Was Katzen auf ihren Streifzügen treiben

Freigänger halten sich die meiste Zeit näher bei ihrem Zuhause auf, als bisher gedacht. Das zeigt eine norwegische Studie.

Was Haustiere unbeobachtet treiben, beflügelt die Fantasie. So entstanden animierte Kinofilme, schaulustige Fernsehsendungen mit Überraschungseffekt und – dank erschwinglicher, kleiner Technik – der Trend, den eigenen Vierbeiner mittels Kamera bzw. Ortungssystem zu überwachen.

Im Vorjahr baten norwegische Wissenschafter die Bewohner von Ås, die Katzen der Kleinstadt mit Trackern auszustatten. Nun veröffentlichten sie die Ergebnisse im Fachmagazin „Nature“: Die 92 erfassten Tiere verbrachten in einem Monat durchschnittlich 79 Prozent ihrer Zeit im Freien in einem maximalen Umkreis von 50 Metern rund um ihre Wohnadresse. 352 Meter betrug die durchschnittliche Maximal-Entfernung der Versuchskaninchen.

Nur ganz wenige ziehen weite Kreise

„Einige Individuen waren relativ weit unterwegs, manchmal mehrere Kilometer, aber das war die Ausnahme“, kommentiert Studien-Erstautor Richard Bischof und steckt damit auch das bevorzugte Rast- und Jagdgebiet der Freigänger ab. Hauskatzen zählen weltweit zu den häufigsten Fleischfressern; mit nicht zu unterschätzenden Auswirkungen auf Kleinsäuger, Vögel & Co.

Artgerechtes Leben

„Katzen, die draußen unterwegs sein dürfen, leben artgerechter und sind damit glücklicher als reine Stubentiger“, sagt KURIER-Tiercoach Katharina Reitl. Der Zoodoc aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn gibt gleichzeitig zu bedenken, dass Strawanzer die Freiheit mitunter teuer bezahlen. Denn vor allem das Überqueren von Verkehrswegen sowie Revierkämpfe mit Artgenossen können gefährlich sein. In Österreich sieht das Tierschutzgesetz vor, dass Streuner mit festem Wohnsitz kastriert sein müssen. Die Nebenwirkung der Geburtenkontrolle: Sie schränkt Wanderlust und Streitigkeiten ein. Doch zum Erhalt der Gesundheit braucht es mehr. Veterinärmediziner empfehlen speziell den Schutz vor Parasiten und mehrere Impfungen.

Nichts für nervöse Gemüter

„Ein GPS-Tracker ist sicher spannend, aber nichts für schwache Nerven“, sagt Reitl. Die Daten könnten beispielsweise zeigen, dass der Liebling mehrmals täglich über Bahngleise schleicht oder sich gerne in dem Garten mit den scharfen Hunden bzw. dem unfreundlichen Nachbarn aufhält. Damit das Halsband mit dem technischen Gerät selbst nicht zum Risiko wird, muss es eine Sollbruchstelle aufweisen; diese schützt vor Strangulation, sollte die Katze z. B. im Geäst hängen bleiben.

Gefahr durch Fleischfresser für Tierwelt

Für die norwegischen Forscher freilich stand weniger die Gefährdung der Katzen im Vordergrund als jene durch die Beutegreifer. Bischofs Zwischenbilanz: „Hauskatzen haben definitiv einige Auswirkungen auf die natürliche Umgebung ... vor allem auf die lokale Tierwelt.“ Weitere Studien sollen folgen.

Hedwig Derka

Über Hedwig Derka

Hedwig Derka, geboren 1966 in Wien, seit 1996 Redakteurin beim KURIER. Spezialgebiet: Tiere. Lieblingsthemen: Menschen und ihre Geschichten, nutzloses Wissen, Wissenschaft. Lieblingsbeschäftigung außer Dienst: Meine kleine und große Familie. Noch Fragen? Interessante Geschichten? Nutzloses Wissen? eMail an mich: [email protected]

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