
Diese Austro-Designer fielen bei der Fashion Week in Paris auf
Bei der wichtigsten Modewoche der Welt sind immer wieder auch Designerinnen und Designer aus Österreich mit ihren Produkten zu Gast.
von Brigitte R. Winkler
"Man darf nicht zu schüchtern sein!" Dieser Satz fällt Florentina Leitner fast als Erstes auf die Frage ein, wie man es schafft, während der Pariser Modewoche gleich mehrere Shows zu veranstalten und damit auch noch auf dem offiziellen Kalender – neben Dior, Balenciaga, Rick Owens, Comme des Garçons oder Chanel – der Fédération de la Haute Couture et de la Mode zu stehen.
Nach dem Studium und einer Lehrzeit bei Dries Van Noten machte sich die Wienerin 2022 mit ihrem Label selbstständig. Und sie wusste damals schon: "Will man die Aufmerksamkeit der internationalen Presse und Einkäufer erringen, ist Wien nicht der richtige Ort für eine Modeschau." Also entschloss sie sich, die Schüchternheit zumindest zeitweise abzulegen und ihre Kollektionen in Paris zu zeigen.
So auch jetzt wieder anlässlich der Pariser Fashion Week Anfang März. Um es vielen Interessierten möglich zu machen ihre neue Herbst-Winter-Kollektion zu sehen, wurden wieder gleich drei Shows knapp hintereinander abgehalten. Florentina: "Die Leute sollen jederzeit kommen können. Wenn Presse und Buyers zu spät zur Show kommen, können sie sich den Anfang bei der nächsten Show ansehen."
Sitzplatznummern bekam man keine zugesendet. Da durfte man sich vor den Shows direkt vor Ort eine Nummer aus einem Glas ziehen. Über das Thema der Kollektion sagte ihr Partner, Maximilian Rittler: "Back to school – damit haben wir gearbeitet, mit gender, proper aber auch bad girl und auch mit den Kritzeleien, die man in seine Schulhefte macht. Wir haben auch ein paar Elemente von Lady Dianas Garderobe miteinbezogen und haben alles zusammengemixt und dann von Aliens entführt, ins Spaceship geschickt."
Handschrift mit Blumen
Dass auf jeden Fall Florentina Leitners Handschrift nicht zu übersehen war – Blumen müssen einfach sein – begeisterte wieder. Auch im offiziellen Showroom der Fédération, im Sphere im Palais de Tokyo konnte man Florentina Leitner und Maximilian Rittler dann weitere Tage antreffen.
Und warum Paris? Florentina: "Einerseits, weil es die größte Modewoche ist, die es gibt. Ich hatte vorher schon gehört, dass die meisten Einkäufer nach Paris kommen. Daher wollte ich in Paris zeigen. Als kleiner Brand ist es wichtig, viele Leute zu erreichen. Und auf der Sphere habe ich mehr Zeit mit den Leuten zu reden. Sechs Saisonen darf ich dort gratis sein." Jetzt, Anfang März war das bereits ihre Fünfte.
Die Einzigen aus Wien waren Florentina Leitner und Maximilian Rittler aber nicht. In gemieteten Showrooms und auf offiziellen Messen fanden sich weitere Mode-Designerinnen und -Designer. Wie zum Beispiel der Wiener Hutmacher Klaus Mühlbauer. Und wenn sich jemand in der internationalen Modewelt auskennt, dann ist das Klaus Mühlbauer. Kaum hatte er von seinen Eltern die renommierte Hutmanufaktur übernommen, wollte er mit seinen Innovationen auch das Ausland erobern. Also fuhr er erstmal durch die wichtigsten Modestädte und schaute sich das Angebot an Modemessen an. Bereits 2002 startete er dann mit Paris. Wo er auch heute noch während der Modewochen anzutreffen ist.
Denn: "Auch wenn ich der Abwechslung halber manchmal gerne an andere Orte reisen würde, habe ich als Modeschaffender nicht wirklich die Wahl. Paris bleibt DER Modetreffpunkt der Welt. Hier kommen die meisten EinkäuferInnen, Shop-BesitzerInnen etc. aus aller Welt her, um die neuen Kollektionen anzusehen – auch jene von Mühlbauer. Und das ist eben auch der Grund, warum wir hierherfahren."

