Flaschenpost: Die Leistung des Speisebegleiters

Die Sprache ist gespickt mit PR-Floskeln – so auch die Weinsprache: Was flockig klingen und zum Kauf animieren soll, mündet nicht selten in hässlichen Wort-Ungetümen.

Wie etwa der Begriff „Speisebegleiter“ für Weine – ein nicht auszurottendes Attribut mit dem Appeal eines alternden Ex-KGB-Agenten. Wenn einem als Beschreibung eines Weines nicht mehr einfällt, als seine fragwürdige Fähigkeit, ein Gericht zu eskortieren, dann schweigt man lieber. Ganz abgesehen davon, dass der Informationswert dieser Zuordnung gen null geht – so gibt es wohl keinen Wein, zu dem sich nicht irgendein Essen finden lässt und umgekehrt. Die zweifelhafte Auszeichnung eines Gewächses als „großartiger Speisebegleiter“ nimmt einem jedenfalls jede Lust, auch nur daran zu riechen. Nicht zuletzt ist auch der Begriff Speise von dürrem Charme, der eher an schnödes Kantinenfutter als an gutes Essen denken lässt.  

„Was um Himmels willen muss denn ein Wein leisten? Viel Rausch um wenig Geld oder jede Menge Tannin zum Spottpreis?“

Auch andere lustlose Wortschöpfungen halten sich hartnäckig: Etwa das Prädikat „Preis-Leistungs-Wein“, als handle es sich nicht um ein Genussmittel, sondern um einen Vollwaschautomaten. Was um Himmels willen muss denn ein Wein leisten? Viel Rausch um wenig Geld oder jede Menge Tannin zum Spottpreis? Und wer legt den Maßstab fest? Was für den einen die große Leistung, ist für den anderen lediglich eine Niederlage. Darf ein guter Wein nicht einfach nur Freude machen – für Augenblicke Glück bescheren, ohne dafür in Währungseinheiten oder Parker-Punkten gemessen zu werden? L’art pour l’art sozusagen.

Christina  Fieber

Über Christina Fieber

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

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