Erster Schnee: Der Winter-Knigge für Wien

Agnes Preusser

von Agnes Preusser

Ein Überblick, wann Sie sich beklagen, aber nicht klagen dürfen, welche Kleidung ratsam ist, und warum jeder schuld ist – außer den Wiener Linien

Was ist das weiße, kalte Zeug, das da vom Himmel fällt? Völlig überraschend bedeckt das Naturphänomen Schnee die Straßen der Stadt. Und das im Winter! Doch keine Sorge: Die freizeit hat auch bei solch unvorhergesehenen Ereignissen den Überblick, wie Sie am sichersten das winterliche Wien durchqueren können.

Für alle Radler lohnt sich etwa ein Blick auf die Seite fahrradwien.at der Mobilitätsagentur. Beim Lesen wird allerdings schnell klar, dass man den Wienern tatsächlich nicht die größte Kompetenz in Sachen Winter zugesteht. Es findet sich etwa der ratsame Tipp: „Mütze und Handschuhe schützen vor den kalten Temperaturen und spenden Wärme.“ Aha!

Liest man weiter, wird es allerdings auch für Kälte-Profis lehrreicher. Bei rutschiger Fahrbahn sorgt es für mehr Sicherheit, den Reifendruck etwas zu senken und den Sattel ein wenig tiefer zu stellen.

So vorbereitet lässt es sich gut radeln – und das am besten auf geräumten Straßen. Unter wien.gv.at findet sich deshalb eine Karte mit all jenen Radwegen, auf denen der Winterdienst unterwegs ist.

Schaufeln ist Privatsache

Eine weitere Tücke ist die Schneeräumung. Die Betreuung von Gehsteigen und Stiegen ist in fast allen Fällen Privatsache. Der Betreuungszeitraum fällt in die Zeit zwischen 6 Uhr und 22 Uhr.

Kleiner Tipp: Wenn ein Schneepflug neuerlich Schnee auf einen bereits geräumten Gehsteig schiebt, brauchen sie keine Klage erwägen. Sie wohnen in Wien, den Gang zum Gericht hat natürlich schon jemand anderer für Sie erledigt – allerdings erfolglos.

Laut Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes muss der Anrainer den zurückgeschobenen Schnee wieder selbst entfernen. Was es beim Schneeräumen sonst noch zu beachten gibt, das finden Sie auf wien.gv.at.

Schneematsch, Graupelschauer, Wind und Nebel: Nie ist Wien romantischer als im Winter.

©Kurier/Franz Gruber

Nur eines ist in diesem Zusammenhang noch gut zu wissen. Wenn Sie bei einer Öffi-Haltestelle wohnen, sind ebenfalls Sie für die Räumung zuständig, nicht die Wiener Linien. Die wiederum kümmern sich um die U-Bahnstationen und um die Schienen. Auf KURIER-Anfrage war man gestern allerdings noch ganz entspannt.

50 Personen sind in Rufbereitschaft und rücken heute im Ernstfall aus, um die Schienen vom Schnee zu befreien – das sei aber erst ab einer Höhe von fünf Zentimetern notwendig.

Die anderen können nix

Dass die Öffis bei Schneefall oft Verspätung haben, liege übrigens selten an den Öffis selbst, heißt es von den Wiener Linien. Problematisch sei vielmehr, dass bei Schneematsch auf den Straßen alle langsamer werden und man sich dem Individualverkehr anpassen müsse.

Die These, dass die meisten Autofahrer sich ebenfalls nicht die Schuld am zähen Verkehr geben, sondern allen anderen, ist allerdings vermutlich auch nicht zu gewagt. Im Fall der Öffis kommt jedenfalls erschwerend hinzu, dass bei Schnee viele Autofahrer beim Parken nicht genügend Abstand zu den Gleisen lassen und die Straßenbahn dann bei der Durchfahrt behindern.

Auf dem Wiener-Linien-Blog wird außerdem mit den gängigsten Mythen aufgeräumt. Dass es besonders im Winter in den Öffis zu voll sei, weil zu wenig Züge unterwegs sind, stimme so nicht. Es liege vor allem dran, dass Autofahrer und Radfahrer sich die Fahrt mit dem eigenen Gefährt nicht antun wollen und kurzfristig auf die Öffis umsteigen.

Vielleicht entscheiden sich heute einige Mutige dennoch für das Rad, weil sie nach der Lektüre den Wärme-Trick mit den Handschuhen kennen.

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