"Dopesick" auf Disney+: Der Skandal rund um OxyContin

Philipp Wilhelmer

von Philipp Wilhelmer

Die Epidemie in Tablettenform: Das Schmerzmittel machte entgegen den Angaben der Pharmafirma süchtig. Die Folge waren bisher 450.000 Drogentote.

Wer in den vergangenen 15 Jahren über ländliche Industriegebiete in den USA gelesen hat, stolperte immer wieder über dasselbe Phänomen: Die Heroinabhängigkeit explodiert. Menschen, die gestern noch bürgerlichen Berufen nachgingen, hängen heute an der Nadel.

Der Grund hat einen Namen: OxyContin, ein Schmerzmittel, das im Jahr 1995 von der Arzneimittelfirma Purdue auf den Markt gebracht wurde. Die Eigentümerin, die Milliardärsfamilie Sackler, wendete aggressive Vermarktungsstrategien an und pries das Opioid bei den Ärzten als harmlos an.

Die Realität stellte sich anders dar: Entgegen der Darstellungen der Firma machten die Tabletten rasch abhängig, wurden am Schwarzmarkt gedealt und führten zu Drogenkriminalität und Prostitution. Letzten Endes landeten viele beim Heroin, weil es billiger ist. Süchtig wurde man beim Arzt, Kunde beim Dealer. Die Folge waren bisher 450.000 Drogentote und eine Drogenepidemie im weißen Mittelstand.

Die Serie „Dopesick“ (ab heute bei Disney+) arbeitet die unglaubliche Geschichte des Medikaments auf, das Milliardäre zu Multimilliardären machte und eine der meistverkauften Arzneien auf dem Planeten wurde.

Die erste Folge startet in einer kleinen Bergbaugemeinde, deren Arzt Samuel Finnix (hervorragend gespielt von Michael Keaton) die Pillen an seine erste Patientin verschreibt.

Großartig dargestellt ist auch die Familie Sackler, die mit ihrem Mäzenatentum (samt eigenen Flügeln in Museen von Weltrang) ein anderes Image pflegte, bis die Entscheidung von Richard Sackler, ein Schmerzmittel auf den Markt zu bringen, verheerende Folgen zeigt. Michael Stuhlbarg spielt den sich selbst zermarternden Pharmaunternehmer überzeugend.

Die Familie Sackler zog sich mit einem Insolvenzverfahren für Purdue im wesentlichen aus der Affäre. „Dopesick“-Macher Danny Strong will mit seiner Serie ein Gegengewicht bringen. Sie sei „die Gerichtsverhandlung, die hätte stattfinden sollen“, sagte er der New York Times.

Philipp Wilhelmer

Über Philipp Wilhelmer

Debatte, Kultur und Medien. Ist mit mehrplatz.kurier.at damit beschäftigt, die Lebenswelten von Migrantinnen und Migranten in neues Licht zu rücken.

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