Auch dieses Model zeigte Florentina Leitner auf den Pariser Shows
©Florentina LeitnerBegonnen hat er auf einer der damals renommiertesten Modemessen in Paris, der Premiere Classe. Dann wechselte er in einen privaten Showroom, den er auch Kollegen aus Österreich zur Verfügung stellte. Klaus Mühlbauer dazu: "Premiere Classe hat sich für uns angeboten als Plattform für eine exquisite Auswahl der weltbesten Accessoires. Als ich dort 2002 begann, mussten sich Labels manchmal jahrelang bewerben bzw. anstellen, um aufgenommen zu werden. Insofern hielt man über viele Jahre das Qualitätsniveau. Alle anderen Plattformen und Messen von Pitti Uomo Florenz über White Mailand, D&A New York, Premium Berlin usw. reichten nicht einmal annähernd an das Niveau und auch nicht an die Besucherzahlen von Premiere Classe heran. Aber Covid setzte Premiere Classe ordentlich zu. Um das Ausbleiben vieler Labels zu kompensieren, füllten die Organisatoren die Hallen nach Covid mit Kommerz und Billigware und der Ruf bzw. das Image als Highend-Messe der Accessoires war schnell zerstört. Und so verließen auch wir 2023 Premiere Classe und organisierten einen Showroom."
Diesen organisiert in der Zwischenzeit Alexandra Lanzi von Wien Products. Die Vereinigung wurde 1995 von der Wirtschaftskammer Wien gegründet, um ausgewählte Wiener Betriebe und Kulturinstitutionen in ihren Export-Aktivitäten zu unterstützen.
Und wen trifft man während der Pariser Modewoche im Showroom Wilde in der Nähe des Pariser Rathauses dort an? Die Designerinnen und Designer und die Produkte von Eva Blut, rosa mosa, Sagan Vienna, Klaus Mühlbauer, Florian Ladstätter, Lena Quadrat und ihre Marke artpont, Published by, Beatica und GÜC.
Simone Springer und Yuji Mizobuchi und ihr Label rosa mosa sind auch schon seit 20 Jahren immer in einem Showroom in Paris gewesen. Simone: "Österreich ist einfach kein Marktplatz für Avantgarde-Mode. Dafür ist das Land zu klein, man muss hinaus.“ Auch sie merkte wie Klaus Mühlbauer den Unterschied nach Covid: "Die Einkäufer haben jetzt einfach kleinere Budgets."
Normalerweise ist Camille Boyer von der Wiener Austrian Fashion Association (AFA) auch mit einem Showroom heimischer Labels in Paris. Diesmal versuchte sie etwas ganz anderes. Labels aus Österreich wurden mit einer groß angelegten Plakatinstallation präsentiert.
Insgesamt rund 1.000 Plakate wurden immer wieder an wichtigen Mode-Orten – wie zum Beispiel vor dem trendigsten Pariser Concept-Store, dem Dover-Street-Market – präsentiert. Ein auf dem Plakat abgebildeter QR-Code führt zu einem Online-Magazin, worin sich die AFA selbst und die von ihr geförderten Labels aus Österreich vorstellten.
Auf der offiziellen Messe, der Premiere Classe in den Tuilerien war Lena Hoschek mit einem Teil ihrer Jubiläumskollektion zugegen. Dafür hatte sie ihre Lieblingsmodelle aus den 20 Jahren Lena Hoschek ausgesucht und neu gestaltet. Nur wenige Meter weiter fand man Gregor Pirouzi und seine Frau im Nina Peter-Stand.
Großartig die nach wie vor von Hand gefertigten Handschuhe, aber jetzt auch Taschen und Accessoires. Zum Lieblingsprodukt hat sich schon das Ensemble Dodo, bestehend aus einer Tasche mit angeklickten Handschuhen entwickelt. Und auch nicht sehr weit entfernt die schönen Kaschmirmützen von Hurray aus Wien.

Alles Handarbeit: Tasche und Handschuh von Nina Peter aus feinstem Material.
©Nina PeterOne Minute Sculptures
Am Ende der gewaltig langen Messehalle dann der Stand mit wunderbaren Gläsern von Lobmeyr gemeinsam mit Gohar World aus New York. Und – wie Leonid Rath verriet – man stellte die gleichen genialen Objekte, wie schon 1925 anlässlich der internationalen Ausstellung "Des Arts decoratifs", bei der Lobmeyr dafür ausgezeichnet worden war, 100 Jahre später wieder aus.
Und was hat ein Weltkünstler, der in Wien und Limberg in Niederösterreich beheimatet ist, mit der Modewoche zu tun? Das erlebte man auf großartige Weise bei der Issey Miyake Modeschau. Als man die Location im Carrousel du Louvre betrat, wurde man auf skulpturartige "Schmuckstücke" – bestehend aus quasi menschlichen Körpern und Mode-Elementen – auf dem Laufsteg aufmerksam. Dazu tanzten junge Menschen ganz lässig und wie nach ihrer eigenen Choreographie zwischen dem ankommendem Publikum.

Bei der Modeschau von Chef-Designer Satoshi Kondo von Issey Miyake im Carrousel du Louvre hatte der Wiener Künstler Erwin Wurm mit seinen "One Minute Sculptures" als Inspiration und Konzept für die Gestaltung des Laufsteges und den Performances junger Tänzer während der Pariser Show mitgewirkt
©OPHELIE MAURUSWährend der Modeschau bildeten einige von ihnen mit Hilfe der Modelemente von den bereitstehenden Skulpturen ihre "One Minute Sculptures". Ja, es stand auch im Programmheft, wer die Ideen dazu geliefert hatte: Performative works & original concept Erwin Wurm. Und bei der Show anwesend war "unser" Künstler natürlich auch. Auch die Mode von Satoshi Kondo für Issey Miyake war wieder großartig. Sicher eine der besten in Paris gezeigten Kollektionen.
Kommentare