierzulande ausgefallenen Getränken regelmäßig koreanisches Streetfood vor. Im Sommer war das etwa der K-Toasty – ein gegrilltes Sandwich mit leicht süßlichem Ei-Patty, Sauce und viel Gemüse. Dass so etwas bei der Zielgruppe ankommt, zeigt sich am TikTok-Account. Das kleine Cafe im dritten Bezirk hat dort 18.000 Follower.

 

Imbisse

JUJU Korean Cafe: Bubble Tea, Kaffee, Snacks wie K-Dogs.
Wien 3, Landstraßer Hauptstr 6.  facebook.com/jujukoreancafe

Restaurant Sura: Koreanische und japanische Spezialitäten. Auf der Karte stehen Streetfood-Klassiker wie  Tteokbokki. Wien 1, Singerstraße 13, sura.wien

Ko:on: Streetfood-Dependance des Sura. Eröffnet voraussichtlich im Dezember. Wien 1, Walfischgasse 4

Akakiko: Die Asia-Kette hat in ihren Filialen in Wien, Linz, Vösendorf und Salzburg koreanische Corndogs im Programm. Allerdings limitiert auf eine begrenzte Stückzahl akakiko.at

BAO MeBu: Hier gibt es asiatische Bao-Burger u. a. auch einen koreanisch-inspirierten. Wien 2, Taborstraße, 11a baomebu.at 

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Daniel Voglhuber werkt seit Dezember 2020 für die KURIER Freizeit und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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