Sind wir verrückt? Warum erkennen wir Gesichter in Wolken & Co.?

Kennst du das? Wolken, Häuser und Bäume mit Augen und Mündern? Ist das verrückt oder normal? Einem Phänomen auf der Spur.

"La-Le-Lu, nur der Mann im Mond schaut zu“. Den meisten wird das Phänomen bekannt sein, wenn etwa dunkle Flecken im Vollmond den „Mann im Mond“ vor unseren Augen entstehen lassen oder Wolken-Formationen wie galoppierende Pferde oder bärtige Gesichter erscheinen. Diese Illusionen nennt man Pareidolie und bezeichnet  die Fähigkeit des Menschen, in abstrakten Mustern und Alltagsdingen Gesichter zu erkennen. Aber Achtung, bevor du diesen Artikel weiterliest, eine kleine Warnung vor möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Es könnte sein, dass du in den kommenden Tagen mehr Gesichter siehst, als dir lieb ist. Warum?

Aber Achtung, bevor du diesen Artikel weiterliest, eine kleine Warnung vor möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Es könnte sein, dass du in den kommenden Tagen mehr Gesichter siehst, als dir lieb ist. Warum? Nun, taucht man nur ein wenig in dieses Phänomen ein, kann Folgendes passieren: Der Milchschaum auf dem Morgenkaffee schaut so putzig drein, dass man es fast nicht übers Herz bringt, ihn zu trinken. Der Computerbildschirm im Büro starrt einen mit aufgerissenen Augen an. Und die Bratwurst zum Abendessen blickt einem mit hängenden Mundwinkeln entgegen.
Was tun? Bratpfanne umdrehen, zwei Spiegeleier drüber – und schon lacht die Welt.

Das gibt es doch nicht. Was schau einen denn da an? Umheimlich oder einfach nur Pareidolie?

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Sind wir verrückt?

Und genau so sollte man der Pareidolie begegnen – mit einem Smiley. Findest du es verrückt, in Baumstämmen Augen, Münder und Nasen zu erkennen? Laut Neurowissenschaftler Kang Lee ist das total normal. Er und sein Team haben für die Studie „Seeing Jesus in the Toast“ 2014 den lg Nobel erhalten, weil sie zeigen konnten, dass wir in Mustern (in diesem Fall die braunen Flecken am Toast) Vertrautes suchen. Dafür ist eine bestimmte Hirnregion verantwortlich, und zwar dieselbe, die auch für Erwartungen zuständig ist. Was wiederum bedeutet, dass wir vor allem dort Gesichter sehen, wo wir mit ihnen rechnen.

Auch ein Blick in die wilden Zeiten unserer Vorfahren mit Säbelzahntiger & Co. erklärt, warum das so ist. Schon damals war man darauf angewiesen, bedrohliche Angreifer rasch zu erkennen. Wir sind also auf das Erkennen von Gesichtern evolutionsgeschichtlich trainiert. In Millisekunden schätzen  wir ein, ob es jung, alt, gut oder schlecht gelaunt ist. Nun, die Wolkengesichter heute schauen freundlich aus. Hast du’s gesehen?

Frage der Freizeit

Hier schreiben Autoren und Redakteure abwechselnd über Dinge, die uns alle im Alltag beschäftigen.

Annemarie Josef

Über Annemarie Josef

stv Chefredakteurin KURIER freizeit. Lebt, liebt und arbeitet seit 1996 in Wien. Gewinnerin des Hauptpreises/Print bei "Top Journalist Award Zlatna Penkala (Goldene Feder)" in Kroatien. Studium der Neueren Deutschen Literatur in München. Mein Motto: Das Leben bietet jede Woche neue Überraschungen.

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